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Keine Freude mit früher Sperrstunde

22.09.2020 • 20:03 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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Hartinger

Gastronomievertreter ärgern sich über Politik.

Wenig Freude haben die Verantwortlichen in der Vorarlberger Gastronomie mit der am Dienstag angekündigten Vorverlegung der Sperrstunde auf 22 Uhr. Ab Freitag soll die Regelung für zumindest drei Wochen lang in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gelten. Das gaben die Landeshauptmänner Markus Wallner (Vorarlberg), Günther Platter (Tirol) und Wilfried Haslauer (Salzburg/alle ÖVP) in einer Aussendung bekannt. Grund für diesen Schritt sei die Gesamtentwicklung der Infektionszahlen und ein damit steigendes Risiko, sagte Wallner im Pressefoyer nach der Regierungssitzung. In den drei Bundesländern werde damit ein deutlicher Schritt in der Infektionsbekämpfung gesetzt – auch im Hinblick auf die bevorstehende Wintersaison.

Metzler: Reisewarnung droht

Wirtschaftskammerpräsident Hans Peter Metzler, der ebenfalls im Pressefoyer zum Thema Lehrlingsausbildung (siehe Seite 18/19) anwesend war, zeigte sich von der Ankündigung nicht erfreut. Er räumte jedoch ein, dass es eine politische und medizinische Notwendigkeit für die Maßnahme gebe. Zudem drohe angesichts der Infektionszahlen auch eine Reisewarnung der Nachbarländer. Daher sei der Wirtschaftskammer nichts anderes übrig geblieben, als zuzustimmen.

Feiern im privaten Bereich

Weniger diplomatisch gab sich Stefan Köb, stellvertretender Obmann der Sparte Tourismus und der Fachgruppe Gastronomie in der Kammer. Die Vorverlegung der Sperrstunde stehe in keinem Verhältnis zur aktuellen Situation, sagte er auf Nachfrage. Die Branche habe sich bis auf wenige schwarze Schafe an die bisher gültigen Maßnahmen gehalten. Verstöße seien zwar angezeigt worden, aber hätten keine Konsequenzen gehabt.
Köb sieht auch die Gefahr, dass sich die Feiern nun noch stärker in den privaten Bereich oder auch in Vereinslokale verlagern. Die Frage sei auch, ob die frühere Sperrstunde zielführend sei, wenn in der benachbarten Schweiz oder auch in Süddeutschland bedeutend länger gefeiert werden kann. Die Partyhungrigen würden dann halt vermehrt dorthin gehen.

Protest angekündigt

Seinen Unmut über die Vorverlegung der Sperrstunde tat – einem Bericht der Wirtschaftspresseagentur.com zufolge – Gabriel Venturiello, der Inhaber von „Gabriel’s Cucina“ in Dornbirn, auf Facebook kund. Die Betriebe könnten durch die Maßnahme nicht mehr kos­tendeckend arbeiten. „Das ist der letzte Atem, den Ihr aus unseren Kehlen nehmt“, schreibt der Gastronom in seinem „offenen Brief“ an die Bundes- und Landesregierung, die Wirtschaftskammer und die Stadt. Venturiello forderte die politisch Verantwortlichen auf, die Maßnahme zu überdenken und den Dialog mit den Wirtschafts­treibenden zu suchen und diese mit ins Boot zu holen. Ansonsten sehe er sich dazu gezwungen, „mit allen demokratischen Mitteln dagegen zu protestieren.

Der Gastronom bemängelt auch die Informationspolitik seitens des Landes. So habe er nur aus den Medien von der Vorverlegung der Sperrstunde erfahren. Zudem gebe es kein Konzept, um den ohnehin schon gebeutelten Nachtlokalen und der Eventgastronomie zu helfen. Die Branche erwarte sich Unterstützung, aber diese bleibe aus.

Entscheidung ordentlich kommunizieren

Köb äußerte Verständnis dafür, dass Maßnahmen getroffen werden, wenn ­dies notwendig sei. Allerdings sei die Situation derzeit nicht außer Kontrolle, sondern entwickle sich lediglich in die falsche Richtung. Es sei genügend Zeit gewesen, um die Entscheidung ordentlich zu kommunzieren und auch ein Konzept zur Unterstützung der betroffenen Unternehmer auszuarbeiten. Köb äußerte auch die Hoffnung, dass es keine weitere Verschärfung der Maßnahmen mehr gibt und die auf 22 Uhr festgelegte Sperrstunde auch nur die angekündig­ten drei Wochen lang dauert.

Nachtclubbetreiber Thomas Krobath zeigte sich enttäuscht von der Politik. <span class="copyright">Hartinger</span>
Nachtclubbetreiber Thomas Krobath zeigte sich enttäuscht von der Politik. Hartinger

Thomas Krobath, der den Röthner Nachtclub „Vabrik“ betreibt, zeigte sich gestern verärgert über die überraschende Ankündigung der Landeshauptmänner. Erst am Montag seien für die Gastronomie neue Regelungen eingeführt worden. Diesbezügliche Infoplakate sollten gerade gedruckt werden. Es könne nicht sein, dass bereits einen Tag später eine weitere Verschärfung erfolge. Die „Vabrik“ bleibt nun für die kommenden drei Wochen geschlossen. Danach müsse man sehen, wie es weitergehe. Das Handtuch zu werfen, kommt für Krobath jedoch nicht in Frage.

Der Unternehmer ist jedoch nicht nur verärgert, sondern auch von der Politik enttäuscht. Die dortigen Verantwortlichen würden es den heimischen Gastronomen anscheinend nicht zutrauen, es zumindest ein Wochenende lang mit den am Montag in Kraft getretenen Verschärfungen zu probieren und die weitere Entwicklung zu beobachten. „Das ist sehr enttäuschend“, sagte Krobath.