Allgemein

„Ich hätte es mir anders gewünscht“

14.11.2020 • 21:02 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink sieht die Schulen in Bezug auf das Distance Learning gut vorbereitet.<span class="copyright"> Oliver Lerch</span>
Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink sieht die Schulen in Bezug auf das Distance Learning gut vorbereitet. Oliver Lerch

Schöbi-Fink sprach sich gegen Schulschließungen aus, trägt Entscheidung mit.

Lange Zeit hieß es, Kinder seien bei Weitem nicht so infektiös wie Erwachsene. Dennoch werden die Schulen geschlossen. Was ist denn die aktuelle Erkenntnis?
Barbara Schöbi-Fink:
Wir hätten uns das, auf Basis der Zahlen, die uns aus den Schulen gemeldet wurden, anders gewünscht. Es geht aber insgesamt um die Kontaktreduzierung und die statistische Reduzierung der Kontakte. Es macht etwas aus, ob Kinder jeden Morgen mit ihren Eltern in die Schule kommen. Allein der Weg bedeutet Kontakte, weshalb ich verstehen kann, dass diese Maßnahme die Kontaktzahl reduziert.

Sprich, auf Basis der Zahlen aus den Bildungseinrichtungen wäre eine Schulschließung nicht notwendig gewesen?
Schöbi-Fink:
Allein aufgrund der Zahlen aus den Schulen wäre das nicht zwingend notwendig gewesen. Der Anstieg der Zahlen in Schulen war moderat und unterdurchschnittlich. Ich muss es aber zur Kenntnis nehmen, da es, wie erwähnt, vor allem um die Kontaktreduzierung vor und nach dem Unterricht geht. Weil es bisher nicht gelungen ist, müssen wir den harten Weg gehen.

Haben Sie sich im Bundesministerium für das Offenhalten der Schulen ausgesprochen?
Schöbi-Fink:
Ja, das hätte ich mir gewünscht.

Wurden Sie als Vorarlbergerin nicht gehört, oder wie muss man sich diese Entscheidungsfindung in Wien vorstellen?
Schöbi-Fink:
Natürlich hat Minister Faßmann die Stimmen aus den Bundesländern eingeholt, und wir standen täglich mehrfach in Kontakt. Die Haltung der Bildungslandesräte war einhellig, und zwar, dass die Schulen offen bleiben sollen. Auch der Bildungsminister wollte die Schulen so lange wie möglich im regulären Betrieb belassen. Die jetzige Phase ist entscheidend, und es heißt jetzt alles oder nichts. Da hat sich auch der Bildungsminister der Maßnahme zu beugen und diese zu akzeptieren. In der Hoffnung, dass die Schulen die ersten Einrichtungen sind, die wieder aufgehen, und dass alle erdenklichen Unterstützungsmaßnahmen gesetzt werden für jene Kinder, die Bildung verlieren.

Die Kinder werden nun wieder zu Hause bleiben.<span class="copyright"> Symbolbild/Shutterstock</span>
Die Kinder werden nun wieder zu Hause bleiben. Symbolbild/Shutterstock

Zusammenfassend bedeutet das, das Bildungsministerium wurde überstimmt?
Schöbi-Fink:
Das letzte Wort hat natürlich das Gesundheitsministerium in Absprache mit dem Bundeskanzleramt. Ich kenne kein einziges Ministerium, das sich über die Maßnahmen freut. Weder die Wirtschaft noch Gastronomie oder Tourismus freuen sich darüber. Aber es geht um die Gesundheit, und wir müssen das mittragen.

Es geht nun in den Lockdown, und die Schulen sind zu …
Schöbi-Fink:
Da muss ich unterbrechen: Die Schulen sind nicht zu, sondern der Unterricht wird auf Distance Learning umgestellt. Das ist eine wichtige Unterscheidung.

Es geht in den Lockdown, und der Unterricht wird auf Distance Learning umgestellt. Doch was ist das Konzept für die Zeit danach, um einen weiteren Lockdown zu verhindern?
Schöbi-Fink:
Ich bin weder Virologin noch die Gesundheitsbehörde, weswegen ich diese Frage so nicht beantworten kann. Aber in Bezug auf die Schulen, gibt es seit August ein Konzept. Die Schulen haben sich genau auf diese Situation vorbereitet, um sie jetzt zu bewältigen.

Die Schulen sind nicht zu, es wird auf Distance Learning umgestellt. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Die Schulen sind nicht zu, es wird auf Distance Learning umgestellt. Symbolbild/Shutterstock

Vonseiten der Lehrer kam schon im Oktober das Statement, dass es in diesem Jahr keinen geregelten Schulbetrieb geben werde. Wie gedenkt die Politik mit diesem verlorenen Jahr für die Schüler umzugehen?
Schöbi-Fink:
Das Bildungsministerium und die Landesregierung haben im Frühjahr Überlegungen angestellt, wie die Kinder und Jugendlichen im Sommer unterstützt werden, wenn sie Defizite aufholen wollen oder müssen. Zum Beispiel war bei der Sommerschule immer klar, dass es im Erfolgsfall kein einjähriges Projekt bleiben, sondern weiterentwickelt und ausgebaut wird. Solche Projekte und Instrumente, die wir im Frühjahr entwickelt haben, werden wir weiterverfolgen.

Die Zeit bis Weihnachten ist in den Bildungseinrichtungen eine sehr intensive Zeit.
Schöbi-Fink:
Das ist richtig, besonders im November wird sehr intensiv gearbeitet, Prüfungen wer­den gemacht und Schularbeiten geschrieben. Wir werden es uns bis Ende des Jahres anschauen, was in dieser Zeit genau möglich war und wo die Defizite sind. Ich bin mir ganz sicher, dass sich das Bildungsministerium nicht nur ideell, sondern auch finanziell etwas überlegen wird.

Was bedeutet das für berufstätige Eltern, die Betreuungsbedarf haben. Werden Schulen zusammengelegt?
Schöbi-Fink:
In dieser Frage muss ich bitten, etwas Geduld zu haben. Es ist noch nicht klar, wieviele Kinder tatsächlich kommen werden. Es sind die Eltern, die den Bedarf definieren und sonst niemand. Wenn die Eltern sagen, sie haben Bedarf, dann wird das nicht mehr hinterfragt. Das gilt auch für Kindergärten und Kinderbetreuungseinrichtungen. Die Kindergartenpflicht wird aber ausgesetzt.

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.