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Lage in Spitälern spitzt sich weiter zu

10.11.2020 • 18:58 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Vorarlbergs Spitälern steigt die Anzahl der Intensivpatienten mit einer Covid-19-Erkrankung.<br><span class="copyright">Stiplovsek</span>
In Vorarlbergs Spitälern steigt die Anzahl der Intensivpatienten mit einer Covid-19-Erkrankung.
Stiplovsek

Zahl der Intensivbetten wurde vorerst von 51 auf 63 erhöht.

Als ernst und herausfordernd bezeichnete Gera­ld Fleisch, Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), die derzeitige Situation in den Spitälern. Sorgen bereitet ihm und den Verantwortlichen des Landes vor allem die Auslastung der Intensivbetten in den heimischen Krankenhäusern. Am Dienstag wurden insgesamt 30 Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen der Landeskrankenhäuser sowie des Stadtspitals Dornbirn versorgt, berichtete Fleisch im Pressefoyer nach der Sitzung der Landesregierung. 17 der Betroffenen mussten auch beatmet werden, was nach Angaben des KHBG-Direktors eine „sehr hohe Zahl“ ist.

Kapazität erhöht

Daher habe man sich entschieden, in einem ersten Schritt die Zahl der verfügbaren Intensivbetten von 51 auf nunmehr 63 zu erhöhen. Dienstagmittag lag die Zahl der freien Intensivbetten im Land bei 18. Zur Versorgung der Patienten werden nunmehr auch Aufwachräume genutzt. Sollte es notwendig sein, könne in einem zweiten Schritt die Kapazität noch einmal auf 75 Betten erhöht werden, erklärte der KHBG-Direktor. Insgesamt könne man in Vorarlberg 104 Plätze mit Beatmungsgeräten ausrüsten.

Der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft Gerald Fleisch. <span class="copyright">Hartinger</span>
Der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft Gerald Fleisch. Hartinger

Normalerweise liege die Auslastung auf den Intensivstationen der Spitäler zwischen 50 und 70 Prozent, wobei es je nach Jahreszeit Schwankungen gebe und ein gewisser Puffer eingeplant sei. Aber Ende Oktober habe man beispielsweise im LKH Feldkirch eine Intensiv-Auslastung von über 90 Prozent gehabt. „Wir sind an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Im Moment geht es gerade noch“, sagte Fleisch. Auch Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrätin Martina Rüscher (beide ÖVP) warnten vor einer Überlastung in den Spitälern. Es dürfe nicht dazu kommen, dass darüber entschieden werden müsse, wer noch ein Intensivbett erhält und wer nicht.

Weniger Operationen wegen Corona

Für die Erhöhung der Kapazitäten im Intensivbereich werden nun die normalen OP-Tätigkeiten in den Spitälern auf die Hälfte zurückgefahren, berichtete Fleisch. Dies sei notwendig, um einerseits die nötige technische Infrastruktur aber auch das Personal zu haben. Notfälle und dringend notwendige Operationen würden jedoch weiterhin durchgeführt, betonte der KHBG-Direktor. Bei den Operationen gebe es zudem keine pauschalen Absagen, sondern jeder Fall werde individuell beurteilt.

Aufbau des Notspitals im Gange

Auf den Normalstationen waren Dienstagmittag 147 Covid-19-Patienten untergebracht. 285 Betten waren für Corona-Patienten noch frei. Auf dem Dornbirner Messegelände wird zudem gerade das Corona-Notspital wieder aufgebaut. Nach Fertigstellung werden dort 200 zusätzliche Betten zur Verfügung stehen.

Mit dem Aufbau des Notspitals auf dem Dornbirner Messegelände wurde bereits begonnen. <span class="copyright">VOL.AT</span>
Mit dem Aufbau des Notspitals auf dem Dornbirner Messegelände wurde bereits begonnen. VOL.AT

Doch nicht nur in Sachen Infrastruktur stehen die Krankenhaus-Verantwortlichen vor einer herausfordernden Situation. Auch beim Personal könnten Engpässe drohen. So sind derzeit in allen Spitälern insgesamt 90 Mitarbeiter Covid-positiv. Weitere 98 sind nach Angaben von Fleisch in Absonderung. Man müsse die Situation genau im Auge behalten. Zu diesem Zweck trifft sich täglich eine Taskforce aller Beteiligten aus dem Spitalswesen. Ab heute soll es auch jeden Tag eine Information für die Öffentlichkeit zur aktuellen Lage in den Spitälern geben. Die Entwicklung werde damit einerseits transparent dargestellt, andererseits könnten sich die zuständigen medizinisch Verantwortlichen dadurch auf die Behandlung der Patienten konzentrieren, meinte Fleisch.

Rasch nachverfolgen

Wallner und Rüscher erinnerten noch einmal daran, dass die derzeitige Steigerungsrate bei den Neuinfektionen dazu führen werde, dass man bis Mitte beziehungsweise Ende November an die Kapazitätsgrenzen stoße. Umso wichtiger sei es, Corona-Infektionen rasch nachzuverfolgen. Zu diesem Zweck werden etwa die Kapazitäten zur Auswertung von Proben in der Feldkircher Pathologie weiter aufgestockt. Bewährt hätten sich die Antigen-Tests, die Patienten mit Symptomen in 130 Hausarztpraxen durchführen lassen können. Verbesserungen erhofft sich Rüscher auch von der Umstellung auf die digitale Übermittlung von positiven Corona-Testergebnissen.

“Drive in”-Tests ab Sonntag in Dornbirn

Um die Abläufe bei den Drive-in-Tests und die Bedingungen für die dortigen Mitarbeiter zu verbessern, wird das Testzentrum am Sonntag von Röthis nach Dornbirn auf das Messegelände verlegt. Zudem wird das Team von derzeit 35 auf 70 Personen aufgestockt.

Statt in Röthis werden die "Drive in"-Tests bald in Dornbirn durchgeführt. <span class="copyright">Stiplovsek</span>
Statt in Röthis werden die "Drive in"-Tests bald in Dornbirn durchgeführt. Stiplovsek

Zur Reduktion der Neuinfektionen sei es aber auch nötig, dass die Bevölkerung die Schutzmaßnahmen weiter einhalte und die sozialen Kontakte reduziere.

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