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Harter Lockdown – Für alle alternativlos

14.11.2020 • 21:29 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Regierung verkündet das zweite Mal in diesem Jahr ein komplettes Herunterfahren des Landes. <span class="copyright">APA/HERBERT NEUBAUER</span>
Die Regierung verkündet das zweite Mal in diesem Jahr ein komplettes Herunterfahren des Landes. APA/HERBERT NEUBAUER

Die NEUE am Sonntag holt Stimmen zum Lockdown ein.

Bildungsgewerkschaft: Lehrplan reduzieren

Aufgrund der Zahlen war es absehbar“, so Gerhard Rüdisser von der unabhängigen Bildungsgewerkschaft. „Wichtig ist, dass die Kinder nicht überfordert werden und niemand zurückbleibt.“ Die Schule müsse die Lehrpläne reduzieren. Man könne nicht so tun, als ob alle beim Dinstance Learning gleich gut mitkommen. „Wichtig ist natürlich auch, dass die Schulen als Betreuungseinrichtungen offenbleiben.“ Generell müsse man abwarten, wie lange sich diese schwierige Situation noch hinzieht.

ÖVP: Alternativlos

Der harte Lockdown ist unausweichlich und alternativlos. Wenn man jetzt nicht deutlich reagiert und ganz diszipliniert agiert, dann haben wir in zwei, drei Wochen keine medizinischen Kapazitäten mehr“, so Roland Frühstück. Es schmerze natürlich, dass nun auch Kindergärten und Volksschulen wieder zugehen. „Ich will im Moment gar nicht an Weihnachten denken. Denn das ist alles zweitrangig. Jetzt geht es darum, dass die Menschen gesund bleiben. Und die Zahlen langsamer steigen“, sagte Frühstück. Er verstehe nicht, warum die Opposition derzeit so angriffig sei. Denn die Lage sei ernst, und man muss zusammenrücken. Die Menschen seien einfach zu nachlässig gewesen.

SPÖ: Land hätte früher reagieren müssen

Wenn man früher reagiert hätte, dann wären die harten Maßnahmen nicht nötig gewesen“, meint Martin Staudinger. Es habe sich ja schon im Oktober abgezeichnet, dass die Zahlen nach oben gehen. „Das Land hat sich nicht getraut, Maßnahmen gegen den Bund zu beschließen. Und das, obwohl die Zahlen bei uns besorgniserregend waren. Und die Sperrstundenregelung hat nichts gebracht.“ Er habe aber damit gerechnet, dass die ersten Maßnahmen ausreichend seien.

NEOS: Schulen sollten offen bleiben

Aus meiner Sicht ist dieser zweite Lockdown unausweichlich, aber vor allem durch das Versagen der Bundesregierung entstanden“, so Sabine Scheffknecht in einer ersten Stellungnahme. Es müsse das oberste Ziel sein, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird. Dementsprechend trage man die neuen Maßnahmen auch mit. Mit einer Einschränkung: „Die Kindergärten und Schulen sollten offen bleiben. Das wäre auch durchaus möglich gewesen, wenn man früher und besser reagiert hätte.“ Und dass die Kinder, wenn es gar nicht anders geht, nur betreut werden, sei einfach zu wenig.

FPÖ: Hilfe und Unterstützung sichern

Nach den am Samstag präsentierten Lockdown-Maßnahmen der schwarz-grünen Bundesregierung fordert Landesobmann Christof Bitschi sowohl von der Bundes- als auch von der Landesregierung die Sicherstellung notwendiger Hilfs- und Unterstützungspakete für die Betroffenen. Es müsse jetzt alles unternommen werden, um die betroffenen Betriebe zu retten und Arbeitsplätze zu schützen.
„Die Betroffenen des Lockdowns dürfen nicht ein weiteres Mal im Regen stehen gelassen werden und mit völlig unzureichenden Almosen abgespeist werden, sondern dieses Mal muss die notwendige Hilfe und Unterstützung rasch und in ausreichendem Ausmaß ankommen. Ansonsten werden viele Betriebe die nächs­ten Wochen nicht überleben, viele Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren und weitere Existenzen vernichtet“, warnt Bitschi.
Zudem müsse, meint Bitschi, jetzt endlich eine klare Corona-Gegenstrategie entwickelt werden: „Klar muss sein: Es kann nicht alle paar Monate das gesamte Land zugesperrt und so langfristig an die Wand gefahren werden, sondern es muss eine vernünftige Corona-Gegenstrategie entwickelt werden.“

WKV: Liquidität und Solidarität

Das Unvermeidbare ist leider Realität geworden“, bedauert Hans-Peter Metzler die verschärften Maßnahmen der Bundesregierung. „Umso wichtiger ist jetzt, dass in einem nationalen Schulterschluss alles unternommen wird, einerseits die Infektionszahlen in den Griff zu bekommen, andererseits den betroffenen Unternehmen größtmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Was wir jetzt fordern, ist maximale Treffsicherheit der Unterstützungsmaßnahmen. Unsere Unternehmen brauchen Liquidität. Mindestens so wichtig ist jetzt auch Solidarität: regional einkaufen, beim Händler nebenan oder beim Take-away-Service der heimischen Gastronomie.“ Das sind laut Metzler einfache Möglichkeiten, die große Wirkung erzeugen, Unternehmen helfen und vor allem Arbeitsplätze in der Region sichern.
Zudem dürfe man die EPU nicht vergessen. Denn für die seien die Zeiten besonders schwer. Derzeit erhalten Angestellte in der Sonderbetreuungszeit für die Kinderbetreuung das volle Gehalt, EPU gehen leer aus. Das trifft besonders Unternehmerinnen, die aufgrund der Kinderbetreuung nicht ihrer Arbeit nachgehen können. Für diesen Umsatzverlust brauche es dringend Unterstützung, da ansonsten viele EPU an den Rand der Existenz gedrängt würden.

Grüne: Eine Zumutung

Schulen und Kindergärten bleiben ja für alle offen, die es brauchen oder wollen. Das ist sehr wichtig“, so Daniel Zadra. Generell sei dieser zweite Lockdown für alle eine Zumutung. Da gebe es nichts schönzureden. „Das ist eine Notbremse, die jetzt gezogen werden muss. Ein Blick auf die Zahlen und die Spitäler genügt, um zu wissen, dass das unausweichlich ist.“ Natürlich hätte man die eine oder andere Maßnahme früher machen können, sagt Zadra. „Wir haben geglaubt, dass der Softlockdown ausreicht. Dem war nicht so.“

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