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Genesene bis 40 oft ohne Antikörper

21.09.2020 • 13:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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70 Prozent der Bevölkerung von Reichenau nahmen an Antikörper-Studie teil.

Die meisten Coronavirus-Genesenen im Alter von 15 bis 40 Jahren weisen nach ihrer Krankheit keine Antikörper auf. Das geht aus einer in Reichenau a.d. Rax (Bezirk Neunkirchen) durchgeführten Erhebung hervor. „Das ist überraschend, deckt sich aber damit, dass bei einem (für diese Altersgruppe typischen, Anm.) milden Verlauf weniger Antikörper gebildet werden“, erklärte die niederösterreichische Landessanitätsdirektorin Irmgard Lechner am Montag in einem Pressegespräch.

Reichenau: 70 Prozent nahmen an Studie teil

Im Rahmen der im Juni durchgeführten Studie waren der gesamten Bevölkerung mit Hauptwohnsitz und Personen der kritischen Infrastruktur in Reichenau Antikörpertestungen angeboten worden. Die Gemeinde war im Frühjahr mit 61 Erkrankten und bis zu 260 Personen in Quarantäne stark von der Pandemie betroffen und bot somit gute Voraussetzungen für eine Vollerhebung.

1.824 der 2.637 Eingeladenen nahmen an der Studie der niederösterreichischen Landesstatistik teil, was etwa 70 Prozent entsprach. Dabei waren auch 49 der 61 im Frühjahr positiv Getesteten. Bei 71,4 Prozent der Erkrankten, die verschiedenen Altersgruppen zuzuordnen waren, wurden Antikörper nachgewiesen. Insgesamt wiesen 6,5 Prozent der Gemeindebewohner Antikörper auf.

Symptome

Studienteilnehmer seien zudem zu eventuellen Symptomen, Krankheitsverlauf und soziodemografischen Merkmalen befragt worden. „Alle per PCR-Test positiv Getesteten mit Antikörpern hatten Husten. Auch Geschmacks- und Geruchsverlust, starke Müdigkeit und Fieber wurden als weitere Symptome angegeben“, berichtete Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Diejenigen, die keine Antikörper gebildet hatten, klagten hingegen vor allem über Schnupfen, der „nicht das Leitsymptom einer Covid-Erkranknung“ sei, erklärte Lechner. Darum seien auch leicht verschnupfte Kinder ohne Fieber „wahrscheinlich nicht“ an Covid-19 erkrankt, fügte sie im Hinblick auf das vor kurzem gestartete Schuljahr hinzu.

„Keiner ist sicher. Man weiß auch nicht, wie schwer es einen erwischt“, sagte Reichenaus Bürgermeister Hannes Döller (ÖVP). Gerade Wachsamkeit und Eigenverantwortung seien darum besonders wichtig. Die Studie diene zudem als Schlüssel für weitere Erkenntnisse.

Auf Contact Tracing gesetzt

Für Lechner und Königsberger-Ludwig bewiesen die Ergebnisse, dass die niederösterreichische Strategie im Kampf gegen das Coronavirus die Richtige sei. „Wir haben damals nicht den ganzen Ort in Quarantäne geschickt, sondern auf Contact Tracing gesetzt, wie wir das heute auch machen“, sagte die Landessanitätsdirektorin. Die Infektionskette nachvollziehen zu können sei „das Wichtigste“. Laut der Erhebung beläuft sich die Durchseuchung in der Gemeinde auf etwa sechs Prozent.

Man überprüfe jedoch die Testkapazitäten im Land, fügte die Landesrätin hinzu. Gerade mobile Tester seien wichtig, um bei Verdachtsfällen schnell Klarheit zu bekommen. Derzeit gebe es 35 Teams. „Wir überlegen, noch mehr Drive-In-Teststationen einzusetzen“, berichtete die Landesrätin. Auch mehr Schnelltests seien im Gespräch. „Es braucht keine Panik, aber es braucht Vorsicht“, appellierte Königsberger-Ludwig und rief die Bevölkerung zur umfassenden Kooperation mit den Contact Tracing Teams auf.