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Tankstellen kommen in Existenznot

15.11.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Situation ist für Tankstellenpächter derzeit keine leichte.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Die Situation ist für Tankstellenpächter derzeit keine leichte. Klaus Hartinger

Spartenobfrau Petra Girardi fordert Unterstützung durch Bund.

Die Branche ist schwer gezeichnet. Bereits der erste Lockdown brachte so manchen Tankstellenbesitzer an seine Existenzgrenze. Bis zu 95 Prozent Umsatzeinbußen vermeldete damals Gerhard Amann, Spartensprecher der Wirtschaftskammer. Besonders die Tankstellen im Grenzbereich habe es mit der Schließung der Grenzen damals besonders schwer getroffen.
Nun, im leichten Lockdown, ist die Situation nicht unbedingt besser. Auch wenn über die Sommermonate etwas Druck aus dem Kessel gewichen ist, ist die Lage mittlerweile erneut prekär. „Die Menschen tanken in Summe weniger. Der Radius, der mit dem Auto zurückgelegt wird, ist deutlich eingeschränkt, und durch die Ausgangsbeschränkung ist das Geschäft nach 20 Uhr quasi zum Erliegen gekommen“, erklärt Petra Girardi, Obfrau der Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen.

Shop-Geschäft eingebrochen

Das betrifft nicht nur reine Tankfüllungen, sondern auch das Shop-Geschäft leidet schwer. Angefangen vom Autozubehör über die Waschanlage bis hin zu den Lebensmitteln und Tabakwaren. Es wird weniger konsumiert, Tankstellen in der Regel weniger aufgesucht. Von jenen Tankstellen mit eigenem Gastronomiebereich ganz zu schweigen.

„Die Kunden sind sehr aggressiv. Teilweise muss die Exekutive einschreiten. Die Menschen sind nicht mehr gut drauf.“

Petra Girardi, Tankstellenbetreiberin

Tankstellen gehören zu der Gruppe der Systemerhalter und müssen somit geöffnet bleiben. Daher gibt es keine speziellen Förderungen für Umsatzeinbußen des Staates, wie es zum Beispiel in der Gastronomie der Fall ist. „In Bezug auf den Fixkostenzuschuss sind wir Grenzfälle, weil wir so lange geöffnet haben, und es ist immer noch nicht klar, wie das genau geregelt ist“, kritisiert Girardi.
Gleiches gilt für die Kurz­arbeit. Im Prinzip eine Hilfe, um Kündigungen vorzubeugen, allerdings ist Kurzarbeit auf Tankstellen nicht umsetzbar, da die Öffnungszeiten nicht verkürzt werden. „Ich musste im März die geringfügig Beschäftigten kündigen. Zum Glück habe ich flexibles Personal, das dann in der Lage war, wieder zu kommen. Das Stammpersonal konnte ich halten, aber Kurzarbeit kommt aufgrund der langen Schichten bei uns nicht in Frage“, erläutert Girardi und ergänzt: „Natürlich sind wir froh, dass wir offen haben, aber von Rentabilität können wir schon lange nicht mehr sprechen.“

Umsatzeinbußen

Vorarlbergweit rechnen die Tankstellen mit Umsatzeinbußen von 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Daher fordert die Spartenobfrau dringende staatliche Hilfe. „Die Branche ist ohnehin schon knapp dran. Viel bliebt den Pächtern unter normalen Umständen schon nicht mehr, weil wir in den vergangenen Jahren totgespart wurden. Wir sind auf die vollen Umsätze angewiesen. Es muss etwas passieren.“

Petra Girardi ist Pächterin der Jet-Tankstelle in Dornbirn. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Petra Girardi ist Pächterin der Jet-Tankstelle in Dornbirn. Klaus Hartinger

Aggressive Kunden

Ein zusätzliches Problem ist laut der Tankstellenpächterin der Jet-Tankstelle in Dornbirn die Stimmung bei den Mitarbeitern. Aufgrund der unsicheren Lage sei es schwierig, die Motivation hoch zu halten, zumal die Angestellten im Verkaufsbereich sehr exponiert sind. Da geht es weniger um die Sorge vor Ansteckungen als vielmehr um das Verhalten der Kunden. Laut Girardi hat sich das Aggressionspotenzial der Tankstellenbesucher seit dem Beginn der Pandemie deutlich erhöht.

Durch Lockdown und Ausgangsbeschränkungen sowie das Reduzieren der persönlichen Kontakte wird dies weiter erschwert. „Teilweise reagieren die Kunden wegen Kleinigkeiten schon äußerst gereizt und brauchen ein Ventil. Mit uns als niedrigschwellige Einrichtung kann man es ja machen. Auch von anderen Tankstellenpächtern habe ich Geschichten gehört, und da geht es dann schon ans Eingemachte. Teilweise muss sogar die Exekutive einschreiten“, zeichnet Girardi kein positives Abbild der Gesellschaft. „Die Menschen sind nicht mehr gut drauf“, lässt sie in einem Nachsatz wissen.

„Kontrollen sind schon schikanös“

Ein düsteres Bild zeichnet Gerhard Amann, Fachgruppengeschäftsführer der Wirtschaftskammer der Sparte Garagen-, Tankstellen- und Serviceunternehmungen. Vor allem für die grenznahen Betriebe seien die Maßnahmen eine Katastrophe. Die Ausgangsbeschränkung würde außerdem an den Grenzen zu penibel kontrolliert werden. „An der deutschen Grenze wird geradezu schikanös kontrolliert, und viele kommen dann einfach nicht mehr zum Tanken“, erklärt Amann.

Auch Spartenobfrau Petra Girardi nimmt die Exekutive in die Pflicht. „Wirtschaftlich liegt unsere Branche ohnehin schon brach. Da müsste man, wie immer angekündigt, mit Augenmaß vorgehen und an die Wirtschaftstreibenden denken“, kritisiert die Tankstellenbesitzerin den Stopp des Tanktourismus nach 20 Uhr. Diese enormen Umsatzeinbußen von bis zu 30 Prozent auf das ganze Jahr gesehen bedrohen nun einige Existenzen. „Es kann dazu führen, dass manche Unternehmen aufgeben müssen. Das müssen wir befürchten“, erklärt Amann. Zumal die Situation für die Tankstellen in absehbarer Zeit nicht besser, sondern eher noch schlechter werden wird.