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Besonderer Alpsommer im Käseland

03.10.2020 • 21:40 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Fast 40.000 Tiere verbringen den Sommer auf Vorarlbergs Alpen. <span class="copyright">VLK</span>
Fast 40.000 Tiere verbringen den Sommer auf Vorarlbergs Alpen. VLK

Landwirtschaftskammer mit Saison zufrieden.

Die Corona-Pandemie hat sich auch auf den Alpen bemerkbar gemacht. Viele Österreicher haben heuer den Urlaub im eigenen Land verbracht, was den Alphütten gro­ßen Zulauf bescherte.
„Wir hoffen, dass dadurch der Bezug und das Verständnis für das, was auf den Alpen geleistet wird, verstärkt wurde“, sagt Fritz Metzler, Bereichsleiter der Abteilung Milchwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Im westlichsten Bundesland werden rund 520 Alpen bewirtschaftet. Fast 40.000 Tiere verbringen jedes Jahr den Sommer auf Vorarlbergs Alpen. Davon sind rund 8500 Milchkühe. Auf 132 Sennalpen wird 420.000 Kilogramm Alpkäse und 75.000 Kilogramm Sauerkäse erzeugt. Neben der Produktion von Milchprodukten wird von der Alpwirtschaft aber auch aktive Landschaftspflege betrieben. „Ohne Alpung wären die Flächen in kurzer Zeit zugewachsen“, betont Metzler.

Personalsuche

Knapp 1000 Personen sind im Sommer auf den Alpbetrieben beschäftigt, davon sind rund ein Drittel ausländische Arbeitskräfte. Dieses Jahr, am Beginn der Pandemie, standen die Verantwortlichen vor der Herausforderung, genügend Personal für die Alpen zu finden. „Aus Brasilien konnten dieses Jahr nur ein paar Einzelne kommen. Die Einreise aus Deutschland war zwar möglich, aber nicht ganz einfach“, erklärt Metzler. Glücklicherweise habe man dann kurzfristig aus den eigenen Reihen noch genügend Helfer und Helferinnen finden können.
Bei der Käseherstellung handelt es sich um ein altes Handwerk, das viel Fingerspitzengefühl erfordert. Zudem wird den Sennern auch körperlich einiges abverlangt. „Der Käse hat mit circa 30 Kilogramm ein ordentliches Gewicht. Außerdem sind die Temperatur und Luftfeuchtigkeit in der Sennerei und auch im Käsekeller eine Herausforderung. Es ist eine körperliche Grenzerfahrung, die man hier macht“, berichtet der Sennmeister. Um das Personal optimal auf die Arbeit in den Alpen vorzubereiten, bietet die Landwirtschaftskammer jedes Jahr Sennkurse für Anfänger und Fortgeschrittene an. In den vergangenen Jahren nahmen jeweils 80 bis 100 Teilnehmer an einer der Schulungen teil. Trotz strenger Auflagen konnte heuer nur ein Kurs mit etwa zehn Personen durchgeführt werden. „Wichtig ist, dass ein ausreichendes Verständnis für die Vorgänge beim Käsen vorhanden ist, denn nur dann können wir bei Unklarheiten eine Beratung auch telefonisch durchführen“, erklärt Metzler.

Erfolgreiches Alpteam auf Garnera: Mariana, Lisa, Julia, Veronika, Christian und Angela (v.l.).<span class="copyright"> VLK</span>
Erfolgreiches Alpteam auf Garnera: Mariana, Lisa, Julia, Veronika, Christian und Angela (v.l.). VLK

Keine Käse-Prämierung

Corona-bedingt finden heuer weder Alpkäsebewertungen noch Veranstaltungen rund um die Alp­abtriebe statt. Diese Absagen schmerzen die Älpler naturgemäß. Schließlich bietet sich hier die Möglichkeit, die Vielfalt der Vorarlberger Käse-Spezialitäten einem breiten Publikum zu präsentieren.
Bei der Vorarlberger Käseprämierung etwa, die jedes Jahr in Schwarzenberg stattfindet, sind jeweils über 70 Teilnehmer mit dabei. 170 Käse können verkostet werden. Doch das Infektionsrisiko wäre zu groß gewesen. „Bei der Käseprämierung kommen Älpler und Senner aus allen Landesteilen zusammen. Wenn es hier zu Ansteckungen mit dem Coronavirus käme, würde unsere Branche zum Erliegen kommen“, verdeutlicht Metzler.
Auch der traditionelle „Buratag“ in Schruns samt der „Sura Kees“-Prämierung wurden abgesagt. Der Montafoner „Sura Kees“ ist eine Vorarlberger Spezialität, deren Herstellung auf das zwölfte Jahrhundert zurückzuführen ist. Vor 20 Jahren wäre der Sauerkäse fast ausgestorben. „Doch mein Vorgänger Othmar Bereuter hat gemeinsam mit den Montafoner Sauerkäsealpen die hohe Wertigkeit und das Qualitätsbewusstsein dieses einzigartigen Käses wiederbelebt“, erzählt der Milchwirtschaftsreferent der Landwirtschaftskammer. Mittlerweile wird der Montafoner Sauerkäse wieder auf 13 Alpen im südlichen Teil Vorarlbergs hergestellt.

Auf den Alpen wird neben Käse auch Butter hergestellt. <span class="copyright">VLK</span>
Auf den Alpen wird neben Käse auch Butter hergestellt. VLK

Ideale Wetterbedingungen

Auch wenn es in vielerlei Hinsicht ein spezieller Sommer war, zieht man bei der Landwirtschaftskammer positive Bilanz: Naturbedingt konnte man bereits sehr früh auf die Alpen ziehen.
Dadurch, dass es im Laufe des Sommers immer wieder geregnet hat, aber auch nicht zu nass war, hat es immer genügend Futter für die Tiere gegeben. Dementsprechend hoch war der Milchertrag. Unsicherheiten für die Landwirte bringe sowohl die Wolf-Thematik als auch die Diskussionen über Kuh-Attacken mit sich. Erfreulicherweise kam es diesen Sommer zu keinen gröberen Zwischenfällen im Zusammenhang mit Wanderern und Weidevieh.
„Die Angst, dass ein Landwirt eine Klage wegen einer Kuhattacke bekommt, ist natürlich immer da“, sagt Metzler. Dabei empfiehlt sich in erster Linie, Mutterkühe zu meiden. Besondere Vorsicht ist auch geboten, wenn Hunde dabei sind. „Es müssen sich alle an die Spielregeln halten, sonst geht es nicht.“

Gertraud Höfle-Peter

information

Alpen Vorarlbergs

Gesamtalpfläche Vorarlberg: 105.000 Hektar, circa 50.000 Hektar werden als Futterfläche genutzt

132 Sennalpen, davon 13 Sauer­käsealpen

Beschäftigte auf den Alpen: circa 1000 Personen

Tiere auf den Alpen: circa 39.500

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