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Spitäler: Sorge und ein wenig Hoffnung

19.11.2020 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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Steigende Intensiv-Auslastung ist hohe Belastung für Personal.

Einen einfachen Appell richtete Primar Peter Cerkl, Leiter der Pulmologie am Landeskrankenhaus Hohenems, an die Bevölkerung: „Blieben dahoam“, sagte er am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz zur Lage an Vorarlbergs Krankenhäusern. Nur auf diese Weise könne es gelingen, die Zahl der Neuinfektionen wieder zu drücken.

Bei Blitz und Donner bleibt man zuhause

Cerkl verglich die derzeitige Situation rund um das Virus mit einem Gewitter. Wenn es draußen blitzt und donnert, gehe man schließlich auch nicht vor die Türe, sondern „bleibt zu Hause und zieht die Decke über den Kopf“. Im Umgang mit anderen Menschen gelte es, sich so zu verhalten, als wären diese covid-positiv. Nur so könnten die Infektionszahlen wieder gesenkt werden.
Von 71 Intensivbetten in allen Vorarlberger Spitälern waren zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag noch 15 frei. 44 Covid-19-Patien­ten wurden insgesamt versorgt, wobei 27 von ihnen auch beatmet werden mussten. Weitere zwölf Nicht-Covid-Patienten benötigten intensivmedizinische Pflege.

Angespannt aber motiviert

Die Situation sei schwierig, sagte der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft Gerald Fleisch. Allerdings habe man die Lage noch im Griff, und alles laufe geregelt ab. Das Personal sei derzeit angespannt, aber auch motiviert, fügte Cerkl hinzu. Allerdings gebe es durchaus Sorge angesichts der immer kleiner werdenden Zahl an Intensivbetten. Auch das Schreckgespenst der Triage geistere bei vielen bereits im Hinterkopf herum. Zudem stellt sich aus Sicht des Primars auch die Frage nach der Regelversorgung. Immerhin seien die 38 Betten auf seiner Station im Winter normalerweise voll belegt, sagte der Lungenfacharzt. Derzeit gebe es jedoch lediglich elf Betten, die nicht mit Covid-Patienten belegt seien.

Gerald Fleisch, Peter Cerkl und Arno Geiger (v.l.n.r.) beim Pressegespräch am Donnerstag. <span class="copyright">vol.at</span>
Gerald Fleisch, Peter Cerkl und Arno Geiger (v.l.n.r.) beim Pressegespräch am Donnerstag. vol.at

Arno Geiger, Pflegedirektor am LKH Hohenems, wies zudem auf eine weitere Herausforderung für das Personal hin: die Kommunikation mit Angehörigen der Patienten. Diese sei ebenfalls sehr zeitaufwendig für Ärzte und Pflegekräfte. Daher habe man am Spital in Hohenems den Versuch gestartet, die Angehörigen täglich zwischen 14 und 16 Uhr zu kontaktieren, um sie auf dem Laufenden zu halten. Dadurch seien die Anfragen deutlich zurückgegangen und es bleibe für das Personal wieder mehr Zeit für die Pflege. Zudem sei es mittlerweile möglich, dass lang liegende Patienten ein Mal pro Woche von einem Angehörigen besucht werden können – mit den entsprechenden Schutzmaßnahmen.

Großer Zusammenhalt

Trotz aller Sorgen hatten die beiden Krankenhausmitarbeiter auch positive Entwicklungen zu berichten. So gebe es unter den Spitälern angesichts der herausfordernden Situation einen großen Zusammenhalt, sagte Geiger. Primar Cerkl berichtete, dass es – nach derzeitigem Stand – auch bei schweren Krankheitsverläufen keine bleibenden Lungenschäden gebe. Zu Beginn der Pandemie hatten Experten dies noch befürchtet. Bei Patienten aus dem Frühjahr habe sich nun aber gezeigt, dass sich die allermeisten wieder komplett erholt hätten. „Es ist aber ein sehr langer Weg“, betonte der Primar.