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Lehre fördern mit „Vorarlberg Bonus“

22.09.2020 • 20:01 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
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„Vorarlberg Bonus“ ist neues Fördermodell für Lehrlingsausbildung.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist aufgrund der fortdauernden Corona-Pandemie eine schwierige – auch in Vorarlberg. Daher stellten am Dienstag im Rahmen des Pressefoyers in Bregenz Vertreter der Landesregierung, der Wirtschaftskammer sowie des Arbeitsmarktservices mit dem „Vorarlberg Bonus“ eine neue Maßnahme vor, die zu einer Entlastung der angespannten Situation beitragen soll.

Arbeitsmarktkrise

Dabei sagte Landeshauptmann Markus Wallner zur derzeitigen Lage: „Wir dürfen nicht vergessen, dass wir nach der Gesundheitskrise auch in einer Arbeitsmarktkrise gelandet sind. Wo sich die Zahlen zwar wieder zu verbessern beginnen, wir es aber nach wie vor mit einer angespannten Arbeitsmarktlage zu tun haben.“
Diese Aussage unterstrich der Landeshauptmann mit aktuellen Zahlen, die AMS-Vorarlberg-Chef Bernhard Bereuter gestern nannte: „Waren mit 1. September noch 13.000 Menschen auf Jobsuche, waren es mit Stand heute 11.720 Personen.“ Wallner ergänzte: „Unsere Zielsetzung muss es sein, mit allen Maßnahmen, die wir treffen können, bis 2021, allerspätestens jedoch im übernächsten Jahr wieder auf eine Größenordnung von unter 10.000 Arbeitslosen zu kommen.“ Derzeit befänden sich auch nur mehr knapp 30.000 Arbeitnehmer in Kurzarbeit. „Diese Zahl hat sich seit dem Frühjahr halbiert. Das heißt, auf dem Arbeitsmarkt geht es wieder in eine Richtung, in der die Kurzarbeit wieder nachlässt“, so Wallner.

Informierten über den „Vorarlberg Bonus“: Marco Tittler, Markus Wallner, Hans Peter Metzler und Armin Bereuter. (v.l.)<span class="copyright">VLK/Müller</span>
Informierten über den „Vorarlberg Bonus“: Marco Tittler, Markus Wallner, Hans Peter Metzler und Armin Bereuter. (v.l.)VLK/Müller

Zusätzliche Förderung

Der Landeshauptmann betonte in diesem Zusammenhang, dass für eine weitere Erholung des Arbeitsmarktes mehrere Faktoren wichtig seien. Etwa der Export, das Inlandswachstum und das Wirtschaftswachstum insgesamt, aber auch eine bessere Unterstützung in der Arbeitsmarktförderung. All das sei für eine Stabilisierung ausschlaggebend. „Daher habe ich den Stab der Wirtschaft gebeten, sich Gedanken zu machen, welche Hilfestellungen Lehrlingen gegeben werden könnten.“ Das Ergebnis dieser Überlegungen sei nun das Modell des „Vorarlberg Bonus“. Dabei handle es sich um eine wesentliche Verbesserung der Lehrlingsförderungen, zeigte sich Landeshauptmann Wallner gestern überzeugt. Konkret werde die Aufnahme von Lehrlingen, die noch keine Lehrstellenzusage haben, insbesondere „benachteiligter“ Jugendlicher gefördert. Das seien zum einen Jugendliche, die vom Jugendcoaching begleitet werden, und zum anderen solche, die von der Berufsausbildungsassis­tenz betreut werden. Wird ein solcher Jugendlicher aufgenommen, gewähre das Land dem aufnehmendem Betrieb eine Förderung von 5000 Euro – zusätzlich zu allfälligen anderen Förderungen. Bei der Benachteiligung könne es sich etwa um ein schulisches Defizit, ein schwieriges soziales Umfeld oder fehlende Berufswahlreife handeln.
Gefördert werde aber auch die Übernahme von Jugendlichen aus überbetrieblichen Ausbildungszentren oder aus dem AusbildungsFit in ein betriebliches Lehrverhältnis. Hier beträgt laut Wallner der einmalige Zuschuss 2500 Euro. Die Kosten für den „Vorarlberg Bonus“ sollen sich insgesamt auf rund eine Million Euro belaufen, wie Wallner weiter erklärte.

Benachteiligte Jugendliche

Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler zeigte sich gestern ebenfalls erfreut über den neuen Bonus: „Das neue Modell ist für die Betriebe gedacht, die jetzt bereit sind, auch benachteiligte Jugendliche aufzunehmen, ihnen eine Chance zu geben und sie mit ein bisschen mehr Aufwand auszubilden. Das ist unsere Abgeltung dafür.“ Der WKV-Präsident nutzte die Gelegenheit in Richtung der Betriebe zu appellieren, Lehrlinge noch aufzunehmen. In Richtung angehender junger Berufsleute sagte er: „Ich möchte alle Jugendlichen aufrufen, sich ihren Berufswunsch noch einmal zu überlegen und auch unsere Hilfe in Anspruch zu nehmen sowie eine entsprechende Lehrstelle dann auch anzunehmen.“ Gemäß Hans Peter Metzler sind in Vorarlberg derzeit noch quer durch alle Branchen 500 bis 600 junge Menschen auf der Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle – dabei gebe es derzeit in etwa 800 noch zu besetzende Stellen. Das Angebot ist also größer als die Nachfrage“, so Metzler, der sich davon überzeugt zeigte, dass der Bonus seine Wirkung nicht verfehlen wird.

Zeit nach der Krise.

Wirtschaftslandesrat Marco Tittler wies gestern indes darauf hin, dass es bei diesem Paket auch darum geht, dass „wir uns in dieser doch schwierigen Zeit, die Zukunft nicht verbauen“. Er sei sich zwar sehr wohl bewusst, so der Politiker, dass man sich derzeit – auch aufgrund der jüngsten Entwicklungen – noch in einer äußert angespannten und schwierigen Situation befände. „In dieser darf gerade die Ausbildung nicht vergessen werden. Es wird schließlich auch eine Zeit nach dieser schwierigen Situation geben“, so Tittler.
AMS-Vorarlberg-Chef Bernhard Bereuter betonte abschließend, dass die Absolvierung einer Lehre vor Arbeitslosigkeit schütze. Das zeige sich klar in den Arbeitslosenzahlen. Außerdem helfe die Lehre, den Bedarf an Fachkräften zu decken. Dies sah auch Wirtschaftskammer-Präsident Metzler so: „Lehrlinge sind die Fachkräfte von morgen, der Wirtschaftsstandort ist auf sie angewiesen.“

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer. Klaus Hartinger

Reaktion von Gewerkschaft

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer begrüßte diese Maßnahme. „Es freut uns, dass das Land eine Forderung der Gewerkschaft aufnimmt und umsetzt“, wird Reinhard Stemmer in einer entsprechenden Aussendung zitiert.

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