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Mit Spannung erwartete Wahl

25.10.2020 • 18:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Joe Biden (l.) gegen Donald Trump heißt es bei der Wahl in den USA. <span class="copyright">AFP</span>
Joe Biden (l.) gegen Donald Trump heißt es bei der Wahl in den USA. AFP

Nicht nur in den USA wird der Ausgang genau verfolgt.

Weitgehend gesittet und ohne große Aufreger ist Ende dieser Woche die zweite und letzte Debatte von US-Präsident Donald Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden über die Bühne gegangen. Nun sind die Blicke aller Beteiligten auf den 3. November gerichtet. Denn an diesem Tag geht die US-Präsidentschaftswahl über die Bühne. Ein Ergebnis könnte aufgrund einer großen Anzahl an Briefwahlstimmen erst in den Tagen darauf feststehen.

Richtungsentscheidung für die ganze Welt

Auch so mancher Vorarlberger blickt mit Spannung auf den Wahltag und freilich auf das darauf folgende Ergebnis. Einer von ihnen ist Thomas Wunderlich. Er lebt in Kalifornien und ist dort beruflich für ein Unternehmen aus dem Ländle tätig. Aus seiner Sicht wird der Urnengang eine Richtungsentscheidung sein – nicht nur für die USA, sondern für die ganze Welt. Denn mit einem Sieg des Amtsinhabers werde dessen bisherige Strategie bestätigt. Danach seien ähnliche Entscheidungen wie jene zum Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen oder dem Atomabkommen mit dem Iran zu erwarten.

Thomas Wunderlich lebt in Kalifornien und arbeitet dort für ein Vorarlberger Unternehmen. <span class="copyright">Privat</span>
Thomas Wunderlich lebt in Kalifornien und arbeitet dort für ein Vorarlberger Unternehmen. Privat

Im Alltag wird nach Angaben von Wunderlich kaum über Politik geredet. „Oberstes Gebot – keine hitzigen Debatten mit Amerikanern über die Kandidaten oder das amerikanische Wahlsystem. Politik ist ein absolutes No-Go“, sagt er. Die Bewohner seien unglaublich stolz auf ihr Land, was sich auch durch alle Schichten und ethnische Gruppen ziehe. Patriotismus stehe über allem, weshalb es auch keinen Raum für Kritik gebe.

Corona-Pandemie und “Black Lives Matter”

Eine wichtige Rolle bei der Wahlentscheidung werden nach Ansicht des Wahl-Amerikaners auch die „Black Lives Matter“-Bewegung und der Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie spielen. Vor allem Letzteres stehe bei jeder politischen Debatte in allen Medien auf der Agenda. „Das soll nicht heißen, dass das ‚Black Lives Matter‘-Movement keine Rolle spielt, aber die Corona-Pandemie hat Hunderttausende Amerikaner das Leben gekostet und da reagieren die Wähler sehr sensibel“, ist Wunderlich sicher.

Diskussion ist möglich

Die von außen oft wahrgenommene Spaltung des Landes zwischen konservativen Republikanern und eher liberalen Demokraten kann der Vorarlberger zumindest in seinem privaten Umfeld nicht feststellen. Auch wenn Politik im Alltag meist nicht thematisiert werde, sei es durchaus möglich, auch mit republikanischen Anhängern ein Gespräch über Politik „light“ zu führen, „welches einem nicht das Gefühl gibt, das andere politische Meinungen sofort eine Spaltung der Gesellschaft nach sich ziehen“. Ein Blick auf die Kommentare in den sozialen Medien oder im Fernsehen zeige jedoch ein anderes Bild.

Maurice Shourot stammt aus den USA und lebt seit über 30 Jahren in Vorarlberg. <span class="copyright">Hartinger</span>
Maurice Shourot stammt aus den USA und lebt seit über 30 Jahren in Vorarlberg. Hartinger

Die Wahl am 3. November wird jedoch nicht nur von Vorarlbergern in den USA mit Spannung erwartet. Auch im Ländle selbst ist der Urnengang ein wichtiges Thema. Beispielsweise beim Kameramann und Fotografen Maurice Shourot. Er stammt ursprünglich aus New York, lebt aber mittlerweile seit über 30 Jahren im Ländle. Das Geschehen in seinem Heimatland verfolgt er jedoch immer noch mit Interesse. Auch am Urnengang am 3. November wird er teilnehmen: „Die Wahlkarte habe ich schon.“

Trump als deutlicher Favorit

Shourot glaubt, dass der Amtsinhaber sich dabei klar durchsetzen wird. Denn bei Wahlen seien vielen Amerikanern vor allem wirtschaftliche Fragen wichtig. Diesbezüglich habe sich Trump vor der Corona-bedingten Krise durchaus gut geschlagen, denn die Menschen hätten von seiner Politik durchaus profitiert. Es könne daher sein, dass viele bei der Wahl sich dafür entscheiden, dass es weitergehen soll wie bisher – „business as usual“. Bei Joe Biden gebe es Fragezeichen, wie er die Wirtschaftspolitik weiterführen werde.

Corona kein Faktor

Dass sich der Umgang mit der Corona-Pandemie auf den Wahlausgang auswirkt, glaubt der gebürtige Amerikaner nicht. Schließlich seien für die Pandemie-Bekämpfung einerseits das Gesundheitsministerium und andererseits die Behörden sowie Verantwortlichen in den Staaten zuständig.

Martin Ohneberg ist mit seinem Unternehmen auch in den USA tätig. Das Geschäft dort wächst.<br><span class="copyright">Industriellenvereinigung</span>
Martin Ohneberg ist mit seinem Unternehmen auch in den USA tätig. Das Geschäft dort wächst.
Industriellenvereinigung

Doch nicht nur Privatpersonen interessieren sich dafür, wer nächs­tes US-Staatsoberhaupt wird. Auch Wirtschaftstreibende wie etwa der Präsident der Industriellenvereinigung Martin Ohneberg blicken gespannt über den großen Teich. Mit seinem Dornbirner Unternehmen Henn ist Ohneberg auch in den USA aktiv. Diese sind gemeinsam mit Asien ein Wachstumsmarkt für den Automobilzulieferer. Wer die Wahl für sich entscheiden wird, ist für Ohneberg schwer zu sagen. Am Ende des Tages seien für all jene, die Geschäfte mit und in den USA machen, vor allem stabile Verhältnisse wichtig. Dazu gehöre etwa, dass die Gesellschaft nicht gespalten werde. Auch Wirtschaftskonflikte wie sie Trump etwa mit China geführt habe, seien für Unternehmer nicht unbedingt vorteilhaft.

Hintergrund: Wahlkrimi um das Weiße Haus

Die US-Präsidentschaftswahl geht alle vier Jahre am Dienstag nach dem ersten Montag im November über die Bühne. Das ist seit dem Jahr 1845 gesetzlich so festgelegt. Der Termin an einem Dienstag im November fußt auf historischen Gründen. Denn im 19. Jahrhundert lebten die meisten Amerikaner noch von der Landwirtschaft. Im Frühjahr und Sommer waren daher viele damit beschäfigt, die Felder zu bestellen. Im November war die Erntezeit in den meisten Gebieten vorüber und das Klima noch mild genug, um mit dem Pferdegespann oder zu Fuß zum nächsten Wahllokal zu reisen. Der Sonntag kam für die Anreise oder die Wahl jedoch nicht infrage, denn da ging man üblicherweise in die Kirche.

Rund 233 von 330 Millionen US-Bürger sind heuer zur Wahl aufgerufen. Um seine Stimme abgeben zu dürfen, muss man sich jedoch zuvor beim zuständigen Wahlamt registrieren lassen. 2016 gab es rund 216 Millionen eingetragene Wähler, von denen dann auch 140 Millionen abgestimmt haben. Obwohl der eigentliche Termin für den Urnengang am 3. November ist, können Briefwähler ihre Stimme bereits jetzt abgeben. In vielen Staaten gibt es auch die Möglichkeit schon vor dem Wahltag im Wahllokal abzustimmen.

Der Präsident wird nicht von den Bürgern direkt gewählt. Sie stimmen nur über die Zusammensetzung des Wahlkollegiums („Electoral College“) ab. Diese wählen dann den Präsidenten.