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Letzte Maßnahme Besuchsverbot

29.09.2020 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Man wisse besser als im Frühling, wie mit dem Virus umzugehen sei, sagten LH Markus Wallner und LR Katharina Wiesflecker.<br><span class="copyright">VLK</span>
Man wisse besser als im Frühling, wie mit dem Virus umzugehen sei, sagten LH Markus Wallner und LR Katharina Wiesflecker.
VLK

Krisenhandbuch für Pflege erarbeitet. Derzeit sieben Personen infiziert.

Die Bewältigung der Corona-Pandemie ist in jedem Bereich herausfordernd. In allen Ressorts des Landes wurde längst ein Krisenstab eingerichtet, so auch in der Pflege. Dort ist eine Bevölkerungsgruppe von vornherein einem großen Risiko ausgesetzt. Derzeit sind fünf Mitarbeiter und zwei Pflegeheimbewohner mit dem Coronavirus infiziert. Es gilt, sowohl die Pflegebedürftigen als auch die pflegenden Personen bestmöglich zu schützen.

Schon während des Sommers wurde an einer Art Fahrplan für den ambulanten und stationären Pflegbereich gearbeitet. Konkret wurde ein 30-seitiges Nachschlagewerk für Heimleitungen sowie Mitarbeiter entwickelt. Dieses wurde am Dienstag von Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) und der zuständigen Landesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) präsentiert. Behandelt werden Themenbereiche wie Kommunikation, Hygieneschulungen, Prävention, Schutzausrüstung oder auch die Maßnahmen der verschiedenen Corona-Ampel-Farben. Das Nachschlagewerk ist laut Wiesflecker ein ständiger Prozess. Man sammle immer noch Erfahrungen, welche laufend in das Konzept einfließen.
In Pflegeheimen in den derzeit orange-farbenen Regionen dürfen derzeit pro Bewohner zwei Besucher täglich empfangen werden. Damit soll in erster Linie vermieden werden, dass das Virus eingeschleppt wird. Es soll aber auch dazu dienen, die Kontakte gegebenenfalls leichter zu ermitteln. Man sei darauf vorbereitet, diese Regelung entsprechend zu lockern oder zu verschärfen. „Wir versuchen aber ein Besuchsverbot zu vermeiden. Das soll die letzte Maßnahme sein, die wir setzen“, sagte Wiesflecker.

Isolierte Betreuung

In allen Pflegeheimen gibt es Zutrittskontrollen, was personelle Unterstützung erfordert. Zur Entlastung beim Besuchsmanagement nehmen 30 Heime die Unterstützung durch MoHi-Mitarbeiter in Anspruch.
Sollte es tatsächlich zur Infektion eines Bewohners kommen, soll die oder der Betroffene grundsätzlich im Heim bleiben und dort isoliert und betreut werden. Es sei denn, der gesundheitliche Zustand macht einen Spitalsaufenthalt unumgänglich. Nach Verständigung der Angehörigen folgt das Contact-Tracing und das Umfeld wird getestet.

Sollte sich ein Mitarbeiter mit Covid-19 infizieren, wird dieser ebenfalls abgesondert. „Personelle Unterstützung kommt dann von der jeweiligen Einrichtung in der Nachbargemeinde“, erläuterte die Landesrätin. Die Ressourcen hat der jeweilige Landesverband (Hauskrankenpflege, Mohi-Team, HKP-Team) abzuklären.

Testungen

Ab 1. Oktober 2020 kann pro 24-Stunden-Betreuungskraft und pro Monat eine PCR-Testung im Drive-in Testcenter in Röthis in Anspruch genommen werden. Die kostenfreie Abwicklung erfolgt über einen Gutscheincode, der entweder über die Vermittlungsagentur oder direkt über das Amt der Landesregierung zur Verfügung gestellt wird.

Über das Angebot der kostenlosen PCR-Testungen wurden bisher (Stichtag 25. September) bereits 1260 der 24-Stunden-Betreuungskräfte und 246 der Mohi-Mitarbeitende getestet.

In Alten-und Pflegeheimen wurden in Summe fast 5000 Testungen vorgenommen, 4379 am Personal, 407 an Bewohnern und 65 bei Heimaufnahmen.

Test-Erstattung

Die Situation in der 24-Stunden-Betreuung sei stabil. Schon zu Beginn der Pandemie hatten sich viele der 4000 Pflegerinnen bereit erklärt, den Turnus zu verlängern. Als Entschädigung dafür bekamen 2082 der Betreuenden eine Sonderzahlung von 500 Euro (NEUE berichtete). „Zusätzlich wurden ihnen Ersatzquartiere zur Erholung zur Verfügung gestellt“, berichtete Wiesflecker. Die meisten 24-Stunden-Betreuungskräfte stammen aus Rumänien, der Slowakei, Ungarn oder Polen. Reisewarnungen und verschärfte Grenzübertrittsbestimmungen sind stets eine Herausforderung. Deshalb können sie Kosten für – auch im Ausland durchgeführte – Testungen erstatten lassen.
Während im Frühjahr generell vielerorts Unsicherheiten betreffend Testkapazitäten und Schutzmaterialien herrschten, sei man jetzt gut aufgestellt. Das Krisenlager mit Schutzmaterialen und pflegerischen Hilfsmitteln ist laut Wallner für den Bedarf von drei Monaten aufgefüllt.