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Abenteuerreise durch die Zeit

19.10.2020 • 11:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Das Schloßguggerhaus in Dornbirn. <span class="copyright">Oliver Lerch</span>
Das Schloßguggerhaus in Dornbirn. Oliver Lerch

Lange im Dornröschenschlaf schlummerte ein Haus in Dornbirn.

Wenn man von Dornbirn aus die Bergstraße zum Bödele hinauffährt, sollte man der Ecke zur Sebastianstraße Aufmerksamkeit zollen. Dort steht nämlich das älteste noch erhaltene Haus Dornbirns. Der Spezialist für Dendrochronologie Klaus Pfeiffer hat – im Auftrag des damaligen Leiters des Stadtmuseums, Hanno Platzgummer – in einer Analyse der alten Gemäuer festgestellt, dass das Haus tatsächlich 1292 erbaut worden ist.
Im 13. Jahrhundert wurde es in der Nähe des inzwischen nur noch in Mauerresten vorhandenen Oberdorfer Turms erbaut. Das Schloßguggerhaus hat wahrscheinlich durch ihn seinen Namen bekommen. Einstmals im Besitz der Grafen von Hohenems könnte es als Behausung des Schloss­aufsehers gedient haben. Und vielleicht auch weil man aus seinen Fens­tern direkt auf den Oberdorfer Turm „gucken“ konnte.

Stolzer neuer Eigentümer

Stefan Grabher ist gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Günther Haid neuer Eigentümer des Hauses. Er zeigt das Alter des Schloßguggerhauses stolz an einem Zeit-Maßstab. Stolz auch deshalb, weil er sich mit dem Kauf dieses Hauses einen Kindheitstraum erfüllt hat.
„Ich habe dieses Haus bereits im Jahr 1972 entdeckt. Ich war hier mit meinem Großvater spazieren, der sehr geschichtsinteressiert war. Er hat mir immer schon gesagt, dass das ein besonderes Haus ist.“ Jetzt arbeitet Grabher eng mit dem Denkmalamt zusammen, um dieses Haus in all seinen Facetten zu erkunden. Seit 1967 steht das Schloßguggerhaus unter Denkmalschutz.

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Historische Aufnahmen des Schloßguggerhaus. Stadtarchiv Dornbirn (2)

In Ständerbauweise errichtet

Erbaut wurde das Schloßguggerhaus in der Ständerbauweise – einer Form des Fachwerkbaus. Bei dieser Bauweise sind Ständer das tragende System des Gebäudes und reichen bis zum Dach. Die Zimmer sind höher als bei Häusern mit landwirtschaftlicher Nutzung, und es ist äußerst geräumig. Erdgeschoss, erster Stock und Dachboden befinden sich derzeit im Entdeckungszustand.
An den Wänden lassen sich noch immer lesbare alte Zeitungen erkennen, die als Dämmmaterial benutzt wurden. An manchen Stellen befinden sich kleine hervorstehende Zapfen an der Mauer. Das war ein Mittel, um früher Verputz besser an der Mauer anbringen zu können. Alte Holzpfos­ten helfen mit ihren Lebensringen hingegen dabei, Zeit und Ort ihrer Abholzung zu bestimmen. Viele verschiedene Jahrhunderte an Wohnen und Bauen werden im Schloßguggerhaus vereint.

Entdeckungsreise

Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Schloßguggerhaus immer wieder umgestaltet. So bekam es nach dem Verkauf durch die Grafen von Hohenems Ende des 18. Jahrhunderts einen Stall. „Dadurch, dass dieses Haus permanent verändert wurde, entdeckt man auch immer etwas Neues. Jetzt möchten wir zum Beispiel eine Bodenanalyse unter dem Stall machen und schauen, ob dort noch andere Strukturen vorhanden sind. Vielleicht ein Brunnen. Das ist das eigentliche Abenteuer. Dadurch, dass dieses Haus permanent verändert wurde, entdeckt man auch immer irgendetwas“, zeigt sich Stefan Grabher begeistert.
Gemeinsam mit dem Denkmalamt und dem Architekten Raimund Rhomberg wird dann entschieden, in welche Zeit man dieses Haus zurückversetzt. Diese Aufgabe hat sich Stefan Grabher aber für eine ruhigere Lebenszeit aufbehalten. „Das Haus ist eine Zeitkapsel und hat in 700 Jahren wahnsinnig viel gesehen. Und ich finde den Gedanken nett, dass ich das Haus eine Zeitlang begleite und vielleicht den Punkt gesetzt habe, dass es für die nächsten 500 Jahre bestehen bleibt“, freut sich Grabher über seine zukünftige Herausforderung.

Eigentümer Stefan Grabher und Einblick ein Räumlichkeiten des Gebäudes. <span class="copyright">Oliver Lerch (4)</span>
Eigentümer Stefan Grabher und Einblick ein Räumlichkeiten des Gebäudes. Oliver Lerch (4)

Ein geheimer Schatz

Man erzählt sich auch, dass einst vom Schloßguggerhaus ein unterirdischer Geheimgang zum Oberdorfer Turm führte. Zur Zeit der Franzosenkriege hätten wohlhabende Familien in den Kellern des Hauses den Schmuck ihrer Frauen versteckt. Er sei aber von den Franzosen entdeckt worden. Manche Dornbirner und Dornbirnerinnen munkeln aber, dass dieser Schatz tatsächlich nie gefunden wurde.
„Einige meiner Freunde behaupten, ich habe dieses Haus nur gekauft, um mich auf die Suche nach diesem Schmuck zu machen. Was natürlich ein Blödsinn ist“, lacht Stefan Grabher. Er hat seinen Schatz bereits gefunden, nämlich mit dem Kauf dieses alten Hauses voller noch zu entdeckender Geschichten. „Aber wenn ich den sagenumwobenen Schatz finde, werde ich es allen mitteilen“, verspricht er.

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