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„Angebote für sicheres Leben schaffen“

31.10.2020 • 21:57 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Garry Thür sitzt für die Neos im Landtag.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Garry Thür sitzt für die Neos im Landtag. Klaus Hartinger

Thür: Lockdown ist zwar logische Folge, aber Versagen der Politik.

Nun ist es also Gewissheit. Die Bundesregierung verkündete gestern kurz nach 16.30 Uhr den Lockdown.
Garry Thür, Landtagsabgeordneter der Neos und CTO der Rhomberg Sersa Rail Group, sieht in dieser Maßnahme allerdings das Versagen in der Vergangenheit. Nur den Lockdown zu verkünden, greife laut dem Politiker und Unternehmer zu kurz.
„Wenn eine Wunde blutet, muss zuerst die Blutung gestillt werden. Das ist klar und ist unumgänglich. Nichtsdestotrotz müssen wir auf die Nebenwirkungen vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft achten“, erklärt der Bregenzer.

Was kommt nach dem Lockdown?

Für Thür stellt sich die Frage, was nach vier Wochen Lockdown kommen soll? „Jetzt fah­ren wir das Land wieder runter, um dann Weihnachten feiern zu können, und dann im Jänner kommt Lockdown Nummer drei? Das Virus wird uns noch lange begleiten und es kann nicht alle zwei Monate zu einem Lockdown kommen.“

„Jetzt fahren wir das Land wieder runter, um Weihnachten feiern zu können, und dann im Jänner kommt Lockdown Nummer drei?“

Garry Thür, Landtagsabgeordneter Neos

Der Familienvater sieht Versäumnisse in der Auseinandersetzung mit dem Virus und der Schaffung sicherer Räume, um das gesellschaftliche Leben aufrecht erhalten zu können. Bildungseinrichtungen, Unternehmen, aber auch die Gastronomie sieht er als leuchtende Beispiele, wie verantwortungsbewusster Umgang mit dem Virus vonstatten gehen kann.
Sozialkontakte sind für die Bevölkerung, aber insbesondere Senioren und Jugendliche, wichtig. Anstatt der Versuch unternommen wird, mit Verboten diese Sozialkontakte einzuschränken, plädiert Thür dafür, diese proaktiv zu steuern. Das Schlüsselwort heißt Eigenverantwortung, selbst wenn die Appelle an die Eigenverantwortung im Sommer nur wenig gefruchtet haben. Thür verortet die Schuld dafür weniger bei der Bevölkerung als vielmehr bei den politischen Verantwortlichen.

Experten aus allen Bereich gefordert

„In unserem Unternehmen arbeiten wir auch mit dezentralen Strukturen und Eigenverantwortung, aber wir setzen Initiativen, um einen Rahmen dafür zu haben. Den haben wir in Bezug auf das Coronavirus nicht geschaffen“, kritisiert Thür. Vielmehr sei die Gastronomie geschlossen worden und damit die Clusterbildung in den privaten und somit unkontrollierbaren Bereich abgewandert. Um eine Strategie zum Umgang mit der Pandemie zu entwickeln, fordert der Landtagsabgeordnete das Einbeziehen verschiedener Experten aus allen Bereichen. Die Expertise sieht er im Land durchaus gegeben. „Es gibt auf Landesebene das Büro für freiwilliges Engagement und Beteiligung. Auf Gemeindeebene die Vereine der Jugendarbeit, EPUs mit sozialwissenschaftlicher Ausbildung, Organisationsberatungen oder kreative Köpfe aus der Kultur und anderen Bereichen. Greifen wir in der Erstellung einer Strategie auf diese Ressourcen zurück und schaffen Angebote für ein sicheres, gesellschaftliches Leben.“

Grünen: „Hirn einschalten“

Schwerwiegend, aber leider notwendig“ nennt Grünen-Klubobmann Daniel Zadra die neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.
Doch die verordneten Maßnahmen zu berücksichtigen, sei nur das eine. Für ebenso wichtig hält Zadra, das persönliche Verhalten anzupassen. Denn gerade im Familien- und Freundeskreis sei die Ansteckungsgefahr groß und deshalb höchste Vorsicht geboten – auch bei Zusammenkünften zu Allerheiligen.
„Hirn einschalten, gedanklich zusammenrücken, aber körperlich Abstand halten“, lautet der Ratschlag des Landtagsabgeordneten.

SPÖ: „Parteipolitik hintanstellen“

Thomas Hopfner, Klubchef der SPÖ im Landtag, bezeichnet die Maßnahmen als „einschneidend, aber unumgänglich“. Die Infektionszahlen seien, nicht nur in Öster­reich, explodiert und das Gesundheitssystem in Gefahr. „Es gilt jetzt, die Parteipolitik hintanzustellen und gemeinsam darauf zu schauen, dass die Regeln eingehalten werden und sich die Zahlen reduzieren.“ Darüber hält Hopfner es für wichtig, dass jenen Betrieben, die nun Einbußen erleiden, rasch Unterstützung zukommt. „Hier ist die Opposition nun gefordert, darauf zu schauen, dass die Gelder auch dort hinkommen, wo sie benötigt werden.“

FPÖ: „Krisenmanagement chaotisch, Volk bezahlt“

Mit gewohnt scharfen Worten reagiert FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi auf den neuen Lockdown. „Die Bevölkerung muss schon wieder für das völlig chaotische Krisenmanagement der schwarz-grünen Regierung in den letzten Wochen und Monaten bezahlen.“ Die Regierung sei seit Monaten nicht in der Lage, eine „vernünftige Corona-Gegenstrategie“ zu entwickeln. Für Bitschi ist klar: „So werden wir aus dieser Krise nicht herauskommen, sondern so wird sie nur immer weiter verschlimmert.“
Der FPÖ-Landesobmann befürchtet durch den neuen Lockdown auch eine weitere Verschärfung der Wirtschafts- und Arbeitsmarktsituation. „Weitere Existenzen werden vernichtet, vielen betroffenen Betrieben, die schon jetzt mit dem Rücken zur Wand stehen, wird nun der endgültige Todesstoß versetzt und weitere Arbeitslose werden die Folge sein.“ Bitschi fordert sofortige Hilfspakete, um den Betrieben ein Überleben zu ermöglichen und Arbeitsplätze zu sichern. „Die Betroffenen des Lockdowns dürfen nicht ein zweites Mal im Regen stehen gelassen werden, sondern dieses Mal muss die notwendige Unterstützung auch wirklich ankommen.“

IV: Gemeinsamer Kraftakt

Für Martin Ohneberg, Präsident der IV-Vorarlberg, ist klar: „Nur mit einem gemeinsamen Kraftakt können wir den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schaden minimieren, das muss unser primäres Ziel sein.“ Dass die Industrie, die produzierende Wirtschaft und weitere Branchen weiterhin geöffnet bleiben, betrachtet Ohneberg für die Minimierung des Schadens als mitentscheidend. Neben dem Schutz der Mitarbeiter müsse nun alles getan werden, um – unter anderem – die Lieferketten aufrechtzuerhalten.

Gastronomie: Rasch umsetzen

Wenn alles so kommt, wie es angekündigt wurde, dann können wir damit leben“, sagt Stefan Köb, stellvertretender WKV-Spartenobmann Tourismus und Freizeitwirtschaft zu den gestern verkündeten Maßnahmen. Wichtig sei, dass die in Aussicht gestellte teilweise Abdeckung der Umsatzeinbußen vom November schnell komme, da die Auszahlung der Weihnachtsgelder vor der Türe stehe.

IG Kultur: Auffangnetze auch für die Kultur

Drastisch“: So beschreibt Mirijam Steinbock, Geschäftsführerin der IG Kultur die Maßnahmen des zweiten Lockdowns, der unter anderem die Schließung aller Kultureinrichtungen vorsieht. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die verschiedenen Kultureinrichtungen und Einzelakteure „gut über diese Krise kommen“. Steinbock fordert Auffangnetze wie sie es für die Wirtschaft gibt. „Hier bemühen wir uns gemeinsam mit dem Dachverband.“