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Einschränkung für AGES keine Option

24.10.2020 • 11:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Dietmar Stiplovsek</span>
Symbolbild/Dietmar Stiplovsek

Contact Tracing effektivste Maßnahme gegen Ausbreitung.

Keine Option ist die Reduktion des Contact Tracing, das die Vorarlberger Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) angekündigt hat, aus Sicht der AGES-Epidemiologin Daniela Schmid. „Ganz und gar nicht“ könne sie eine derartige Aussage „verstehen oder unterstützen“, sagte sie im Ö1-Mittagsjournal. Die Nachverfolgung der Kontaktpersonen sei evidenzbasiert die effektivste Maßnahme gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2. Personelle Ressourcen wären zudem vorhanden.

Wer das Contact Tracing aufgibt, gibt auch die Kontrolle über die Epedemie auf, sagte Schmid bereits am Freitag bei der Pressekonferenz zur Ampelschaltung. Die Lösung sei natürlich, das Personal aufzustocken, wenn man mit den Ressourcen nicht mehr zurande komme. Personal sei vonseiten der AGES vergangene Woche angeboten worden und könne in kürzester Zeit auch zur Verfügung gestellt werden.

Schmid hob bereits nach der ersten Welle im Mai hervor, dass Clusteranalysen und Contact Tracing die beiden Tools für die nahe Zukunft seien. Beim Contact Tracing werden Fälle und Kontakte unter anderem mithilfe eines standardisierten Fragebogens telefonisch befragt, wann sie Symptome entwickelt haben und welche.

Rüscher antwortet auf Kritik

Das in Vorarlberg nun neu gehandhabte Contact Tracing sei nicht als Kapitulation vor den weiter stark steigenden Corona-Fallzahlen zu verstehen. Das hat Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) am Samstag betont. „Wir stellen um, damit wir im Umgang mit Kontaktpersonen der Kategorie I noch schneller werden“, unterstrich Rüscher. Das Infektionsteam in Vorarlberg sei gut aufgestellt, das Contact Tracing im Vergleich mit anderen Bundesländern eines der besseren.

Kapazitätsgrenze erreicht

Vorarlberg hatte es am Freitag mit der landeseigenen Aussendung, wonach „das Infektionsteam an seine Kapazitätsgrenze geführt“ worden sei und die Kontaktverfolgung nicht mehr in vollem Umfang aufrechterhalten werden könne, österreichweit in die Schlagzeilen geschafft. Von einem Krisen-Zustand, wie er vielleicht entstanden sein könnte, sei man aber weit entfernt, beruhigte Rüscher im Gespräch mit der APA.

Das Vorarlberger Infektionsteam ist in einer Messehalle in Dornbirn untergebracht, rund 100 Arbeitsplätze stehen dort zur Verfügung. Dabei ist auch das Bundesheer „mit einem sehr hohen Ausmaß“ (Rüscher) involviert. Das Team noch einmal zu vergrößern – wie es im Frühherbst geschehen ist – löse nicht das Problem, mit Kontaktpersonen der Kategorie I schneller als bisher ins Gespräch zu kommen.

Kontaktperson II

Bisher habe man auch alle Kontaktpersonen der Kategorie II angerufen – also solche, mit denen Infizierte nur losen Kontakt hatten. „Ihnen wurde ein Gesundheits-Tagebuch mit der Bitte um Ausfüllung zugeschickt, Tage später wurde es zurückgesandt und die Person noch einmal angerufen“, schilderte Rüscher das bisherige Prozedere. In anderen Bundesländern sei das gar nie so gemacht worden. Bei den Kontaktpersonen der Kategorie II fahre man nun zurück, um im Umgang mit Personen, die unmittelbaren Kontakt mit Infizierten hatten, schneller zu werden.

Eine Maßnahme dazu sei, dass nun für einen ganzen Haushalt ein Bescheid erstellt werde, wenn es einen positiven Fall gebe. Bis jetzt wurden die Bewohner einzeln angerufen und per Einzelbescheid abgesondert. Eine weitere, dass die Erfassung aller Kontaktpersonen ab sofort durch den Erkrankten selbst mittels eines digitalen Formulars mit einer genauen Beschreibung des Kontakts sowie des Zeitpunkts erfolgt.

Man habe festgestellt, dass die Infektionsketten trotz des Appells, Sozialkontakte einzuschränken, in den vergangenen Wochen nicht kürzer geworden seien. „Kürzere Listen würden uns am meisten helfen“, so die Landesrätin.

APA