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Ritsch will auch die ÖVP ins Boot holen

28.09.2020 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

Michael Ritsch ist neuer Bregenzer Bürgermeister. Wer wird sein Vize?

In Bregenz kam es zur großen Überraschung. Markus Linhart wurde nach 22 Jahren im Amt als Bürgermeister abgewählt und verlor die Stichwahl gegen Langzeit-Herausforderer Michael Ritsch. Der Sozialdemokrat bekam 51,7 Prozent der Stimmen, während Linhart nur auf 49,3 Prozent kam. Damit schaffte es Ritsch im vierten Anlauf endlich ins Rathaus. Am Ende machten 352 Stimmen den Unterschied.

Landtagsmandat zurückgelegt

In einer ersten Stellungnahme wirkte der neue Bürgermeister selbst ein wenig überrascht und auch am Tag danach konnte es Ritsch noch nicht wirklich glauben. „Es ist alles noch sehr surreal und ich habe es wohl noch gar nicht richtig realisiert“, erzählt der 52-Jährige gegenüber der NEUE. Am Montagnachmittag absolvierte das Stadtoberhaupt erstmals nach der Wahl einen Spaziergang durch seine Stadt und stieß auf positives Feedback.
„Ein komisches Gefühl, aber schön. Die Menschen in den Gastgärten haben teilweise applaudiert, als sie mich gesehen haben“, freut sich der Familienvater. Ihm ist bewusst, dass nun eine ganz neue Zeit für ihn anbricht. Sowohl beruflich als auch privat. Sein Landtagsmandat wird er zurücklegen und somit am 7. Oktober zum letzten Mal an einer Sitzung teilnehmen. Damit schließt sich der Kreis nach 16 Jahren im Landtag, denn am 4. Oktober 2004 wurde der Sozialdemokrat damals angelobt.

Nach 16 Jahren im Landtag ist Schluss. <span class="copyright">Hartinger</span>
Nach 16 Jahren im Landtag ist Schluss. Hartinger

Fulltime-Job

„Bregenzer Bürgermeister ist ein Fulltime-Job. Es war klar, dass ich im Falle eines Wahlsieges nicht mehr im Landtag sein werde. Ich bin jetzt Bürgermeister und das 24 Stunden, sieben Tage die Woche“, spielt Ritsch auch auf seine private Situation an. Denn als Bürgermeister ist man immer in offizieller Mission unterwegs und steht unter anderer Beobachtung. „Meine Frau hat dies am Montag schon wahrgenommen. Sie ist nun nicht mehr Yvonne, sondern die Frau des Bürgermeisters. Auf dem Weg zur Bank wurde sie mit First Lady begrüßt“, erzählt Ritsch und muss bei der Schilderung der Situation selbst lachen. Im Moment ist noch alles sehr neu für den Neuen.

“Bürgermeister für alle war nicht nur ein Wahlslogan, sondern das möchte ich sein und mit allen auf Augenhöhe verhandeln.”

Michael Ritsch, Bürgermeister

Strategie für Gespräche

In den kommenden Tagen wird Ritsch mit seinem Team die Strategie zurechtlegen und dann mit den anderen Parteien ÖVP, Grüne, FPÖ und Neos in die Gespräche gehen. „Der ‚Bürgermeister für alle‘ war nicht nur ein Wahlslogan, sondern das möchte ich sein und mit allen auf Augenhöhe verhandeln, um die Zukunft der Stadt zu gestalten. Ich wünsche mir, dass alle Parteien so eingebunden werden, dass keine das Gefühl hat, in eine Fundamental-Opposition gehen zu müssen.“
Trotz der Wahlniederlage gab es laut Ritsch bereits positive Sig­nale aus dem schwarzen Lager. „Ich habe mit Roland Frühstück telefoniert und ihm gesagt, dass ich mir ihre Beteiligung an der Stadtentwicklung wünsche. Auf Augenhöhe und nicht in einer Oppositionsrolle. Er hat positiv reagiert“, erzählt Ritsch.

Wer wird Vize?

Weil Ritsch das Spiel der freien Kräfte proklamiert hat und keine Koalition eingehen wird, beginnen nun die Spekulationen um das Amt des Vizebürgermeisters. Bisher hatte dies die grüne Sandra Schoch inne. Nachdem die ÖVP aber mit 15 der 36 Sitze stärkste Kraft in der Stadtvertretung ist, scheint ein schwarzer Mandatar für die Position infrage zu kommen. Mindestens 19 Stimmen muss ein Kandidat hinter sich vereinen, um als Vizebürgermeister gewählt zu sein. „Mein Ziel ist es, dass der Vizebürgermeister eine breitere Mehrheit bekommt als nur 19 der 36 Stimmen“, erklärt Ritsch.
Sollte er sich mit der ÖVP über einen Kandidat einigen und auch die elf SPÖ-Mandatare für die ÖVP stimmen, würde das reichen. Als aussichtsreichste Kandidatin derzeit gilt Landtagsabgeordnete Veronika Marte, die unter Markus Linhart bereits als Stadträtin fungierte und dieses Amt auch unter Ritsch ausüben wird.

Veronika Marte könnte Vizebürgermeisterin werden. <span class="copyright">Lerch</span>
Veronika Marte könnte Vizebürgermeisterin werden. Lerch

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