Allgemein

Doppelmayr: Hilfe für Gekündigte

14.10.2020 • 19:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Weltweit baut Doppelmayr 190 Jobs ab.                                        <span class="copyright">Klaus  Hartinger</span>
Weltweit baut Doppelmayr 190 Jobs ab. Klaus Hartinger

In Wolfurt baut der Seilbahnhersteller 95 Stellen ab.

Die Auswirkungen der internationalen Corona-Maßnahmen treffen jetzt auch einen Vorarlberger Leitbetrieb. Denn wie der Wolfurter Seilbahnhersteller Doppelmayr gestern mitteilte, sehe sich das Unternehmen gezwungen, angesichts der aktuellen Geschäfts­entwicklung insgesamt 190 Beschäftigte von 3400 Beschäftigten der Firmengruppe zu kündigen. Allein 95 dieser Kündigungen werden auf den Standort Vorarlberg entfallen. Die betroffenen Mitarbeiter seien schon informiert worden. Es werden derzeit Gespräche mit ihnen geführt, um „sozial verträgliche, einvernehmliche Lösungen“ zu finden, hieß es.

Maßnahmen reichen nicht

Bereits im Juli 2020 bestätigte Thomas Pichler, geschäftsführender Direktor der Doppelmayr Holding SE, im wpa-Gespräch, dass 120 Leasing-Mitarbeiter zur Abdeckung von Produktionsspitzen über den Sommer schon nicht mehr beschäftigt werden. Seit März wurde Kurzarbeit für mehrere 100 Mitarbeiter angeordnet, um die Sommermonate zu überbrücken, in denen es auch einige neue Aufträge gegeben habe. Doch jetzt reichen diese Maßnahmen angesichts der Rückgänge nicht mehr aus.

Leasing-Arbeiter wurden schon vor dem Sommer  abgebaut.    <span class="copyright">Hartinger</span>
Leasing-Arbeiter wurden schon vor dem Sommer abgebaut. Hartinger

Denn jetzt spüre auch die Doppelmayr-Gruppe, so wie die gesamte Seilbahnbranche, die massiven Auswirkungen der Pandemie. „Trotz einiger attraktiver Einzelprojekte reduzierte sich die Auftragslage in den letzten Monaten deutlich, und ein unsicherer Winter mit wenig oder verschobenen Inves­titionen in Seilbahnen kommt auf uns zu“, so Thomas Pichler.

Umsatzrückgang um 30 Prozent

„Wir müssen daher davon ausgehen, dass auch unser Umsatz um 30 Prozent sinken wird. Leider haben diese massiven und nicht vorhersehbaren Rückgänge deshalb auch Auswirkungen auf unseren Personalstand. Wir gehen davon aus, dass wir mit diesem neuen Personalstand für die nächsten Jahre eine stabile Mitarbeiterzahl haben“, sagt Pichler. Doppelmayr erzielte im Geschäftsjahr 2019/20 (1. April 2019 bis 31. März 2020) einen Umsatz von 872 Millionen Euro.

Doppelmayr-Geschäftsführer István Szalai und Thomas Pichler.  <span class="copyright">Doppelmayr Seilbahnen GmbH</span>
Doppelmayr-Geschäftsführer István Szalai und Thomas Pichler. Doppelmayr Seilbahnen GmbH

Beim Seilbahnhersteller Doppelmayr kommt angesichts der Krise erschwerend hinzu, dass das Unternehmen mit seinen Produkten eine hohe Abhängigkeit vom Tourismus hat. So entfielen zuletzt 50 Prozent des Umsatzes auf den Wintertourismus. Rechnet man Winter-, Sommer-, Ausflugs- und Freizeitparktourismus zusammen, dann belaufe sich die Abhängigkeit auf etwa 80 Prozent. Bekanntlich zählt die Tourismusbranche international zu den am schwersten getroffenen Wirtschaftsbereichen. Deshalb spricht auch Pichler davon, dass es durch die Corona-Krise zu einem „abrupten Einbruch bei den Aufträgen und auch in der Angebotslegung gekommen“ sei.

Ein unsicherer Winter mit wenig oder verschobenen Investitionen in Seilbahnen kommt auf uns zu

Thomas Pichler, Geschäftsführer Doppelmayr

Trotz der derzeit wenig erbaulichen Situation wirft man bei Doppelmayr die Flinte nicht ins Korn. „Auch in der Finanzkrise 2008/09 mussten wir Personal abbauen. Seit dieser Zeit haben wir unseren Personalstand allerdings weltweit um 800 Stellen erhöht, über 400 davon in Österreich. Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir auch diese Situation meistern werden.“ Als Beweis für den Glauben an die Zukunft verweist Pichler auf den Umstand, dass diesen Herbst 36 neue Lehrlinge bei Doppelmayr aufgenommen worden seien.

Zuliefererbetriebe

Wie sich das voraussichtliche Umsatzminus und der damit verbundene Produktionsrückgang in weiterer Folge auf die vielen regionalen Zuliefererbetriebe auswirken wird, werden die kommenden Monate zeigen. Denn seit Wochen berichten eng mit Doppelmayr zusammenarbeitende Firmen in Vorarlberg, dass die Auftragslage vergleichsweise schwach sei.

ÖGB-Landesvorsitzender Stemmer  warnt vor weiteren Kündigungswellen.       <span class="copyright">Hartinger</span>
ÖGB-Landesvorsitzender Stemmer warnt vor weiteren Kündigungswellen. Hartinger

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer warnte indes gestern angesichts des Stellenabbaus bei Doppelmayr vor einer weiteren Kündigungswelle. „Wir schleudern in eine gewaltige Arbeitsmarktkrise. Es braucht jetzt dringend wirksame Gegenmaßnahmen“, so der Gewerkschafter. Konkret schwebt ihm die Einführung einer bundesweite Arbeitsstiftung vor, in der betroffene Beschäftigte übernommen, aus- und weitergebildet werden, damit sie konkrete Jobangebote aus anderen Branchen haben können. Zudem brauche es laut Stemmer Qualifizierungsprogramme, besonders für Langzeitbeschäftigungslose sowie Umschulungsprogramme und Sonderprogramme für Lehrlinge. Er fordert zudem eine Investitionsoffensive der öffentlichen Hand.

Unterstützung von Land und AMS

„Mit Bedauern“ wird der Personalabbau bei Doppelmayr beim Land zur Kenntnis genommen. Es wird Unterstützung zugesichert: „Gemeinsam mit dem AMS werden wir einen Sozialplan anbieten. Wir stehen bereits in Kontakt mit dem Unternehmen“, teilten Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Marco Tittler mit. Sie verwiesen dabei auch auf die Arbeitsstiftung des Landes. Die Arbeitsstiftung 2000 Vorarlberg nehme jene Menschen professionell an der Hand, die von Kündigungsmaßnahmen betroffen seien. Innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens sollen Betroffene dabei so rasch wie möglich wieder in den regulären Arbeitsmarkt integriert werden.

AMS-Chef Bernhard Bereuter hofft, dass einige der nun gekündigten, aber gut ausgebildeten  Arbeitskräfte neue Jobs finden.         <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
AMS-Chef Bernhard Bereuter hofft, dass einige der nun gekündigten, aber gut ausgebildeten Arbeitskräfte neue Jobs finden. Dietmar Stiplovsek

Die Meldung im Frühwarnsystem über die beabsichtigten Kündigungen ist gestern beim AMS eingetroffen, bestätigte dessen Geschäftsführer Bernhard Bereuter auf Nachfrage. Derzeit würden die Arbeitnehmer vor Ort unterstützt. Laut seinen Informationen seien unter den Gekündigten viele gut qualifizierte Arbeitskräfte, sagte Bereuter. Nachdem es nach wie vor eine Nachfrage nach Fachkräften gebe, kann er sich vorstellen, dass sich hier andere Unternehmen melden.

Signale in die Richtung, dass auch in anderen Großbetrieben Kündigungen bevorstehen, habe man derzeit nicht, so der AMS-Chef. Man gehe derzeit eher davon aus, dass die Lage in den nächs­ten Monaten stabil bleibe. Signale habe es allerdings auch bei Doppelmayr nicht gegeben. „Aber wir wissen aus Erfahrung, dass das kein Unternehmen ist, das es sich leicht macht, Personal zu kündigen“, so Bereuter.

Günther Bitschnau, wpa/BKO

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.