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Ein Spiel im Endspiel

23.10.2020 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Trotz Apokalypse gibt es doch noch was zu lachen: Wolfgang Pevestorf (links) und Robert Kahr. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Trotz Apokalypse gibt es doch noch was zu lachen: Wolfgang Pevestorf (links) und Robert Kahr. Caro Stark

Die Premiere von „Endspiel“ verlief nicht wie geplant – schade.

Es ist wirklich schade: Wolfgang Pevestorf und Robert Kahr sind eigentlich das perfekte Schauspiel-Duo für diese besondere Version von Samuel Becketts „Endspiel“, die, von Stephan Kasimir inszeniert, am Donnerstag im TIK in Dornbirn Premiere feierte. Doch leider haben sich die Darsteller wohl ein wenig im Stück verloren – wesentlich kürzer als geplant ging die erste Vorstellung zu Ende. Das vor allem gegen Ende leicht verwirrte Publikum goutierte nichtsdestotrotz die übrige Darbietung und spendete langen Applaus. Zurecht: Kasimirs Fokus auf die Komik durch die Interaktion der beiden und die geschickte Konzeption eines Spiels im Spiel ging weitgehend auf. Aus welchem Grund auch immer hat jedoch nicht jede Szene der Weg auf die Premierenbühne gefunden.

Ein witziges Duo. <span class="copyright">Caro Stark</span>
Ein witziges Duo. Caro Stark

Kasimirs Inszenierung zieht eine Parallele zwischen der Abgeschlossenheit der Theaterwelt und des jener des Raums, in dem die vier Figuren im „Endspiel“ nach der Apokalypse ihren Rest Leben fristen. Mag die Erde draußen sich auch weiterdrehen – in dem kleinen Kosmos, in dem man sich abgeriegelt hat, spielt man sein eigenes Spiel. In einer Art Exposition lesen die Schauspieler auf einem Zettel, worum es geht. Zwei Darsteller spielen das „Endspiel“. Nun denn, so soll es sein. Genaueres steht in den Regieanweisungen, die ebenfalls auf dem Zettel stehen. Da wird klar: Der eine ist blind und kann nicht gehen, der andere hat ein steifes Bein und kann nicht sitzen – und der muss dabei auch noch Nagg und Nell in der Mülltone spielen. Auch Caro Starks Bühnenbild wird von dem Duo kritisch beäugt, dann be­ginnt der Anfang vom Ende.

Mühsal

Es macht großen Spaß, den beiden bei ihrem von Schikane, Schadenfreude und Abhängigkeit getragenen Spiel zuzuschauen. Kahr sitzt als Hamm in seinem Stuhl, in seiner sadistischen Freude kommandiert er Clov herum, stellt immer dieselben unerträglichen Fragen: genial Kahrs Mimik, die sich auch hinter der Sonnenbrille bemerkbar macht – nicht zuletzt durch die verronnene Clown-Schminke, die nun doch zum Einsatz kommt. Pevestorf hingegen trägt die mehrfache Mühsal vor sich her, schleppt sich mit seinem steifen Bein von der einen auf die andere Seite, flucht ob der Extrameilen durch die Mehrfachbesetzung. Immer wieder treten die beiden aus dem Spiel aus, zum Beispiel wenn Pevestorf schummelt und schnell ein paar Schritte ohne steifes Bein macht: auch das amüsiert.

„Endspiel“ von Samuel Beckett. Weitere Termine: Heute, 29., 30. und 31. Oktober, jeweils 20 Uhr, So., 25. Oktober, 17 Uhr, im TIK in Dornbirn. Infos und Karten: www.unpop.at.

Neben dieser gelungenen tragischen Komödie, die witzig ist und gleichzeitig beim Anblick schmerzt, gibt es auch inhaltlich bedeutsame Momente, sei es in Becketts Dialogen oder in den Schlussmonologen von Hamm und Clov, die beide in die Tiefe dieses unvergleichlichen Theater-Klassikers führen: Das ist sehr gut gespielt, und die Ahnung ist vorhanden, dass es in der längeren Fassung mehr davon gibt. Es wäre ein großer Gewinn für die Zuschauer!