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„Das Land muss sich entscheiden“

13.10.2020 • 20:27 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Theater am Kornmarkt, in dem das Landestheater beheimatet ist, wurde bis 1940 errichtet und in den 90er-Jahren erweitert und erneuert. Zuletzt wurde die Heizung saniert. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Das Theater am Kornmarkt, in dem das Landestheater beheimatet ist, wurde bis 1940 errichtet und in den 90er-Jahren erweitert und erneuert. Zuletzt wurde die Heizung saniert. Klaus Hartinger

Investitionen in die Technik und Zukunftspläne sind gefordert.

Dass die technische Ausstattung des Vorarlberger Landestheaters in die Jahre gekommen ist und Erneuerungen bedarf, ist landesweit bekannt, und zwar schon seit längerer Zeit. Eine Anfrage von Bernie Weber (Grüne), die am Dienstag in einer Aussendung mitgeteilt wurde, bringt den Zustand und die finanzielle Situation des Hauses erneut auf das Tableau. Weber stellt Landestatthalterin Barbara Schöbi-Fink unter anderem die Frage nach den zukünftigen Plänen des Landes mit dem Haus. Der Grünen-Kultursprecher fordert eine „gesunde Finanzierung“ sicherzustellen, es sei dringend, denn das Theater „kämpft ums Überleben“, so Weber. Im Gespräch mit Stephanie Gräve bestätigt die Intendantin die Dringlichkeit einer Verbesserung der Situation.
Schöbi-Fink möchte sich zu dem Thema erst nach der offiziellen Anfragebeantwortung öffentlich äußern, hieß es aus dem Büro der Kulturreferentin.

Investition

Im österreichischen Vergleich liegt Vorarlberg bei den Landessubventionen der Landestheater immer noch an letzter Stelle, wie der Geschäftsführer der Vorarlberger Kulturhäuser Betriebsgesellschaft mbH (Kuges) Werner Döring auf NEUE-Anfrage bestätigt. Das Haus sei unterfinanziert und sanierungsbedürftig, doch möchte er dies nicht als Vorwurf gegenüber der Landesregierung verstanden wissen: Von 2011 bis 2020 hätten sich deren Subventionen von 2,7 Millionen auf über 4 Millionen Euro erhöht, informiert der Kuges-Geschäftsführer. „Anlass zur Freude“ sieht er aber keinen, er würde eine Erhöhung der Förderungen begrüßen, auch aufgrund des Zustandes des Hauses. Döring könne nachvollziehen, dass das Land wenig motiviert sei, in ein Gebäude zu investieren, das nicht in dessen Besitz liege (sondern in dem der Stadt Bregenz, Anm.). Dies solle sich ändern, möglicherweise könnte durch Gespräche mit dem neuen Bregenzer Bürgermeister Bewegung in die Sache kommen.

Stephanie Gräve bestätigt im Gespräch die Dringlichkeit einer Verbesserung der Situation.<span class="copyright"> Anja Köhler</span>
Stephanie Gräve bestätigt im Gespräch die Dringlichkeit einer Verbesserung der Situation. Anja Köhler

Dass durch die aktuelle Situation der Regierung, die durch die Corona-Krise auch finanziell gefordert sei, die Kultur nicht allererste Priorität hätte, verstehe Döring ebenfalls. Er verweist aber auf die sozioökonomischen Effekte eines funktionierenden Kulturbetriebs: Die angemessene Förderung eines Landestheaters sei eine langfristige und notwendige Investition in die gesamte Gesellschaft.

Ausfälle

Intendantin Gräve findet im NEUE-Gespräch klare Worte für den Status der technischen Infrastruktur des Hauses: „Es herrscht akuter Sanierungsbedarf“, so Gräve. Sollte nicht bald investiert werden, könne ein Betrieb in den kommenden Jahren nicht gewährleistet werden, es sei sogar wahrscheinlich, dass es zu schwerwiegenden Ausfällen kommen werde. Es brauche dringend eine neue Inspizientenanlage – das Herzstück der Kommunikation hinter der Bühne –, auch die Lichttechnik müsse erneuert werden. Zu Stromausfällen im ganzen Gebäude sei es bereits gekommen. Für die notwendige Sanierung brauche es in den nächsten fünf Jahren zusätzliche 4,5 Millionen Euro, meint Gräve.
Frustrierend seien die Arbeitsbedingungen auch im Angesicht des Aufwinds, den das Haus zurzeit erfahre. Gerade für den Nestroy-Preis nominiert, sei die Stimmung im Team gut. Man habe eine breitere Publikumsschicht erreichen können, das Programm sei auf einem „guten Niveau“, die überregionale Wahrnehmung des Landestheaters konnte gesteigert werden. Dagegen sei das Personal knapp: Es gibt keine Souffleuse, keine Kostümassistenz. Das Angebot der Probenräume im Benger-Areal sei der Größe des Theaters nicht entsprechend. Dass das Haus mit seinem Budget der Stadt Pacht zahlt und jährlich eine aufwendige Opernproduktion finanziert – für letztere wird laut Gräve ein Drittel des Gesamtbudgets aufgewendet – erschwere die Lage zusätzlich.

Das Landestheater wurde für die Projekt "Cold Songs Rom" für den Nestroy nominiert. <span class="copyright">Anja Köhler</span>
Das Landestheater wurde für die Projekt "Cold Songs Rom" für den Nestroy nominiert. Anja Köhler

Ein weiterer Punkt, den Weber in der Anfrage aufbringt, bezieht sich wahrscheinlich auf eine Aussage Schöbi-Finks in einem Interview mit der „Kronen Zeitung“ im Juli 2020: Sie könne sich vorstellen, dass das Landestheater zukünftig ohne fixes Ensemble auskommen muss, so die Landesstatthalterin. Dies sei laut Gräve aber aktuell keine ernsthafte Überlegung, hier seien bereits Gespräche geführt worden. Die Intendantin betont, dass die Gagen für das Ensemble ohnehin knapp bemessen seien.
„Das Land muss sich entscheiden, wie es mit dem Landestheater weitergehen soll“, sagt Gräve. Durch Webers Anfrage wird nun eine Reaktion folgen.

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