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Pflegepersonal arbeitet am Limit

12.11.2020 • 17:17 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Archivbild / Klaus Hartinger</span>
Archivbild / Klaus Hartinger

“Von hundert Positivten landen zehn im Spital und davon einer auf intesiv”

Unter den Pflegemitarbeitern in Vorarlbergs Spitälern ist die Sorge vor einem weiteren Anstieg der Corona-Infektionszahlen groß. Noch sei die Stimmung unter den Mitarbeitern relativ gut, das werde bei längerem Anhalten dieser Arbeitsbelastung und weiter steigenden Fallzahlen aber wohl nicht so bleiben, so Thomas Steurer, Vorsitzender des Zentralbetriebsrats der Vorarlberger Spitäler. Zudem müsse man derzeit 200 Ausfälle kompensieren.

Die Belegung der Intensivstationen nehme täglich zu, auch die normalen Covid-Stationen der Krankenhäuser haben Zulauf. “Das bedeutet für die Mitarbeiter: voll vermummtes Arbeiten in Schutzausrüstung, also Schürze, Mantel, Handschuhe, Haube, Schutzbrille. Und die Masken sind so dicht, dass nach 75 Minuten eine Maskenpause empfohlen wird, damit man mal durchatmen kann”, zählte Steurer auf. Auf den Intensivstationen müssten Patienten zur Beatmung in Bauchlage gedreht werden, samt der medizinischen Ausrüstung, “das ist sehr anstrengend”. Pflegende und Ärzte im Intensivbereich seien Spezialisten. “Das Personal ist der Flaschenhals – nicht die Technik, nicht die Betten, nicht die Ausrüstung”, betonte Steurer.

Pflegeintensiv

Covid-19-Patienten seien recht pflegeintensiv, nicht nur jene auf den Intensivstationen. Derzeit seien zudem 200 Pflegemitarbeiter der Spitäler abgesondert. Vorstellbar wäre für Steurer, dass jene mit negativem Test dennoch eingesetzt werden könnten, sollte sich die Lage verschlechtern. Man behelfe sich derzeit damit, geplante Operationen zu verschieben, um Kapazitäten zu schaffen. Ärzte aus den operierenden Fächern und OP-Fachkräfte unterstützten auf anderen Abteilungen. Im Notspital im Messezentrum, das derzeit aufgebaut wird, könnten auch Krankenpflegeschüler zum Einsatz kommen. Zudem bereite man vor, ehemalige Kräfte, etwa Pensionisten, in den Einsatz zurückzuholen. “Einige melden sich da bereits von sich aus”, sagte Steurer.

Bergamo schon wieder vergessen

“Es geht jetzt noch, aber wir wissen nicht, wie lange”, beschrieb er die Gemütslage. Die Mitarbeiter seien motiviert und noch in positiver Grundstimmung. Mit Anhalten des Zustroms an Patienten, der Dauer der zweiten Welle und dem Wissen, dass wohl noch mehr Patienten spitalpflichtig werden, werde das aber nicht so bleiben. “Als Faustregel gilt: Von hundert Positiven landen zehn im Spital und davon einer auf intensiv”, zeigte sich der Betriebsrat besorgt. In zwei, drei Wochen könnte sich die Situation also weiter verschärfen. Überrascht zeigte sich Steurer von der Bevölkerung: “Ich habe den Eindruck, man nimmt das alles recht locker. Man scheint die Bilder vom Frühling aus Bergamo schon wieder vergessen zu haben“.

APA

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