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Spannung am Bodenseeufer

25.09.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit

In zwei Bodenseegemeinden kommt es zur Stichwahl.

In Hard und Lochau müssen sich die ÖVP-Amtsinhaber Evi Mair und Michael Simma bei der Stichwahl ihren Gegenkandidaten Martin Staudinger von der SPÖ und Frank Matt von den Grünen stellen.

„Projekte müssen klar ausfinanziert sein“

Evi Mair hat das Bürgermeisteramt erst gegen Ende des vergangenen Jahres übernommen. <span class="copyright">Serra</span>
Evi Mair hat das Bürgermeisteramt erst gegen Ende des vergangenen Jahres übernommen. Serra

Das Gemeinderatswahl­ergebnis hat eine massive Veränderung in die Harder Politiklandschaft gebracht, sagt Bürgermeisterin Evi Mair. Umso mehr brauche es eine Bürgermeisterin, die das Vertrauen der anderen Parteien habe, die mit Erfahrung und Kompetenz in der Lage sei, alle an einen Tisch zu bringen. Das erfordere Gespür und vor allem eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Das, was man sich erst erarbeiten müsse, werde mit dem Wahlergebnis nicht mitgeliefert, ein wirkliches Miteinander. Mair will Bürgermeisterin bleiben „für unser Hard, immer mit dem Ohr bei den Harderinnen und Hardern“. Zu ihren Vorhaben zählt sie die Fertigstellung laufender Projekte. „Für künftige Projekte würde ich das Instrument der Prioritätenlisten wählen, sowohl seitens der Parteien als auch der Verwaltung. Die Projekte müssen nach Dringlichkeit, Notwendigkeit priorisiert werden, abgestimmt mit den Bürgern und ganz klar ausfinanziert sein, bevor sie zur Abstimmung kommen. Einen Gang zurückschalten heißt nicht Stillstand, sondern eine Nachdenkpause bei Großprojekten“, so Mair.

„Die besten Ideen für Hard sammeln“

SPÖ-Chef Martin Staudinger will auch Gemeindechef in Hard werden. <span class="copyright">Serra</span>
SPÖ-Chef Martin Staudinger will auch Gemeindechef in Hard werden. Serra

“Wegen Hard“ will SPÖ-Landeschef Martin Staudinger Bürgermeister der Marktgemeinde werden. Die Harder würden wollen, dass sich was ändert. Er sei in die Politik gegangen, um zu gestalten, zu bewegen. „Hard ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen, zur Schule gegangen, hier wohne und lebe ich.“ Gerade weil er dazwischen einige Jahre in Wien studiert und gearbeitet habe, wisse er das Flair von Hard und den See zu schätzen. „Und die ÖVP-Pläne von Loop und Durchstich haben mich so sehr bewegt, dass ich Verantwortung für Hard übernehmen möchte. Damit es sich richtig entwickelt“, so Staudinger.
Sein Motto „Mitanand für Hard“ gelte auch nach der Wahl: „Ich möchte alle Parteien zusammenholen und die bes­ten Ideen für Hard sammeln, gemeinsame Ziele für wichtige Projekte definieren. Dabei steht alleine Sachpolitik im Vordergrund, nicht der Streit von Parteien.“ Statt Alleingängen und versenkten Planungskosten müsse ein ausgeglichenes Budget im Vordergrund sein. „Auf keinen Fall lasse ich das Ufer verbauen oder privatisieren.“

„Die Vereine liegen mir am Herzen“

Michael Simma hat vor sechs Jahren das Bürgermeisteramt in Lochau übernommen. <span class="copyright">Gemeinde Lochau</span>
Michael Simma hat vor sechs Jahren das Bürgermeisteramt in Lochau übernommen. Gemeinde Lochau

Seit sechs Jahren fungiert Michael Simma (ÖVP) in Lochau bereits als Bürgermeister. Die in dieser Zeit gesammelte Erfahrung spricht aus seiner Sicht auch bei der Wahl am Sonntag für ihn: „Ich habe meine Kompetenz unter Beweis gestellt.“ Ein wichtiges Anliegen ist Simma die Unterstützung der örtlichen Vereine. „Sie spielen eine wichtige Rolle in der Gemeinde und erbringen eine große Leistung für die Gemeinschaft“, erklärt der Amtsinhaber. Es müsse daher sichergestellt sein, dass sie über das dafür nötige Rüstzeug verfügen.
Wichtig ist für den Bürgermeister der weitere Ausbau der Kinderbetreuung. Er möchte Lochau zu einem lebenswerten Ort für alle Generationen machen. Er verweist auf den kürzlich eröffneten zweiten Standort des „Kinderhaus Dorf“ und das neue Strandbad. Gemeinsam mit dem Land sollen zudem weitere Schritte bei der Verkehrsberuhigung im Ortszentrum gesetzt werden. Alle Zukunftspläne müssten jedoch unter den gegebenen Voraussetzungen auf Basis solider Finanzplanung umsetzbar sein. „Ich baue keine Luftschlösser“, betont Simma.

„Kinderbetreuung nützt den Familien“

Frank Matt ist nicht zum ersten Mal als Bürgermeisterkandidat für die Grünen angetreten. <span class="copyright">Grüne/Daniel Furxer</span>
Frank Matt ist nicht zum ersten Mal als Bürgermeisterkandidat für die Grünen angetreten. Grüne/Daniel Furxer

Herausforderer Frank Matt (Die Grünen Leiblachtal Lochau) sieht nach vielen Jahren der ÖVP-Alleinregierung und dem damit verbundenen Stillstand die Notwendigkeit für einen Aufbruch. Für „sein“ Lochau nennt der Bürgermeis­terkandidat unter anderem die Entwicklung eines attraktiven Dorfzentrums mit einem Schul- und Kindercampus als wichtiges Projekt. Es brauche in der Gemeinde auch „mehr Kinderbetreuungsplätze und weniger illegale Ferienwohnungen“. Gerade eine verlässliche Kinderbetreuung sei zentral, da diese den Familien nütze und längst ein Standortfaktor für Betriebs­ansiedelungen sei. Dazu macht sich Matt für mehr Platz und Sicherheit im öffentlichen Raum für Kinder, Familien sowie Pensionistinnen und Pensionisten stark. Das tue den Menschen gut, denn: „Nicht Autos kaufen ein, sondern Menschen.“ Nicht zuletzt setzt der Spitzenkandidat auf gute Zusammenarbeit im Leiblachtal über die Gemeindegrenzen hinweg und mehr Transparenz. „Lochau braucht einen Bürgermeister auf Augenhöhe mit der Bevölkerung“, ist er sicher.

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