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S 18: Fischer gibt sich kämpferisch

12.11.2020 • 19:22 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Philipp Steurer</span>
Philipp Steurer

Bürgermeister warnt davor, nicht über Gemeinde “drüberzufahren”.

Auch am Tag nach der Ankündigung der Asfinag, dass bei der Bodensee-Schnellstraße S 18 auf die Variante CP statt auf Variante Z gesetzt wird, ist beim Bürgermeister der Marktgemeinde Lustenau, Kurt Fischer, der Ärger noch spürbar. Bereits am Mittwoch hatte er auf Facebook seinem Unmut freien Lauf gelassen. Seitens der Asfinag habe es vor der Entscheidung keine Vorwarnung gegeben, dass es auf die in Vorarlberg wenig geliebte Variante CP hinauslaufen könnte. Von der schlussendlich getroffenen Wahl habe er lediglich von einem Journalisten erfahren. Zudem gebe es keine Informationen, warum die Entscheidung in diesem Sinne gefällt worden sei.

Hohe Verunsicherung

Auch am gestrigen Donnerstag war Fischer bei der Frage nach den Gründen für die Wahl der Trasse noch nicht weiter. Er habe lediglich gehört, dass die Verantwortlichen der Asfinag wohl in der kommenden Wochen Kontakt aufnehmen wollen. Diesbezüglich herrsche auch eine hohe Verunsicherung in der Bevölkerung. Schließlich sehe die Variante CP gemäß der bisher bekannten Planungen vor, dass es im Prinzip eine oberirdisch geführte Autobahn nahe des Siedlungsrandes geben solle. Ebenso werde die Gemeinde so vom Naherholungsraum abgeschnitten. In der Bevölkerung gebe es die Befürchtung, dass man durch die „Verkehrslösung“ eingekesselt werde.

Abstimmung mit Gemeinde

Gegenüber dem ORF Vorarl­berg betonte Alexander Walcher, Geschäftsführer der Asfinag Bau Management GmbH, dass sich niemand in Lustenau vor der S 18 fürchten müsse. Man werde die Schutzbauten gemeinsam mit der Gemeinde entwickeln und absprechen. Ebenso werde es keine vierspurige Trasse am Ortsrand geben.

Für Fischer ist die Einbeziehung der Gemeinde und der Bevölkerung ein wichtiger Punkt. Denn die Bürgerinnen und Bürger würden es sich nicht gefallen lassen, falls „einfach über sie drübergefahren werden soll“. So gut kenne er die Lustenauerinnen und Lustenauer, meinte das Gemeindeoberhaupt. In diesem Falle sei Widerstand gegen das Projekt zu erwarten, wie das auch schon andernorts bei umstrittenen Vorhaben gewesen sei. „Dann könnte es in Lustenau heißen Rheinburg statt Hainburg“, brachte es Fischer auf den Punkt.

Schutz der Anrainer

Ebensowenig werde man akzeptieren, wenn es bei der Entscheidung für die Variante CP nur darum gehe, günstiger davonzukommen. Denn immerhin seien bei der nun ausgeschlossenen Trasse Untertunnelungen zum Schutz der Fauna und Flora geplant gewesen. Eine Umsetzung der Variante CP wäre aus Sicht des Bürgermeisters nur möglich, wenn dabei dem Schutz der Anrainer vor den Auswirkungen des Verkehrs der gleiche Stellenwert eingeräumt werde.

Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer hofft auf Einigkeit in der Gemeindepolitik. <span class="copyright">Archiv/VOL.AT</span>
Der Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer hofft auf Einigkeit in der Gemeindepolitik. Archiv/VOL.AT

Von großer Bedeutung ist für Fischer auch, dass andere Maßnahmen und laufende Planungsprozesse weitergeführt werden. Als Beispiel nannte er etwa die Netzstrategie Diepoldsau oder die Aufwertung des Zollamts in St. Margrethen.

Zum Krisengipfel geladen

Für die kommende Woche hat er Vertreter aller Fraktionen in der Gemeindevertretung zu einem „Krisengipfel“ geladen. Er hofft, dass man sich bei dem Gespräch auf eine gemeinsame Linie für die Kommune einigen kann. Denn es sei wichtig, in dieser Frage geeint aufzutreten.

Grüne und Neos: Gemeinde wird eingekesselt

In ersten Reaktionen hatten sich am Mittwoch auch Grünen-Gemeinderätin Chris­tine Bösch-Vetter und Neos-Gemeindevertreter Mathias Schwabegger wenig begeistert von der Entscheidung gezeigt. Durch die geplante Trassenführung werde Lustenau von Autobahnen eingekesselt, befürchten die Gemeindepolitiker unisono. Ebenso würden die Bürgerinnen und Bürger dadurch nicht vom Verkehr entlastet.

FPÖ-Gemeinderat Martin Fitz kritisiert die Trassenwahl und den Bürgermeister. <span class="copyright">FPÖ</span>
FPÖ-Gemeinderat Martin Fitz kritisiert die Trassenwahl und den Bürgermeister. FPÖ

Keine Freude mit der Trassenwahl hat auch FPÖ-Gemeinderat Martin Fitz. In einer Aussendung am Donnerstag übte er jedoch auch an Bürgermeister Kurt Fischer Kritik und warf ihm „schwere Versäumnisse im Kampf für die Z-Variante“ vor. Fischer habe sich zwar als Verfechter die Trasse bezeichnet, allerdings habe er in den vergangenen Jahren nichts dafür getan, um den Lustenauer Anliegen Gehör zu verschaffen. So sei keine Volksbefragung abgehalten worden, und es habe auch keine Protestaktionen gegeben, um auf die Bedürfnisse der verkehrsgeplagten Bevölkerung aufmerksam zu machen. Die Entscheidung der Asfinag sei Folge des „lethargischen Verhaltens“.

Fitz forderte in diesem Zusammenhang die sofortige Einberufung einer Sondersitzung der Gemeindevertretung.