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Onlinehandel: Lokal gegen global

21.11.2020 • 19:49 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Das Onlinegeschäft ist das Gebot der Stunde. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Das Onlinegeschäft ist das Gebot der Stunde. Klaus Hartinger

Lokale Händler stehen einer globalen Übermacht gegenüber.

Der Lockdown hat alles heruntergefahren. Auch die Buchhändler mussten schließen. Es bleibt ihnen aber der Onlinehandel und Postversand. Doch das Weihnachtsgeschäft will noch nicht so recht anlaufen. Auch bei „Das Buch“ im Messepark. Das regionale Onlinegeschäft kann die Umsatzeinbußen bei Weitem nicht abfedern. Denn das Schmökern und zufällig über etwas Stolpern fällt komplett weg. „Wir leben auch von der Laufkundschaft. Und die gibt es derzeit nicht“, so Rebekka von der Thannen, Filialleiterin von „Das Buch“. Zudem sind die großen Onlineanbieter eine ständige Bedrohung. Wobei im Buchgeschäft nur eingeschränkt: „Einerseits gibt es bei Amazon keine Beratung, und die ist einfach unsere Stärke. Andererseits haben wir eine Buchpreisbindung. Und daran muss sich auch Amazon halten. Ein Buch kostet bei denen immer gleich viel wie uns. Das spielt uns natürlich in die Karten.“ Aber natürlich sind die Versandriesen eine starke Konkurrenz für den lokalen Buchhandel. Mit oder ohne Lockdown.

Aufschwung

Der lokale Onlinehandel hat seit dem ersten Lockdown einen massiven Aufschwung erlebt. Die Buchhändler sind durch die Bank gut aufgestellt. Aber natürlich haben auch viele andere Sparten mittlerweile einen Webshop. „Die Leute sind kreativ geworden. Im Ländle hat das zu einem massiven Umdenken geführt. Sowohl bei den Händlern als auch bei Kunden.“ Der Konsument müsse sich auch erst daran gewöhnen, dass es immer mehr regionale Onlineanbieter gibt. „So Plattformen wie Ländle-Shop sind da natürlich super. Hier bekommt man einen wertvollen Überblick. Denn der Trend geht eindeutig zu regionalen Produkten. Und das auf ganz vielen Ebenen“, so von der Thannen.
Zudem gibt es auch Facebook-Gruppen, die sich genau diesem Thema widmen. „Ich denke da an ‚Frag Vorarlberg‘ oder ‚share und care-vorarlberg‘, wo viele Menschen mittlerweile nachfragen, woher sie gewisse Sachen regional bekommen, weil sie explizit nicht bei Amazon bestellen wollen. Da tauschen sich die Menschen rege aus. Ich finde solche Initiativen toll und wertvoll.“

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Klaus Hartinger (3)

Liebe zu Büchern

Anita Figo ist Buchhändlerin und liebt Bücher über alles. „Der Arbeitsalltag hat sich natürlich seit dem Lockdown massiv verändert. Ich habe mit den Kunden nur noch via Telefon und Internet Kontakt. Das ist ein großer Unterschied. Ich schätze die Qualität des persönlichen Gespräches sehr.“ Derzeit ist Figo mit ihren Kolleginnen vor allem damit beschäftigt, Online- und Telefonbestellungen zu verpacken und zu verschicken. Das Weihnachtsgeschäft ziehe schon an. Aber es bleibt dennoch nur ein Bruchteil von dem, was sonst über den Ladentisch geht. Es wird auch zunehmend schwieriger, die neuen Bücher zu lagern. Da weniger verkauft wird, aber die ganze Weihnachtsware schon bestellt ist und nach und nach angeliefert wird. „Da häuft und stapelt sich gerade alles. Und sobald offen ist, müssen wir schnell reagieren und im Geschäft nachbestücken“, so Figo. Zudem ist die Buchhändlerin massiv damit beschäftigt, Buchtipps online zu stellen.

Geschenke

„Ich verstehe jeden Kunden, der verzweifelt ist. Denn alle wollen Geschenke kaufen, und die Geschäfte haben zu“, so von der Thannen. Im „Das Buch“ versucht man, es den Kunden so einfach wie möglich zu machen. Aber: „Es ist ein anderes Weihnachtsshopping als die Jahre zuvor. Wir gehen mitunter mit dem Telefon zum Regal, wenn der Kunde nicht genau weiß, was er will. Da versuchen wir auch zu beraten. So gut es geht. Aber real im Geschäft ginge das natürlich einfacher. Es ist auch für uns eine neue Herausforderung“, so die Filialleiterin. Um so wichtiger ist es derzeit, vermehrt Werbung zu machen. Ob über den Webshop, auf Facebook, Instagram oder auch durch gezielte Kooperationen mit den klassischen Medien. „Die Leute sollen nicht vergessen, dass wir noch da sind. Viele sind überrascht, dass wir auch jetzt versenden. Und das portofrei ins ganze Land. Ein Service, den es in diesen Zeiten einfach braucht.“

Corona sei Dank – alle gegen Amazon

Gegen Internet-Riesen wie Amazon und Co haben es die lokalen Anbieter natürlich schwer. Es scheint auf den ers­ten Blick wie ein ungleicher Kampf: David gegen Goliath. Lokal gegen global. Und ja, der Kampf ist ungleich, aber nicht hoffnungslos. Denn wenn die Corona-Krise etwas bewirkt hat, dann die verstärkte Besinnung auf das Regionale. Und das nicht nur der Umwelt zuliebe. Kurze Wege und persönliche Beratung sind gefragt. Selbst im Lockdown ist es möglich, via Mail oder Telefon mit den Händlern zu kommunizieren. Das fällt bei Amazon komplett weg.

Zudem gibt es einen corona-bedingten Digitalisierungsschub. Viele Menschen in Vorarlberg entdecken Produkte und Erzeugnisse aus der Region und lernen diese kennen und schätzen. Die Plattform „Ländle Shop“ gibt einen guten Überblick der lokalen Onlineanbieter im Land. Auch auf Facebook herrscht darüber mittlerweile ein reger Meinungsaustausch. „Frag Vorarlberg“ oder „share und care-vorarlberg“ sind zwei dieser Gruppen, die da besonders aktiv sind. Natürlich wachsen die Vorarlberger Bäume in Sachen Onlinehandel noch lange nicht in den Himmel. Aber Kreativität und Unternehmergeist machen schon einiges wett. Bald wird das Onlinegeschäft für die Vorarlberger Händler mindestens so wichtig werden wie das reale Geschäft vor Ort. Der Handel sollte nicht zuletzt dank Corona dafür gerüs­tet sein.

Weniger Reibungsverluste

Durch den ersten Lockdown haben die Geschäftsführerin und ihre Mitarbeiter einiges an Erfahrung sammeln können. Somit lief die Umstellung beim zweiten Mal reibungsloser. Von der Thannen hofft innig, dass sie nach dem 6. Dezember wieder aufsperren kann. „Da wird’s dann hoch hergehen. Denn Weihnachten ist unser Hauptgeschäft. Also wir sind bereit dafür.“

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