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Vize Allgäuer erwartet mehr Bürgeranfragen

14.10.2020 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Daniel Allgäuer wird am kommenden Dienstag zum Vizebürgermeister bestellt. <span class="copyright">Dietmar Stiplovsek</span>
Daniel Allgäuer wird am kommenden Dienstag zum Vizebürgermeister bestellt. Dietmar Stiplovsek

Daniel Allgäuer (FP) ist künftiger ­Vizebürgermeister in Feldkirch.

Der Wahlkampf, in dem man sich in der Regel ja auch anfeindet, ist noch nicht lange her. Jetzt wird der Schalter umgelegt. Bürgermeister Matt bezeichnete Sie am Montag in einer Aussendung als einen Partner, der für Verlässlichkeit und Handschlagqualität steht. Sind sie jetzt schon ziemlich beste Freunde?
Daniel Allgäuer:
Es hat keine Anfeindungen gegeben. Das waren politische Auseinandersetzungen im Wahlkampf. Man streicht heraus, was einen von der anderen Partei unterscheidet. Trotz unterschiedlicher ideologischer Positionen pflege ich mit allen Fraktionsvertretern einen guten, korrekten Umgangston – das gilt selbstverständlich auch für Bürgermeister Wolfgang Matt.

Koalitionsregierungen erzeugen ein Spannungsfeld zwischen Kooperation, Konkurrenz und Konflikt. Wo sehen Sie das größte Konfliktpotenzial mit der ÖVP Feldkirch?
Allgäuer:
Es wird in den nächs­ten fünf Jahren sicher den einen oder anderen Punkt geben, in dem man sich nicht einig ist. Aber unter erwachsenen Menschen, die sich auf Augenhöhe begegnen, kann man Dispute mitunter schon von vornherein ausräumen. Wir und die ÖVP haben mit dieser Koalition jedenfalls die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit gelegt.

Konfliktpotenzial gab und gibt es beispielsweise beim Pädagogischen Förderzentrum Feldkirch, für dessen Erhalt sich die FPÖ ausspricht.
Allgäuer:
Wir haben hier eine klare Meinung. Es geht hier nicht um eine Entweder-oder-Frage. Es geht um das Wohl der betroffenen Kinder und deren Familien. Es braucht beide Angebote für unsere Kinder, sowohl die Möglichkeit zur Inklusion als auch die Möglichkeit zum Besuch einer Sonderschule.

Wie bewerten Sie Ihre bisherige Zusammenarbeit mit der ÖVP? In wesentlichen Fragen, beispielsweise beim Budget, war man ja bereits in den vergangenen fünf Jahren auf Linie.
Allgäuer:
Wir haben den Budgets zugestimmt, weil wir immer frühzeitig in die Planung einbezogen wurden. Das Budget sollte nicht dazu hergenommen werden, Parteipolitik zu betreiben. Das haben wir immer so artikuliert, obwohl wir in einigen Sachfragen einen völlig anderen Zugang haben als die ÖVP.

Als Stadtrat haben Sie bisher die Referate Hoch-, Tief-, Kanal- und Wasserbau verantwortet. Behalten sie diese und welches sind die Projekte, die es am wichtigsten umzusetzen gilt?
Allgäuer:
Ja, ich werde diese Ressorts behalten. Das wichtigste und größte Projekt in diesem Bereich ist sicher der Bau der Volksschule Altenstadt.

„Wir haben die Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit gelegt.“

Daniel Allgäuer,
FPÖ

Die ÖVP wird weiterhin sämtliche Ortsvorsteher stellen. Ein Wermutstropfen?
Allgäuer:
Wir haben zunächst über die inhaltliche Zusammenarbeit in wichtigen Sachfragen gesprochen, dann über personelle Angelegenheiten. Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Über Details möchte ich jetzt noch nicht sprechen.

Das Vizebürgermeisteramt ist ein Amt ohne echte Macht. Es erschöpft sich lediglich in der Vertretung des Stadtchefs. Wie werden Sie diese Rolle anlegen?
Allgäuer:
Repräsentativ wird sich das in dem Umfang abspielen, den Bürgermeister Wolfgang Matt zulässt. Da müssen wir uns nichts vormachen. Aber wir Freiheitlichen, sei es Kollege Spalt oder meine Person, haben schon in der Vergangenheit einige Bürgeranliegen auf den Tisch bekommen, Sicher konnten wir da nicht in jedem einzelnen Fall helfen, aber wir sind den Dingen nachgegangen. Ich gehe davon aus, dass solche Interventionsfälle jetzt gehäuft auf mich zukommen. Darauf freue ich mich.

Also so ähnlich wie es der ehemalige Parteikollege und einstige Vizebürgermeister Wiens, Johann Gudenus, einmal sinngemäß formulierte: Ein Ombudsmann für Menschen, die ungerecht behandelt werden?
Allgäuer:
Bitte verschonen Sie mich mit Aussagen ehemaliger Parteikollegen. Ich habe meinen eigenen Stil.

Apropos Parteikollegen: Was sagen Sie zum blauen Debakel bei der Wien-Wahl? Die Stimmen der FPÖ sind dort auf ein Viertel geschrumpft.
Allgäuer:
Ich lege den Fokus auf das Land Vorarlberg und die Stadt Feldkirch. Alles andere kommentiere ich nicht. Da habe ich mich schon immer zurückgehalten.

Im September des vergangenen Jahres haben Sie Herbert Kickl anlässlich seiner Wahlkampftour zur Nationalratswahl auf Ihren Bauernhof eingeladen. Würden Sie das wieder tun?
Allgäuer:
Selbstverständlich. Auf meinem Hof waren übrigens auch schon andere Bundespolitiker, beispielsweise Norbert Hofer (FPÖ-Bundesparteiobmann, Anm.). Die Leute wurden alle demokratisch gewählt. Warum sollte ich sie nicht einladen?

Soll die Stadt Feldkirch ein Signal setzen und der Bundesregierung kundtun, dass man bereit wäre, 20 Geflüchtete aus Moria aufzunehmen?
Allgäuer:
Nein, diese Notwendigkeit sehe ich nicht. Feldkirch hat im Zuge der Flüchtlingswelle im Jahr 2015 einen großen Beitrag geleistet. Jetzt ist wichtig und entscheidend, dass diese Menschen integriert werden. Da geht es um Wohnungen, Arbeitsplätze und Bildung.

Werden Sie im Jahr 2025 wieder zur Bürgermeisterwahl antreten? Sie sind dann 60 Jahre alt.
Allgäuer:
Das kann ich zum jetztigen Zeitpunkt wirklich noch nicht sagen.

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