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“Nicht nur Virenempfänger”

05.11.2020 • 18:23 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Musiker und künstlerische Leiter der Feldkircher Musikreihe Pforte, Klaus Christa.     <span class="copyright">Pforte</span>
Der Musiker und künstlerische Leiter der Feldkircher Musikreihe Pforte, Klaus Christa. Pforte

Pforte-Leiter präsentiert Programm und übt Kritik.

Eigentlich hätten an diesem Wochenende in Feldkirch und Hittisau wieder Konzerte der Musikreihe Pforte stattfinden sollen. Eigentlich – aber sie fielen wie so vieles dem neuerlichen Lockdown zum Opfer. Der Musiker und künstlerische Leiter der Reihe, Klaus Christa, hat stattdessen gestern das nächstjährige Programm präsentiert, das sich dem Motto von Ferrucio Busoni (1866– 1924) verschrieben hat: „Musik ist tönende Luft. Fast die Natur selbst. Frei.“

Zudem lud er die Musiker und Musikerinnen der jetzt abgesagten Konzerte ein, die im Programm vorgesehenen Werke von Maria Bach (1896–1978) und Vilma von Webenau (1875–1953) im Pförtnerhaus in Feldkirch in Bild und Ton zu dokumentieren. Sie sind nun in der Form von digitalen „Pforte Hausbesuchen“ ab heute Abend nach 20 Uhr, „der Beginnzeit der Ausgangsperre“, zu sehen – auf der Webseite (www.pforte.at), Instagram und Facebook.

„Look up im Lockdown“

„Menschen sind nicht nur Virenempfänger, sie sind vor allem seelische Wesen, und das wird viel zu wenig gesehen. Wir vermissen den ganzheitlichen Blick auf den Menschen im öffentlichen Diskurs“, kritisiert Christa. Als Kulturveranstalter sei es ihm ein Bedürfnis, auch auf den zweiten Lockdown mit hoffnungsvollem Blick auf die Lage zu antworten. Mit dem Motto der „Hausbesuche“, das „Look up im Lockdown“ heißt, wolle man allabendlich ein Lächeln, eine warmherzige Empfindung, eine kleine Hoffnung in die Häuser zaubern, so Christa.

Die Musikreihe ist mittlerweile im 22. Jahr ihres Bestehens. Sie kann nach wie vor steigende Abonnement- und Besucherzahlen aufweisen, informierte Christa. Im Durchschnitt würden die Konzertprogramme von rund 500 Besucherinnen und Besuchern gehört.

Ab April 2021 soll im Rahmen der Reihe wieder musiziert werden. <span class="copyright">Pforte</span>
Ab April 2021 soll im Rahmen der Reihe wieder musiziert werden. Pforte

Der nächstjährige Auftakt erfolgt indes im April. Der Solo-Klarinettist der Wiener Philharmoniker Matthias Schorn trifft auf das Epos:Quartett, das „Hausquartett“ der Pforte. Fortgesetzt wird auch die Zusammenarbeit des Pforte-Kammerorchester Plus mit dem Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bay­erischen Rundfunks, Thomas Reif. So werden sich im Oktober 2021 wieder Musiker und Musikerinnen aus Vorarlberg, Süd­amerika und Südafrika mit Reif als Konzertmeister zum Musizieren ohne Dirigenten treffen.

Ein Schwerpunkt der Reihe ist das Engagement für Komponis­tinnen. Für 2021 wurden diesbezüglich Kompositionsaufträge an die österreichischen Jazz-Pianistinnen Viola Hammer und Verena Zeiner vergeben. Außerdem wird die Frontfrau von Alma, Julia Lacherstorfer, eine Komposition für das Streichquintett der Pforte schreiben.

„Die Frage dieser Nacht lautet: Gibt es ein Leben jenseits der sozialen Medien und des Internets?“

Kaus Christa über einen nächstjährigen Konzertabend

Für das stattgefundene Konzert Anfang September mussten corona-bedingt drei von fünf Musikerinnen und Musikern ersetzt werden. Für die Veranstalter war es ein großer Aufwand, aber es habe sich gelohnt, so Christa. Zwischen den Musizierenden habe es „sofort gefunkt“. Mittlerweile ist daraus das Farrenc-Ensemble entstanden. Dieses wird Ende November nächsten Jahres „Die lange Nacht der Freiheit“ mit dem Konzerttheater „Control-Alt-Delete“ eröffnen. „Die Frage dieser Nacht lautet: Gibt es ein Leben jenseits der sozialen Medien und des Internets?“, erläuterte der künstlerische Leiter.

Auch ein neues Format hat Christa gestern präsentiert: „Pforte für alle“. Dabei kann sich jeder und jede, der oder die aktiv musizieren möchte, zu einem Workshop anmelden. In diesem stehe das freudvolle Musizieren im Vordergrund. Der Stand des Könnens der Teilnehmenden spiele dabei keine Rolle, erklärte Christa. Workshopleiter sind Evelyn Fink-Mennel, David Helbock, Martin Lindenthal und Elias Menzi.

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