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Anklage: Au-pairs ausgebeutet

07.10.2020 • 18:52 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Au-pair-Mädchen sollen Taschengeld nicht bekommen haben. <span class="copyright">Reuters</span>
Au-pair-Mädchen sollen Taschengeld nicht bekommen haben. Reuters

Taschengeld vorenthalten? Prozess gegen Italienerin und Syrer.

Dem angeklagten Ehepaar, einer Italienerin und einem Syrer, wird im Strafantrag das Verbrechen des Menschenhandels vorgeworfen. Demnach sollen sie die Arbeitskraft von fünf von ihnen beherbergten Au-pair-Mädchen finanziell ausgebeutet haben. Denn den Kindermädchen aus Afrika sei, so die Darstellung der Staatsanwaltschaft, das versprochene Taschengeld vorenthalten worden. Bei manchen der volljährigen jungen Frauen sei deren Notlage ausgenützt worden.
Bei der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch erging am Mittwoch noch kein Urteil. Richter Richard Gschwenter vertagte den Strafprozess auf 17. November. Dann sollen vier der mutmaßlichen Opfer vor Gericht als Zeuginnen aussagen. Eines der mutmaßlichen Opfer hat vor dem Prozess bereits vor Gericht bei einer kontradiktorischen Einvernahme ausgesagt.

Freisprüche gefordert

Verteidiger Clemens Achammer beantragte am Mittwoch zu Beginn des Prozesses Freisprüche für seine Mandanten. Es habe sich um normale Au-pair-Dienstverhältnisse gehandelt, sagte der Feldkircher Rechtsanwalt. Die gegen seine Mandanten erhobenen Vorwürfe seien falsch. Die Angeklagten hätten keines der Au-pair-Mädchen quasi eingesperrt, keinem den Kontakt nach außen verboten und niemandem zu wenig zu essen gegeben.
Einer Marokkanerin soll das angeklagte Ehepaar laut Anklage den Kontakt zu anderen Menschen verboten haben. Ihr Handy soll kontrolliert worden sein. Und ihr soll erzählt worden sein, die Polizei werde sie suchen, wenn sie woanders hingehe. Zudem sei ihr angedroht worden, sie zurück nach Marokko zu schicken.

Unter Druck gesetzt

Drei Au-pair-Mädchen kamen aus Marokko, eines aus Togo und das fünfte aus Madagaskar. Das Kindermädchen aus Togo sei wegen seines illegalen Aufenthalts in Österreich von den Angeklagten unter Druck gesetzt worden, heißt es im Strafantrag.
Die Erstangeklagte ist italienische Staatsbürgerin, 34 Jahre alt und arbeitslos. Ebenfalls arbeitslos ist ihr 26-jähriger Ehemann. Der Syrer wurde als Beitragstäter angeklagt. Er soll als Dolmetscher zwischen seiner Gattin und den Afrikanerinnen agiert haben, Au-pair-Mädchen beaufsichtigt und ihnen Anweisungen gegeben haben.

Bis zu fünf Jahre Haft

Von Menschenhandel wird im Strafrecht gesprochen, wenn Menschen sexuell oder finanziell ausgebeutet werden. Im Falle eines Schuldspruchs sieht das Strafgesetzbuch sechs Monate bis fünf Jahre Gefängnis vor.