Kommentar

Abgehobene Politik

21.11.2020 • 18:57 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Was machen Menschen, während des Lockdowns? Jene Menschen, die auf Kurzarbeit sind. Jene Menschen, die ihren Job verloren haben. Jene Menschen, die zusehen müssen, wie ihre Existenz gefährdet ist, weil der Lockdown eine Schließung ihres Gewerbes vorsieht.
Sie sorgen sich. Sie sorgen sich um ihre Zukunft. Sie sorgen sich um das Wohlergehen ihrer Familien und ihrer selbst. Der psychische Druck, der während dieser Pandemie auf großen Teilen der Bevölkerung lastet, ist nicht zu unterschätzen.

Dabei müssten alle jene, zumindest wenn es nach Gesundheitsminister Rudolf Anschober geht, die Zeit genießen. „Zu Hause bleiben und einfach mal nichts tun“, teilte der Grüne-Politiker seiner Facebook-Community mit und verlinkte darunter jenes Video, mit welchem die deutsche Bundesregierung versuchte, der Pandemie mit Humor zu begegnen. Es blieb beim Versuch, auch wenn der Clip bei oberflächlicher Betrachtung durchaus gelungen erscheinen mag. Genaueres Hinsehen und Hinterfragen zeigen aber, wie abgehoben die Auftraggeber und wie weit sie vom Leben und den Sorgen der Menschen entfernt sein müssen. Das gilt auch für Anschober. Die Situation ist existenzbedrohend. Nichts zu tun, muss man sich leisten können. Und das können die Wenigsten.

Fern der Realität

Ein weiteres Beispiel für den Verlust der Bodenhaftung hat Bildungsminister Heinz Faßmann diese Woche gegeben. Homeschooling bedeutet für die Eltern eine zusätzliche Herausforderung. Allerdings kann das in den Augen der Politik-Elite nicht ganz so schwierig sein, muss doch nur ein spezielles Lernumfeld für die Kinder geschaffen werden. „Versuchen Sie, für Ihre Kinder einen separaten, ruhigen Arbeitsplatz zu schaffen, der die gesamte Zeit zur Verfügung steht. Lern- und Spielräume sollten wenn möglich getrennt werden“, sagt der Bildungsminister. Leider gab er keine Empfehlung dazu ab, ob die separaten Lernzimmer für die Kinder im West- oder im Ostflügel der 70-Quadratmeter-Wohnung eingerichtet werden sollen.

Merken Sie sich also: Sollten Existenzängste Sie nicht schlafen lassen, die psychischen Herausforderungen aufgrund der Isolation Sie innerlich auffressen oder die Betreuung der Kinder Sie in den Wahnsinn treiben: Tun Sie doch einfach mal nichts. Soll sich die Nanny um die Kinder kümmern. Reiten Sie aus, machen Sie einen Spaziergang auf Ihrem Anwesen oder einen Rundflug mit dem Hubschrauber. Dann sind die Existenzsorgen gleich wie weggeblasen, und Sie können den Lockdown in vollen Zügen genießen.
Das Leben kann manchmal so einfach sein.