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Besuchsverbot in Spitälern

15.09.2020 • 19:36 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Masken auf und Abstand halten: Die Landesregierung hofft auf die Mitarbeit der Bevölkerung. <span class="copyright">Symbolbild/Stiplovsek</span>
Masken auf und Abstand halten: Die Landesregierung hofft auf die Mitarbeit der Bevölkerung. Symbolbild/Stiplovsek

Corona-Ampel: Landesregierung informiert über Empfehlungen.

Das Coronavirus beginnt sich derzeit wieder stärker in Vorarlberg auszubreiten. Dies spiegelt sich seit ges­tern auch in der Corona-Ampel wider. Leuchtete diese seit ihrer Einführung Anfang September in allen Vorarlberger Bezirken grün, ist dies seit gestern 8 Uhr nicht mehr der Fall. Auf dem Corona-Dashboard des Landes Vorarlberg sind nun auch die Farben „gelb“ und „orange“ für den gesamten Bezirk Dornbirn sowie Teile der Bezirke Bregenz und Bludenz zu sehen. Einzig die Talschaften Bregenzerwald das Kleinwalsertal sowie Lech und Zürs erstrahlen noch in grün. Was dieser Wechsel der Ampelfarbe nun bedeutet und welche Auswirkungen sie auf die Bevölkerung beziehungsweise das tägliche Leben hat, darüber informierten am Dienstag Landeshauptmann Markus Wallner, Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Public-Health-Experte Armin Fidler im Rahmen des Pressefoyers in Bregenz.

Anlass zur Sorge

„Die Fallzahlen geben Anlass zur Sorge. Wir haben wahrscheinlich alle über den Sommer ein bisschen zu sorglos gelebt“, brachte es Armin Fidler in Bezug auf die seit Tagen stetig steigenden Infektionszahlen auf den Punkt und verwies mit Blick auf die Nachbarländer Deutschland, Schweiz und Italien auf die dort vorherrschenden strengeren Corona-Maßnahmen. Mit Stand gestern 16 Uhr waren in Vorarlberg 308 Personen aktiv an dem neuartigen Coronavirus erkrankt. Fidler betonte gestern, dass die nun bestehende Farb­einteilung für mindestens zwei Wochen so bleiben werde. Dies solle ein „flackern“ der Ampel – sprich ein ständiges Umschalten der Farben – verhindern.

Informierten gestern über den Stand in Vorarlberg: Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, Landeshauptmann Markus Wallner und Public-Health-Experte Armin Fidler.<span class="copyright">VLK/Müller</span>
Informierten gestern über den Stand in Vorarlberg: Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, Landeshauptmann Markus Wallner und Public-Health-Experte Armin Fidler.VLK/Müller

Eine Gesamteinschätzung der Situation für das Bundesland gab Landeshauptmann Markus Wallner. „Das Virus beginnt sich wieder wesentlich stärker zu verbreiten. Wir brauchen jetzt wieder die Mitarbeit der Bevölkerung und wir brauchen jetzt auch wieder ein hohes Maß an Eigenverantwortung. Mit der Änderung der Ampelfarbe wird nun deutlicher, dass wir auf ein größeres Infektionsrisiko zusteuern“, so Wallner, der auch erklärte, dass künftig sicherlich wieder die ein oder andere zusätzliche Maßnahme umgesetzt werden müsse. Indem er gestern Unterschiede zum Frühjahr aufzeigte, wollte Wallner „ein stückweit die Sicherheit geben, dass wir die Sache gut im Griff behalten“. Etwa habe es im Frühjahr, was die Zahlentwicklung angeht, ein noch höheres Infektionsgeschehen gegeben als heute. „Wir wussten bei manchen Fällen auch nicht, woher das Virus überhaupt kommt. Heute können wir bei einem ganz großen Teil, etwa bei 80 Prozent der Fälle, die Herkunft nachvollziehen und die Kontakte identifizieren.“ Somit gelinge denn auch eine rasche Unterbrechung der Infektionskette. Gerade dieses Unterbrechen der Infektionskette werde auch zukünftig der Schlüssel zur Eindämmung des Virus in Vorarlberg sein. Daher kündigte Wallner gestern an, dass das Infektionsteam noch weiter aufgestockt werden soll – unter anderem mit Mitarbeitern aus dem Landhaus sowie durch einen Assistenzeinsatz des Bundesheers – und dieses künftig in der Halle 14 der Messe Dornbirn angesiedelt werden soll. „Insgesamt sollen dort 92 Arbeitsplätze zur Verfügung stehen“, so Wallner.

Corona-Maßnahmen bei Ampelfarbe "gelb". <span class="copyright">Vlk</span>
Corona-Maßnahmen bei Ampelfarbe "gelb". Vlk

Testungen

Ein weiterer wesentlicher Unterschied zum Frühjahr betreffe die Testungen. Gemäß Wallner wird nun viel mehr und schneller getestet als noch vor wenigen Monaten. Der Landeshauptmann weiter: „Wir arbeiten professionell weiter in der Pandemiebekämpfung und bemühen uns vor allem bei der Kontaktnachverfolgung, noch einen Zahn zu zulegen.“
Im Bezug auf Cluster-Bildungen informierte Markus Wallner indes dahingehend, dass es hier zu einer Verlagerung komme. „Die Frage der Reiserückkehrer und deren Problematik lässt nach, es sind nun eher wieder Infektionen, die im Land auftreten. Das ist etwas beunruhigender, weil wir auch Clus­terbildungen in Familien oder nach Partys feststellen oder auch im Sport – konkret im Fußball“, so der Politiker, der in diesem Zusammenhang auch aufzeigte, dass es mit Stand gestern Mittag neun Fälle im Bildungsbereich – betroffen waren hier sowohl Kinderbetreuungseinrichtungen als auch Schulen – gibt.
Gemäß Wallner befanden sich mit Stand gestern Mittag 15 Personen aufgrund einer Corona-Infektion im Spital, drei davon müssen intensivmedizinisch betreut und künstlich beatmet werden. „Die Anzahl der Patienten in Spitälern steigt nicht rapide an, aber sie steigt an“, so Wallner.

Ampelfarben

Was die unterschiedlichen Ampelfarben nun für die Bevölkerung bedeuten, dies erläuterte Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, die umgehend betonte, es handle sich lediglich um Empfehlungen und nicht um Verordnungen. Für diese würden derzeit noch die rechtlichen Grundlagen fehlen. Sie appellierte jedoch an die Bevölkerung, den Empfehlungen unbedingt Folge zu leisten.
Als Beispiele für empfohlene Maßnahmen für „gelbe“ und „orange“ Regionen nannte Martina Rüscher etwa das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Umgang mit Risikogruppen oder eine Kontaktdatenerhebung bei Veranstaltungen, deren Besucherkapazitäten eingeschränkt werden sollen. Sportarten mit Körperkontakt – wie Fußball – sollen im „orangen“ Bezirk Dornbirn nicht ausgeübt werden. Ebenfalls solle die Betreuung im Bereich der Elementarpädagogik vor allem im Freien stattfinden.

Für die heimischen Spitäler gilt wieder ein Besuchsverbot.<span class="copyright">Archiv/Hartinger</span>
Für die heimischen Spitäler gilt wieder ein Besuchsverbot.Archiv/Hartinger

Die Änderung der Ampelfarben bringe indes auch neue Maßnahmen für die heimischen Spitäler mit sich, informierte Rüscher weiter. Hieß es erst, dass nur für die Krankenhäuser in den orange­gefärbten Gebieten – sprich für das Stadtspital Dornbirn, das LKH Hohenems sowie das LKH Bludenz – ab heute wieder ein Besuchsverbot mit Ausnahmen gültig sein soll, verlautete die Gesundheitslandesrätin am Ende des Pressefoyers: „Die Regelungen werden für alle Spitäler in Vorarlberg gültig sein. Somit auch für Bregenz und Feldkirch. Diese Information habe ich soeben bekommen.“ Ebenfalls werden Ambulanzen nur mehr für Notfälle und Patienten mit einer Überweisung offenstehen.
Die Umsetzung der Maßnahmen hat ab heute Gültigkeit.

Corona-Maßnahmen bei Ampelfarbe "orange". <span class="copyright">VLK</span>
Corona-Maßnahmen bei Ampelfarbe "orange". VLK