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Gemüse: Noch alles im grünen Bereich

14.11.2020 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Weissengruber &amp; Partner / Christoph Pallinger / Lisa Mathis</span>
Weissengruber & Partner / Christoph Pallinger / Lisa Mathis

Gemüsebauern haben mit dem Lockdown zu kämpfen.

Das ist einfach ein wirklich verrücktes Jahr. Wir machen 40 Prozent unseres Umsatzes mit der Gastronomie. Das heißt, wir sind davon massiv betroffen“, erzählt der Lustenauer Bio-Landwirt Simon Vetter. „Aber ich muss da gleich nachhaken, dass wir bei beiden Lockdowns bis jetzt gut durchgekommen sind. Weil der Sommer gut war und die Nachfrage in Sachen Ab-Hof-Verkauf sehr groß ist.“
Man kann derzeit „nur auf Sicht fahren“, wie Vetter betont. Niemand weiß, wie der Dezember oder der Jänner werden. Da Vetter seine Produkte zur Gänze selbst vermarktet, hat er mehrere Kanäle, wie er seine Produkte an die Endverbraucher bringt. Und das kommt ihm jetzt zugute. „Aber es ist und bleibt natürlich schwierig. Weil wir eine sehr lange Vorlaufzeit haben. Ich muss mir ein halbes Jahr vorher überlegen, welchen Kürbis ich im Herbst ernten will.“ Das macht die Planung nicht einfach. Vor allem in einem Jahr wie diesem. „Ich habe jetzt Keller und Lager voll. Und ich weiß einfach im Moment nicht, ob Ende Dezember jemand in Lech am Arl­berg Urlaub macht.“ Bei allem, was Vetter produziert, läuft die Zeit mit. Derzeit ist man aber noch im grünen Bereich. „Sollte die Gastronomie vor Weihnachten nicht mehr aufgehen, dann wird es eng.“

Kochen

Was sich seit März abgespielt, hat schon was gemacht mit den Menschen. Das spüre er ganz klar. „Das Thema lokale Lebensmittelversorgung ist in einen anderen Fokus gerückt“, freut sich Vetter. „Es hat noch nie in den letzten zwei Generationen einen Moment gegeben, an dem so viel und bewusst gekocht wurde wie in diesem Jahr.“ Vetter hat 15 Mitarbeiter. Und die sind alle voll im Einsatz. Kurzarbeit ist kein Thema: „So ein landwirtschaftlicher Betrieb ist wie ein schwerfälliger Tanker, den man nicht so schnell umlenken kann. Wir haben da wenig Spielraum und müssen es nehmen, wie es kommt. Alles in allem bleibt es spannend.“

Tourismus

Marcel Strauß, Geschäftsführer der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH, bewertet die Lage differenziert. „Die Situation ist derzeit recht unterschiedlich. Grundsätzlich hat jeder Bauer seine eigenen Abnehmerstrukturen. Es gibt welche, die hauptsächlich an den Handel liefern. Die spüren das gar nicht. Andere sind da mehr betroffen. Aber die können das über den Hofladen oder über private Abnehmerkanäle abfedern.“ Die Konsumenten nehmen dieses Angebot auch noch gut an derzeit. „Zudem wissen sich die Bauern auch selbst zu helfen. Sie haben zum Beispiel eigene Whatsapp-Gruppen, wo sie das gerade aktuelle Gemüse reinschreiben und vermarkten.“

Bei Fleisch oder Milch ist die Sachlage eine andere. Da ist die Situation wesentlich schwieriger: „In Vorarlberg ist der Gemüseanbau im Vergleich zur Milch- und Fleischproduktion relativ klein. Die großen Sennereien haben deutlich zweistellige Umsatzbereiche in der Gastronomie und im Tourismus. Und das ist jetzt faktisch ganz zum Erliegen gekommen“, so Strauß. Das war schon im ers­ten Lockdown im Frühjahr so. Generell spüren es alle landwirtschaftliche Betriebe. Denn Vorarlberg ist und bleibt ein Tourismus-Land: „Wir haben durchschnittlich zehn Millionen Nächtigungen im Jahr. Dieser Kanal fällt derzeit ganz weg. Niemand weiß, wie lange noch.“ Zudem gebe es je nach Produkt einen unterschiedlichen Eigenversorgungsgrad. Und der sei beim Gemüse wesentlich geringer als bei Fleisch und Milch.

Setzlinge

Auch Landwirt Paul Metzler aus Ludesch beklagt Einbußen im Gemüseabsatz. „Gastronomie und Großhandel sind komplett weggefallen. Aber am Hofladen ist dafür mehr los.“ Zudem gibt es die Initiative „guats vo do“. Diese liefert Lebensmitteln der Bauern aus. Und das kommt Metzler zugute. „Das kompensiert einiges. Da ist die Nachfrage nach wie vor vorhanden“, so Metzler. Den Einzelhandel beliefert Metzler nicht. In Sachen Planung hat sich nicht viel verändert. Aber im Frühjahr lief der Setzlingsverkauf sehr gut. Die Menschen haben nicht nur viel gekocht, sondern auch mehr im Garten gearbeitet und gepflanzt. Auch das war eine Folge des Lockdowns. Das Gemüse, das Metzler jetzt erntet, wird hauptsächlich eingelagert. „Somit komme ich derzeit relativ glimpflich davon.“ Im Frühjahr war der Trend zu regionalen Produkten massiv zu spüren. Das ist nach Einschätzung Metzlers derzeit wieder rückläufig. Auch andere Bauern bestätigen das. Da die Menschen zunehmend verunsichert sind und sparen müssen. „Da greift man dann gerne zu Billigprodukten aus dem Supermarkt.“