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Das ewige Duell um die Landeshauptstadt

26.09.2020 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
In Bregenz kommt es am Sonntag zur Stichwahl. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
In Bregenz kommt es am Sonntag zur Stichwahl. Klaus Hartinger

Linhart und Ritsch treten zum vierten Mal gegeneinander an.

Markus Linhart ist seit 22 Jahren Bürgermeister und somit der am längsten dienende Bürgermeister in der Geschichte der Landeshauptstadt. „Als Bür­ger­meis­ter für Bregenz arbeiten zu dürfen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Es ist eine Aufgabe, die ich im Dienst für die Menschen unserer Stadt gerne und aus Überzeugung wahrnehme. Das heißt für mich Zu- und Hinhören, Bürgerinnen und Bürger in Entscheidungen miteinbeziehen und vor allem nichts zu versprechen, was man nicht halten kann“, erklärt der Amtsinhaber und verweist auf die Errungenschaften unter seiner Führung.

Markus Linhart ist seit 22 Jahren Bürgermeis­ter in Bregenz. <span class="copyright">ÖVP</span>
Markus Linhart ist seit 22 Jahren Bürgermeis­ter in Bregenz. ÖVP

Linhart nennt die Neugestaltung und Hochwassersicherung des Seeufers von der Achmündung bis zur Pipeline. Durch die Entwicklung des Hafenareals mit der Welle, den Sunset-Stufen und dem Hafenvorplatz habe das Gebiet eine enorme Aufenthaltsqualität bekommen. In einem erfolgreichen Bürgerbeteiligungsverfahren wurde der Kornmarkt neugestaltet und ein Platz mitten in der Stadt geschaffen, der unglaublich beliebt ist. In Mariahilf wurde mit gezielten Akzenten ein Stadtteilzentrum geschaffen, welches es weiter auszubauen gilt. Die vielfach ausgezeichnete Schule Schendlingen und der Umbau der Schule Rieden gemäß dem Bildungskonzept der Stadt, Quartiers­entwicklung Leutbühel mit Kirch- und Römerstraße, der Ausbau des Radwegenetzes und der gerade jetzt neu eröffnete Kindergarten St. Gebhard seien, um nur einige Beispiele für die positive Stadtentwicklung zu nennen, während seiner Amtszeit entstanden. Diesen Weg wolle Linhart nun gemeinsam mit der Bevölkerung weitergehen und verweist nochmals auf die gute Zusammen­arbeit mit dem grünen Koalitionspartner. Die Koalition würde der Bürgermeister auch erneut angehen, sofern er die Stichwahl gewinnt.

Komende Projekte

Mit den Grünen plant Linhart die kommenden Projekte wie Hallenbad, weiterer Ausbau der Pipeline, ein neues Sozialzentrum Brachsenweg, ein Familienzentrum im Stadtteil Mariahilf und die Quartiers­entwicklung Weidach umzusetzen. Nicht zu vergessen der Neubau des Bahnhofs, welchen der Bürgermeis­ter weiter vorantreiben möchte. „Ein wichtiges Projekt der nächsten Jahre ist der neue Bahnhof, den Bregenz jetzt braucht und der sich auf der Zielgeraden befindet. Wer diesen Bahnhof jetzt blockiert, erzeugt Stillstand. Das Eine tun, das Andere nicht lassen: Visionen für unsere Stadt sind wichtig. Auch an langfris­tigen Projekten, wie der Bahnführung, bleiben wir dran. Wir blenden aber nicht mit schönen Bildern. Wir brauchen Zukunftsbilder mit Herz und Hirn“, erklärt der ÖVP-Politiker.

Das vor zwei Jahren in Auftrag gegebene und im Februar den politischen Gremien vorgestellte Konzept zur Stadtentwicklung soll in der kommenden Amtsperiode Stück für Stück abgearbeitet werden. „Es wird in einem partizipativen Prozess mit politischen Vertreterinnen und Vertretern sowie der Bevölkerung die Grundlage zur Erarbeitung eines Zukunftsbildes für Bregenz sein“, sagt Linhart. Amtsmüde ist er noch lange nicht. „Unsere Stadt mit ihren Menschen liegt mir am Herzen. Darum stelle ich mich dieser Wahl, um mich auch in den nächsten fünf Jahren für die Menschen einzusetzen und gemeinsam die Weiterentwicklung unserer lebenswerten Heimatstadt voranzubringen.“

Zum vierten Mal als Herausforderer

Michael Ritsch geht zum vierten Mal ins Rennen um das Amt des Bürgermeis­ters, zum vierten Mal gegen Markus Linhart. „Bregenz kann mehr. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Seit 22 Jahren wird die Stadt vom selben Bürgermeister regiert. In dieser Zeit ist nur wenig weitergegangen. Darum ist es Zeit, dass sich jetzt etwas ändert. Ich bin der Kandidat aller Bregenzerinnen und Bregenzer, die das Potenzial dieser Stadt erkennen“, erklärt der Sozialdemokrat. In seinem Wahlprogramm hat Ritsch 26 konkrete Vorschläge für die Weiterentwicklung von Bregenz erarbeitet. Diese beinhalten Investitionen in allen Stadtteilen, leistbare Wohnungen, beste und leistbare Kinderbetreuung, beste Gesundheitsversorgung und Pflege, die Attraktivierung des Wirtschaftsstandorts und Ideen für mehr Nachhaltigkeit.

Besonders freue er sich über die Unterstützung von unabhängigen Expertinnen und Experten, die für das Seestadtareal und Seequartier eine zukunftsorientierte Vision für viele Generationen ausgearbeitet haben. „Im Mittelpunkt dieser Vision steht die Neugestaltung dieses Stadtteils mit einem Bahnhof im Zentrum. Das bedeutet auch die Verlegung des Verkehrs – von der Quellenstraße bis zum Postamt – 900 Meter unter die Erde. Die neue Mitte, in der viel autofreie Fläche für Wohnen, Einkaufen, Erholung und Unterhaltung entsteht. Das ist das, was ich für unser Bregenz will“, erklärt der Landtagsabgeordnete.
Zu lange schon erkläre der Amtsinhaber, was in Bregenz nicht umsetzbar ist. Er hingegen wolle gestalten. „Mir geht es darum, Bregenz zurück in die Zukunft zu bringen. Bregenz hat so viel Potenzial, wir müssen es nur aufgreifen. Dafür braucht es jetzt eine aktive Stadtregierung mit einem guten Plan für die Zukunft, damit wir wieder stolz auf unsere Landeshauptstadt sind.“

Vielfalt im Team und für die Stadt

Ritsch hat sein „Team Bregenz“ mit 72 Charakteren bestückt. Aus allen Teilen der Stadt, aus allen Generationen und mit den unterschiedlichsten Lebensentwürfen. Dass die Parteipräferenzen in diesem Team unterschiedlich sind, störe den Sozialdemokraten nicht, im Gegenteil: „Was uns alle eint ist, dass wir genug vom Stillstand haben und für Bregenz brennen. Diese Vielfalt und dieses Miteinander spiegelt auch wider, was Bregenz ausmacht. Mir ist diese Diversität wichtig, denn ich möchte Bürgermeister für alle sein.“

Michael Ritsch trat 2005 zum ersten Mal gegen Linhart an.<span class="copyright">SPÖ</span>
Michael Ritsch trat 2005 zum ersten Mal gegen Linhart an.SPÖ

Er sieht in seinem Zugang eine Trendumkehr im Vergleich zu Amtsinhaber Markus Linhart. Durch seine lange Erfahrung in der Stadtpolitik wisse er, dass gute Ideen nicht nur aus einer einzigen Partei kommen. „Der jetzige Bürgermeister hat andere Meinungen aber meist ignoriert. Er hat sich einen Koalitionspartner gesucht und alle anderen Parteien zur Opposition gemacht“, kritisiert Ritsch.

Ritsch strebt im Falle einer Wahl keine Koalition an, sondern will mit den 36 Mandataren der Stadtvertretung auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Das Spiel der freien Kräfte, wie es der Herausforderer betont. „Die wichtigste Koalition hat ein Bürgermeister ohnehin mit den Bürgern seiner Stadt. Sie entscheiden, in welche Richtung es geht. Ich lade alle Bregenzerinnen und Bregenzer dazu ein, mit mir gemeinsam den Weg in die Zukunft zu beschreiten. Denn ich bin mir sicher: Die Zeit für Veränderung in Bregenz ist gekommen.“

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