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Bewegungsfreiheit mit Minimalismus

31.10.2020 • 08:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Christoph Ganahl verkauft mit seinem Start-up Minimalschuhe.

Gesundheit und Nachhaltigkeit zu vereinen. Darum ging es Christoph Ganahl, als er sich vor etwa eineinhalb Jahren dazu entschlossen hat, sich selbstständig zu machen. Mittlerweile hat er das Start-up AVO gegründet, sich mit Lieferanten zusammengetan, einen Onlineshop eingerichtet und bereits die ersten Bestellungen abgewickelt. Seinem Ursprungsgedanken ist er dabei immer treu geblieben.

Füße werden nicht eingeengt

Der 33-Jährige verkauft mit seinem Unternehmen Minimalschuhe. Diese bestehen aus einer Sohle sowie mehreren Riemen, die dafür sorgen, dass der Schuh auch fest am Fuß sitzt. Auf diese Weise bieten die Sandalen einerseits Schutz vor dem Untergrund und engen andererseits den Fuß nicht ein, wie das herkömmliche Schuhe oftmals tun. Für den Träger ergibt sich dadurch ein Gefühl, als würde er barfuß laufen, erläutert es der Start-up-Gründer. Auf diese Weise könne der Fuß seine natürliche Arbeit verrichten und sich zu einem starken und gesunden Fuß entwickeln. Diesen Effekt hat Ganahl am eigenen Körper gespürt, was schließlich auch der Grund war, sich selbstständig zu machen.

Der Start-up-Gründer ist überzeugt vom Konzept der Minimalschuhe. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Start-up-Gründer ist überzeugt vom Konzept der Minimalschuhe. Hartinger

„Ich habe früher im Sporthandel gearbeitet und musste viel stehen. Dadurch hatte ich sehr oft Rückenschmerzen“, erinnert sich der 33-Jährige. Er suchte nach einer Lösung und stieß dabei auf das Konzept der Minimalschuhe. Schon nach kurzer Zeit stellte sich tatsächlich Besserung im Hinblick auf die Rückenprobleme ein. Das ist für Ganahl der gesundheitliche Aspekt an seinen Schuhen. Zugleich war es ihm jedoch auch wichtig, dass diese nachhaltig gefertigt werden. „Diese beiden Dinge waren nur schwer zu vereinen. Es gibt Produkte, die die Gesundheit fördern. Und es gibt solche, die nachhaltig hergestellt werden, aber selten passt beides“, bringt es der Jungunternehmer auf den Punkt. Also musste er selbst tätig werden.

Ressourcenschonend

Er bildete sich zu dem Thema weiter, informierte sich darüber, worauf es bei der Produktion von Minimalschuhen ankommt. Dabei musste er auch feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, Schuhe nachhaltig herzustellen.  Die Sandalen sind zwar per se durch einen eher überschaubaren Materialbedarf ressourcenschonend. Allerdings müssen die einzelnen Teile auch gefertigt und zusammengesetzt werden. Diesbezüglich war Ganahl auch mit Lieferanten in Italien oder Portugal in Kontakt.

Heu dient als Verpackungsmaterial für den Versand. <span class="copyright">Hartinger</span>
Heu dient als Verpackungsmaterial für den Versand. Hartinger

Die Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Einschränkungen wurden dabei jedoch zur Herausforderung. Dem Start-up-Gründer wurde bewusst, welche Vorteile es bringt, auf möglichst lokale Partner zu setzen. So kommt es, dass ein Großteil der Wertschöpfung nun in der Region bleibt. In einem Lustenauer Unternehmen werden die Sohlen zugeschnitten. Eine Dornbirner Schneiderin näht die Riemen und ein Altacher Unternehmen produziert die Hakenschnallen aus Metall.

Auch in den Einzelhandel

Im Onlineshop (https://www.avo-schuhe.com), der seit knapp zwei Monaten zugänglich ist, werden derzeit drei verschiedene Modelle angeboten. Durch die Pandemie hat sich der Launch zum Bedauern des 33-Jährigen leider verschoben. Schließlich haben Sandalen im Spätherbst und Winter nicht unbedingt Saison. So mancher Interessent hat aber schon kundgetan, dass er sich im Frühjahr dann seine Minimalschuhe sichern möchte. Ganahl arbeitet schon an zwei neuen Modellen, die dann ebenfalls erhältlich sein sollen.

Gespräche mit Einzelhändlern

Vorerst bietet er seine Sandalen nur im Onlineshop an. Doch das soll sich bald ändern. Der Jungunternehmer ist bereits in Gesprächen, um seine Minimalschuhe auch im Einzelhandel anzubieten. Denn in seiner bisherigen Tätigkeit hat sich gezeigt, dass für manche Kunden Beratung bezüglich der Funktionsweise und Handhabung der Schuhe wichtig ist.

Postgarage

Die Dornbirner Postgarage wurde vor beinahe einem Jahr – im Oktober 2019 – eröffnet. Ziel war es, eine Anlaufstelle und eine Homebase für Vorarlberger Start-ups zu schaffen. So ist in den Räumlichkeiten beispielsweise auch die Initiative „Startupland“ beheimatet, die bereits 2018 ins Leben gerufen worden ist, um die Szene zu fördern.

Um aufstrebende Jungunternehmer zu unterstützen, werden auch Tickets für die Postgarage vergeben. Für diese können sich Interessierte mit ihrer Idee zu einem Start-up bewerben. Eine Jury entscheidet dann darüber, wer ein Ticket erhält. Drei derartige Runden hat es bereits gegeben. Auch Christoph Ganahl (siehe rechts) war einer der erfolgreichen Teilnehmer. Die Ticketinhaber können zwölf Monate lang die Räumlichkeiten in der Postgarage kostenlos nutzen, um ihre Idee Schritt für Schritt in die Tat umzusetzen. Es gibt einen Co-Working-Bereich, Besprechungsräume, eine Küche sowie die entsprechende Büroinfrastruktur. Daneben werden zudem Informationen geboten, etwa in Gruppenworkshops, oder auch individuelle Beratungen. Vor allem aber haben die Jungunternehmer die Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen.

■ Weitere Infos unter: https://startupland.at/postgarage/

Den Schritt in die Selbstständigkeit bereut Ganahl nicht. Schließlich hatte er auf diese Weise die Möglichkeit wertvolle und neue Erfahrungen zu sammeln. Geholfen hat ihm bei der Gründung seines Start-ups, dass er sich vor einem Jahr mit Erfolg um eines der ersten Tickets für die Postgarage in Dornbirn beworben hat. So kann er nicht nur die dortige Infrastruktur nutzen, sondern profitiert auch von den Beratungsmöglichkeiten. Ein besonders wichtiger Aspekt ist auch der Austausch mit den anderen Start-up-Gründern in der Postgarage. „Man hat die Möglichkeit, sich ein Netzwerk aufzubauen, und man motiviert sich gegenseitig. Auf diese Weise sind auch schon neue Freundschaften entstanden.“

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