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Bludenz: Es wird ein Wein sein…

12.10.2020 • 06:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Der Winzer Thomas Wimmer bei der Ernte. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Winzer Thomas Wimmer bei der Ernte. Klaus Hartinger

Alpenstadt ist für einiges bekannt. Wein ist nicht in engerer Auswahl.

Thomas Wimmer ist vieles. Er ist OP-Pfleger im Krankenhaus Bludenz. Er ist Bienenzüchter, kreativer Geist, Hobbykoch und noch so Einiges. Und er ist Winzer. Am Oberen Illrain zwischen Getzner-Kanal und der Ill baut er im Garten seines Elternhauses Wein an. Die spezielle Lage seines kleinen Weingartens macht es aus. Davon ist Wimmer überzeugt: „Dadurch, dass ich auf beiden Seiten Wasser habe und von der Ill den Morgentau, wird mein Wein sehr besonders. Zudem reguliert das Wasser die Temperatur. Das ist optimal. Immer wenn ich am Morgen in meinen Garten komme, habe ich Tau auf den Blättern. Und das haben die anderen Winzer hier nicht. Das macht meinen Wein auch sehr speziell. Meine Trauben haben ein Mikroklima, und das schmeckt man.“

Bierland

Obwohl Vorarlberg vor allem als Bierland gilt, ist das Weinmachen in dieser Region gar nichts so Neues. Im 15. und 16. Jahrhundert hat man in Bludenz und Umgebung bereits Wein gemacht. „Laut alten Aufzeichnungen gab es vom Glasbühel bis zur Ruine Sonnenberg Weinberge. Die haben damals 20.000 Liter Wein produziert. Das ist für die damalige Zeit relativ viel. Aber ich glaube, den würden wir heute alle zusammen nicht trinken wollen. Das war damals, wie auch schon bei den Römern, vor allem Medizin. Und ich gehe davon aus, dass er auch so geschmeckt hat.“ Zudem weisen auch Flurnamen auf den Weinbau von damals hin: Wingert (Weinberg) oder Torggel (Presse). Und dann kam eine Kälteperiode. Und damit wurde Bier dann populär. Derzeit ändern sich die klimatischen Verhältnisse gerade wieder. Und das merkt Wimmer auch in seinem Weingarten. „Es gibt immer mehr mildere Winter. Und auch längere Trockenphasen im Sommer. Beides mag der Wein.“

Der Zuckergehalt der Trauben wird regelmäßig vom Wimmer gemessen. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Der Zuckergehalt der Trauben wird regelmäßig vom Wimmer gemessen. Klaus Hartinger

Mittlerweile gibt es in Bludenz-Umgebung und in ganz Vorarlberg eine beachtliche Anzahl an Winzern. „Ich kenn’ an die 20 Hobbywinzer. Und zwei, die davon leben. In Bludenz gehöre ich schon zu den größeren. Wenn man die Kleinstmengen mitzählt, gibt es allein in Bludenz an die zehn Winzer.“ Generell ist die Weinszene in Vorarlberg gut vernetzt. Und sie wächst.

Selber machen

Wimmer ist auch Hobbykoch und hat ein Kochbuch geschrieben. Dabei hat er mit der Zeit begonnen, so viel wie möglich selbst zu produzieren. Unter anderem auch Salz, Gewürze und Gewürzmischungen: „Und dann habe ich mir gedacht: Wein könnte ich auch selber machen. Zudem habe ich mir auch noch einige Bienenvölker zugelegt.“ (Siehe Seite 35.) Wimmer hat dann mit dem Weinmachen begonnen und zeitgleich eine Burgenländerin geheiratet. „Wobei das Interesse für Wein schon davor da war“, wie der Hobbywinzer schmunzelnd betont. Er hat das Weinbauen von der Pike auf im Südburgenland gelernt. Um sein Wissen zu vertiefen, besuchte er auch die Weinbauschule in Krems. „Zudem habe ich immer wieder Kurse an der Weinakademie besucht. Das geht dann eher Richtung Sommelier.“ Noch heute ist Wimmer sehr verbunden mit der Wachau. Und besucht dort auch regelmäßig seine Lehrer und Freunde.

„Die erste Ernte hier war im Jahr 2000. Das Ganze ist überschaubar von der Menge. Ich wollte immer wieder mal Flächen mieten. Aber ich habe nie was Passendes bekommen.“ Und während Wimmer erzählt, ploppt der nächste Korken. Denn von Wein erzählen und darüber reden, ist das eine. Trinken ist das andere. „Das Erste, was wir getrunken haben, war ein klassischer Veltliner und dann den roten Cuvee-Nepomuk, und jetzt probieren wir den Code Red. Das ist ganz ein spezieller Rotwein und schmeckt im Abgang nach Vanille. Der wurde in einem amerikanischen Eichenfass gelagert“, betont Wimmer nicht ohne Stolz.

Der Winzer ist stolz auf sein kleines, aber feines Sortiment.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Der Winzer ist stolz auf sein kleines, aber feines Sortiment. Klaus Hartinger

Gute Qualität

Das heurige Weinjahr war vom Ertrag her nicht ganz so gut. „Ich habe heuer 50 Flaschen weniger als in den Jahren zuvor. Aber die Qualität ist sehr gut. Und das trotz der Regenperioden, die es gab.“ 2018 war ein ganz besonders gutes Weinjahr, wie Wimmer betont. Pro Saison füllt er etwa zwischen 350 und 400 Flaschen Wein ab. Und die sind primär für den Eigengebrauch. „Meistens geht sich auch ein bisschen Verkaufen aus. Aber um das geht es mir gar nicht so sehr. Ich trinke gern meinen eigenen Wein. Ich probiere auch gern Neues aus. Ich mag das Facettenreiche. Das gilt auch für die Menschen. Und das Wichtigste: Ich liebe das Produkt Wein. Da hängt mein Herzblut dran.“

Bienen: Züchter und Apitherapeut

Die zweite Leidenschaft von Thomas Wimmer neben dem Weinbau sind seine Bienen. Er ist Imker und ausgebildeter Apitherapeut. Das ist die Lehre des Heilens mit Bienen. Neben diversen Produkten, die bei der Imkerei anfallen, geht es dabei auch um gezielte Bienenstiche, die man zur Behandlung verschiedener Erkrankungen einsetzt.
„Ich bin nicht so der große Ausbeuter der Bienen. Ich nehme nie den ganzen Honig. Die Biene ist unheimlich faszinierend, weil sie so vielseitig ist. Neben Honig hat sie Pollen, Wachs, sie hat Deckelwachs, Gelée Royal, und sie macht Propolis. Und genau so groß ist das Betätigungsfeld eines Apitherapeuten.“ In der Wundbehandlung sind diese Dinge nicht mehr wegzudenken, wie Wimmer betont. Vor allem das Deckelwachs eignet sich dazu hervorragend.

Bienen sind Wimmers zweiten Leidenschaft. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Bienen sind Wimmers zweiten Leidenschaft. Klaus Hartinger

Bienenstich-Therapie

„Ich mache Akupunktur mit Bienenstichen. Generell lebt eine Biene 30 Tage. Ich fange die Biene vor dem Flugloch ab. Nehme sie dann mit einer Pinzette heraus. Setze sie bei einem Patienten an, klopfe ihr auf den Hintern, und sie sticht. Sie opfert in dem Moment leider ihr Leben.“ Aber die Wirkung dieser Therapie ist laut Wimmer phänomenal. Wie auch das Wachs wird diese Methode unter anderem in der Wundbehandlung angewendet. „Das Nächste, was ich angehen will, ist Bienenluftstock-Therapie.“ Wenn die Bienen zurück in den Bau kommen, haben sie ganz viel Pollen an ihrem Körper. „Das ist eine tolle Sache. Denn gerade in diesen Zeiten gibt es immer mehr Atemwegs­erkrankungen. Und diese mit Pollen angereicherte Luft wirkt Wunder“, kann sich Wimmer begeistern. Und hier schließt sich der Kreis. Der Schulmediziner, sprich OP-Pfleger, trifft auf alternatives Behandeln als Apitherapeut.

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