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Bäder vor schwieriger Saison

03.10.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Schwimmkurse finden entweder gar nicht oder nur unter strengen Auflagen statt.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Schwimmkurse finden entweder gar nicht oder nur unter strengen Auflagen statt. Klaus Hartinger

Schon jetzt melden Bregenz und Bludenz Verluste.

Nach einem warmen September fängt jetzt auch in Vorarlberg die Hallenbadsaison an. Zugangsbeschränkungen und das Ausbleiben von Gästen trotz hoher Hygienemaßnahmen machen den Betreibern allerdings zu schaffen. Den drei großen Hallenbädern in Bregenz, Dornbirn und Bludenz steht damit eine mehr als schwierige Wintersaison bevor.

Deutsche Gäste fehlen

Alexander Fritz, Betriebsleiter des Hallenbades Bregenz kann jetzt schon einen Vergleich zum September des Vorjahres ziehen. „40 Prozent weniger Badegäste hatten wir bisher.“ Speziell die Reisewarnung aus Deutschland wirkt sich nachteilig aus, denn deutsche Gäste machten einen Großteil der Kunden aus. 120 Badegäste dürfen sich laut Zugangsbeschränkung des Bundes gleichzeitig im Bregenzer Hallenbad aufhalten. Unter der Woche ist das weniger ein Problem, am Wochenende mussten jedoch schon einmal Gäste nach Hause geschickt werden. „Am besten ist es, man ruft bei uns im Hallenbad an, bevor man zu uns kommt“, rät Fritz. Neben den wirtschaftlichen Problemen macht dem Betriebsleiter aber noch etwas Sorgen: „Wir haben bereits den zweiten Jahrgang, der nicht schwimmen gelernt hat. Und wir werden es ihnen auch später nicht in kürzester Zeit beibringen können.“ Denn: Schwimmkurse werden in Bregenz nicht durchgeführt, solange die Abstandsregel gilt. „Das wäre für uns unseriös“, macht Fritz deutlich.

Was vom badegast zu beachten ist

Auszug aus der Empfehlung zur Wiederöffnung von Einrichtungen nach dem Bäderhygienegesetz.

• Abstand halten: Generell einen Abstand von mindestens einem Meter von Person zu Person (Eigenverantwortung).

• Abstandsmarkierungen und geänderte Badeordnung (Aushänge, Beschilderungen) beachten.

• Liegeplätze/Aufenthaltsplätze: Zwischen den einzelnen Liegeplätzen/Aufenthaltsplätzen einen Abstand von mindestens einem Meter in alle Richtungen einhalten.

• Maximal zulässige Anzahl an Personen in Becken, Kleinbadeteichen, Sauna-, Warmluft- und Dampfkabinen beachten.

• Becken: Im Wasser auf einen Abstand von einem bis zwei Meter achten (kurzzeitige Unterschreitungen ausgenommen).

• Saunanlagen, Warmluft- und Dampfbäder: In den Kabinen einen Abstand von mindestens einem Meter in jede Richtung einhalten (Aufgüsse sind zulässig, von Wedeln in der Saunakabine jedoch absehen, um Atemaerosole nicht zusätzlich zu verbreiten).

• Für Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, gelten untereinander die Abstandsregeln nicht. Dies gilt auch für in einer gemeinsamen Wohneinheit untergebrachte Gäste, sofern die betroffenen Einrichtungen nach dem Bäderhygienegesetz einem Beherbergungsbetrieb angeschlossen sind.

Wöchentliche Corona-Tests

Im Hallenbad Val Blu in Bludenz rechnet man aufgrund der aktuellen Zugangsbeschränkung mit einem Gästeeinbruch von 25 Prozent. Die Gäste aus Deutschland fehlen auch hier. 50 Prozent der Kunden machen sie normalerweise aus. Und: Solange die Corona-Ampel im Bezirk Bludenz auf Orange ist, werden keine Schwimmkurse angeboten. „Sobald die Ampel wieder auf gelb oder gar grün ist, werden die Kurse wieder aktiviert“, berichtet Jakob Glawitsch, Geschäftsführer des Val Blu Resort. Die Mitarbeiter selbst werden jede Woche einem Corona-Test unterzogen. Appelliert wird aber auch an die Eigenverantwortung der Gäs­te. Der Geschäftsführer bitte die Gäste, sich an die Hygienevorschriften zu halten, auf die Kinder zu schauen und wenn man sich krank fühlt, zu Hause zu bleiben.

Schwimmkurse unter Auflagen

Mehr Glück aufgrund seiner hauptsächlich aus Vorarlberg kommenden Kundschaft hat das Stadtbad Dornbirn. „Bis jetzt konnten wir noch keine markante Veränderung wahrnehmen. Einzelne Gruppen fehlen aber“, räumt Herbert Kaufmann, Geschäftsführer der Dornbirner Sport- und Freizeitbetriebe GmbH, ein. Schwimmkurse werden hier über einen Dienstleister weiterhin angeboten. Jedoch unter sehr strengen Auflagen. „Das Halten des Abstands im Becken wird etwa mit Hilfe von Schwimmnudeln für die Kinder erleichtert. Berührungen dürfen nur in Notfallsituationen passieren“, hält Kaufmann fest. Alles in allem sei man bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen.

Strenge Auflagen

Laut Martin Griesmayr, Geschäftsführer der Fachgruppe Gesundheitsbetriebe der WKV, wäre ein Mehr an Auflagen – wie etwa die ursprünglich angesetzten 20 Quadratmeter pro Person im Becken (im Gegensatz zu den jetzt verordneten sechs Quadratmetern) – für die Bäder nicht mehr zu stemmen. „Die Hygienebestimmungen in den österreichischen Schwimmbädern sind generell schon sehr streng, durch die weiteren Maßnahmen aufgrund der Empfehlung des Bundesministeriums können wir in den Bädern eine hohe Sicherheit gewährleisten“, sagt Griesmayr. Er stellt zudem fest, dass die Pandemie „generell mehr Abneigung gegen sportliche Aktivitäten ausgelöst hat. „Fitnessstudios und Bäder werden immer mehr gemieden. Dabei ist Sport und generell Schwimmen gesund und stärkt das Immunsystem.“

„Noch mehr Auflagen, wie etwa die ursprünglich geplanten 20 Quadratmeter pro Person im Becken, wären nicht mehr zu stemmen.“

Martin Griesmayr, WKV