Allgemein

Stahlhändler mit 15-Prozent-Rückgang

06.10.2020 • 18:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stahl- und Metallgroßhändler EHG erwartet Absatzrückgang. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Stahl- und Metallgroßhändler EHG erwartet Absatzrückgang. Klaus Hartinger

EHG in Dornbirn: Schlimmste Krisenszenarien ausgeblieben.

Der Stahl- und Metallgroßhändler EHG erwartet für das Geschäftsjahr 2020 einen mengenmäßigen Absatzrückgang von etwa 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei diesem Vergleich muss berücksichtigt werden, dass die EHG bereits 2019 mit Rückgängen konfrontiert war. Laut den Geschäftsführern Markus Lutz und Stefan Girardi beruht diese Prognose auf den Erfahrungen der vergangenen sechs Monate und dem gegenwärtigen Bestellverhalten der Kunden. Sie gelte unter der Voraussetzung, dass keine weiteren schwerwiegenden Eingriffe in das Wirtschaftsleben mehr kommen. Mit diesem Rückgang liege man ziemlich genau beim Minus der europäischen Stahl- und Metallhändler-Branche.

Preise im Keller

Im Vorjahr kam die EHG-Gruppe (Konzernabschluss) auf einen Umsatz von 194 Millionen Euro. Ein reiner Vergleich von Umsatzzahlen macht bei einem Stahl- und Metallgroßhändler wenig Sinn. Denn das Geschäftsvolumen wird maßgeblich von der nicht beeinflussbaren internationalen Preissituation bei Stahl und Metall bestimmt. „Die Preise sind derzeit auf denkbar tiefstem Niveau. Das erkennt man daran, dass Stahlwerke daran denken, ihre Werke vorübergehend stillzulegen, da sie nicht einmal ihre Kosten verdienen.“ Prognosen hinsichtlich der Ertragssituation 2020 wollte das Management aufgrund der derzeitigen Unabwägbarkeiten nicht abgeben. Mit einer Eigenkapitalquote von fast 67 Prozent (2019) steht das Unternehmen unterdessen auf festen Beinen.

Krisenmodus

Das Unternehmen hat aufregende sechs Monate „in vollem Krisenmodus“ hinter sich. „Nach einem noch vergleichsweise guten ersten Quartal hatten wir im zweiten Quartal um bis zu 25 Prozent weniger Bestellungen in den Büchern stehen. Im dritten Quartal verbesserte sich die Situation zwar ein wenig, allerdings liegen wir hier noch immer bei 15 Prozent weniger Menge“, so Girardi und Lutz. Gerade im zweiten Quartal sei man deshalb noch von einem schwerwiegenden Krisenszenario für das Unternehmen ausgegangen. Allerdings geht die EHG-Geschäftsführung davon aus, dass „das Resultat der Pandemie noch nicht auf dem Tisch liegt“.
So seien in Österreich etwa zehn Prozent der 230 Mitarbeiter über rund sechs Monate in Kurzarbeit gewesen. Der Personalabbau liege im einstelligen Bereich. Man habe einiges über den Abbau von Urlaubsansprüchen und Überstunden abfangen könne. „Jetzt sind wieder alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit raus und wir wollen am Markt volle Präsenz zeigen.“

„Logistik 2020“

Mit ein Grund, warum die EHG jetzt viel Präsenz zeigen werde, sei die nahende Fertigstellung der 30 Millionen Euro schweren Betriebserweiterung am Stammsitz in Dornbirn-Wallenmahd. Das Projekt „Logistik 2020“ soll bis zum Jahresende 2020 fertiggestellt werden. Dadurch steigen die Lagerkapazitäten um etwa 40 Prozent, was unter anderem die rasche Lieferbarkeit diverser Produkte deutlich erhöhe und die internen Abläufe vereinfache.

Günther Bitschnau