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Gänsebraten trotz Corona im Trend

06.11.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auf dem Hof der Familie Bechter in Hittisau tummeln sich sonst bis zu 600 Gänse. <span class="copyright">Hartinger</span>
Auf dem Hof der Familie Bechter in Hittisau tummeln sich sonst bis zu 600 Gänse. Hartinger

Schließung der Gastronomie als Herausforderung für Mastbetriebe.

Gänse erfreuen sich besonders rundum den Martinitag am 11. November großer Beliebtheit auf dem Speiseplan. So wird etwa in so manchem Privathaushalt ein Gänsebraten aufgetischt. Genauso laden zahlreiche Gastronomiebetriebe zum traditionellen Martinigans-Essen. Aufgrund der Corona-Pandemie gestaltet sich die Lage heuer jedoch anders als in früheren Jahren. Die Gastronomiebetriebe im Land haben seit Anfang dieser Woche wieder geschlossen. Und größere (Familien-)Feiern mit Angehörigen außerhalb des eigenen Haushaltes sind derzeit auch nicht gefragt.

Artgerechte Geflügelmast

Es ist daher auch keine einfache Zeit für Gänsehalter wie etwa die Familie Bechter in Hittisau. Irmi und Peter Bechter betreiben auf ihrem Hof im Bregenzerwald seit fast 13 Jahren eine artgerechte und nachhaltige Geflügelmast. Gänse gehören zu ihrem Spezialgebiet. Bis zu 600 Tiere tummeln sich normalerweise auf den Wiesen rundum den Hof. Heuer waren es aufgrund der Unsicherheit durch die Corona-Pandemie lediglich 250. Schon der Lockdown im benachbarten Deutschland habe sich negativ auf die Nachfrage ausgewirkt. Die bald darauf folgende Schließung der Gastronomie in Vorarlberg samt Ausgangsbeschränkungen habe die Situation noch verschärft.

Information

Bechters Gänsehof

Adresse:

Irmi und Peter Bechter

Hangernfluh 109

6952 Hittisau

Telefon: 0664/30 25 904

Öffnungszeiten Hofladen:

Mo. bis So., jeweils von 8 bis 21 Uhr

Website: www.bechter-gans.at

„Wir haben in letzter Zeit viel telefoniert. Zum Glück haben wir aber sehr flexible und auch kreative Kunden“, berichtet Irmi Bechter. So würden etwa Gastronomen die Martinigans als Take-away-Gericht oder zur Lieferung anbieten. Und auch viele Privatpersonen hätten ihre Bestellung nicht storniert. Der Gänsebraten wird im eigenen Haushalt genossen. Oder die Gans wird eingefroren, um diese den Gästen nach Ende der Ausgangsbeschränkungen auftischen zu können. Mittlerweile sind die Gänse bei den Bechters annähernd ausverkauft. „Der heilige Martin, unser Hauspa­tron, hat uns in dieser schwierigen Situation geholfen“, ist sich die Landwirtin sicher.

Familie Bechter möchte ihren Gänsen ein würdiges Leben bieten. <span class="copyright">Hartinger</span>
Familie Bechter möchte ihren Gänsen ein würdiges Leben bieten. Hartinger

Die Gänsemast ist nach Angaben der Expertin kapitalintensiv. Schließlich frisst jedes Tier über den Sommer rund 40 Kilogramm Futter. Dieses hat bei den Bechters Bioqualität. Die Gänse sind daher auch teurer als etwa Billigprodukte aus Massentierhaltung. Dafür könnten die Kunden auch sicher sein, dass die Tiere nachhaltig gemästet wurden und bis zum Ende ein würdiges Leben geführt haben, betont Irmi Bechter.

Steigendes Bewusstsein

Die Landwirtin glaubt auch, dass die Konsumenten es schätzen, ihre Gänse ab Hof direkt beim Bauern zu kaufen. Auf diese Weise hätten sie die Möglichkeit sicherzugehen, dass die Tiere unter guten Bedingungen gemästet werden. Auch das Bewusstsein dafür, dass Fleisch keine Massen- und Billigware sein sollte, steige stetig an.

Sunnahof mit Aufruf auf Facebook

Doch nicht nur im Bregenzerwald werden Gänse gemästet. Auch am Sunnahof in Göfis werden die Tiere gehalten und in der Martini-Zeit verkauft. Die Corona-Pandemie hat die dortigen Verantwortlichen vor ähnliche Herausforderungen gestellt wie die Bechters. Auf ­Facebook wurde daher am vergangenen Sonntag verkündet, dass aufgrund von Stornierungen aus der Gastronomie noch rund 100 Gänse verkauft würden. Interessenten sollten sich melden. Der Aufruf hatte Erfolg. Schließlich wurde bereits am nächsten Tag – ebenfalls auf ­Facebook – bekannt gegeben, dass keine Bestellungen mehr angenommen werden.

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