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Ein Advent ohne Markt

22.11.2020 • 12:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Dornbirn wie auch in anderen Städten und Gemeinden sind die Adventmärkte heuer abgesagt.<br><span class="copyright">Hartinger/Stiplovsek</span>
In Dornbirn wie auch in anderen Städten und Gemeinden sind die Adventmärkte heuer abgesagt.
Hartinger/Stiplovsek

Absagen verlangen Kreativität und Durchhaltevermögen.

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen. Zuerst die Absage sämtlicher Weihnachtsmärkte und dann der komplette Lockdown. Sämtliche Advent-Aussteller hat das hart getroffen. Die Situation verlangt den Betroffenen eine ordentlichen Portion Motivation, ­Einfallsreichtum und Optimismus ab, um heuer die Produkte an die Frau und den Mann zu bringen.

Plan C: „Wissen macht stark“-Obfrau Natalie Moosmann betreibt nun einen spontanen Online-Weihnachtsbasar. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Plan C: „Wissen macht stark“-Obfrau Natalie Moosmann betreibt nun einen spontanen Online-Weihnachtsbasar. Klaus Hartinger

Natalie Moosmann ist mittlerweile online. Die Obfrau des Vereins „Wissen macht stark“ ist seit Jahren mit ihrem Stand auf dem Christkindlemarkt in Dornbirn vertreten. Und das für einen guten Zweck. Mit dem Verkauf von hiesigen und in Afrika produzierten Produkten unterstützt sie Familien in Senegal, Ghana Madagaskar und Swaziland. Durch die weltweite Pandemie braucht es gerade jetzt Hilfe für Menschen aus diesen Ländern. Es musste umgehend ein Plan her. Ihr adventlicher Online-Basar hat gut eine Woche Arbeit in Anspruch genommen. Er ist simpel und funktional. Ansons­ten würde sie wahrscheinlich noch immer daran tüfteln. Ausgeliefert wird persönlich – es sei denn die Bestellung verlässt das Ländle.

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Klaus Hartinger

Der Shop ist Plan C, erzählt Moosmann. Denn nach der Absage der Stadt Dornbirn hatte sie einen kleinen Shop-Verkauf im bestehenden Laden „Ninimo“ in Dornbirn-Wallenmahd ge­plant – umsonst. Aufgeben war dennoch keine Option. „Natürlich ist das nun nicht das gleiche. Aber es gibt die Möglichkeit, sich auszutauschen. Das ist wichtig, denn die Bereitschaft der Menschen zu helfen ist da“, erzählt die Vereins-Obfrau. Den Auftritt auf dem Christkindlemarkt wird sie mit dem Online-Shop nicht kompensieren können. Während der Stand vor Ort vier Wochen lang auch die Aufmerksamkeit von potenziellen neuen Kunden und Klienten auf sich zog, sind es jetzt vor allem Stammkunden, die online ordern.

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Klaus Hartinger


Bis zuletzt hatten die Verantwortlichen des Dornbirner Stadtmarketings darum gekämpft, den Christkindlemarkt doch noch auf die Beine zu stellen, erzählt Moosmann. Deswegen kam die Absage relativ spät. Aber bei ihr schwingt auch ein wenig Erleichterung mit. „Ich bezweifle, dass heuer viele Besucher zum Weihnachtsmarkt gekommen wären. Es ist einfach nicht das gleiche, wenn das Zusammenstehen und die Geselligkeit ausfallen“, meint Moosmann.

51 Aussteller betroffen

Vergangenen Freitag hätte der traditionelle Christkindlemarkt eigentlich die Pforten aufgesperrt. Neben Natalie Moosmann sind noch 50 weitere Aussteller betroffen. Durch die Absage sind den Betroffenen keinerlei Kosten entstanden. „Es wurden noch keine Gebühren an die Aussteller verrechnet, daher gab es auch keine Rückerstattung“, informiert Laura-Maria Waibel vom Stadtmarketing. Ein kleiner Beitrag zur Unterstützung: Die Aussteller werden auf der Webseite www.christkindlemarkt.at mit ihren Produkten gelistet und haben auch die Möglichkeit, ihre Produkte über www.dornbirn.shop anzubieten.

Einnahmenverluste

Im Gegenzug fehlen aber auch der Stadt die Standmieten. Auch der Eislaufplatz für Kinder wird heuer nicht errichtet. Die Einnahmenverluste im Bereich der Kunsthandwerker und Handelsaussteller würden sich aber in Grenzen halten. Das Ganze müsse in Relation gesehen werden, da weniger Aufbauarbeiten zu leisten seien, hieß es vonseiten der Zuständigen. Noch etwas weiter gedacht, dürfte es nicht bei der Absage des Christkindlemarkts bleiben. Eine (Kinder-)Silvesterveranstaltung dürfte es heuer jedenfalls nicht geben. „Realistisch gesehen ist das eine Großveranstaltung mit mehreren Hundert Kindern. Und das in fünf Wochen. Das ist leider nicht umsetzbar“, sagt Waibel.

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Klaus Hartinger/Dietmar Stiplovsek

Weihnachtliches Flair

Und doch wird es „Dornbirn im Advent“ geben. Dekorationen sollen folgen. Etwa der große Adventkranz, der Christbaum, Eingangsbögen, Dekorationsinseln und viele Tannenbäume sollen weihnachtliches Flair in die Innenstadt bringen. Aktuell wird auch mit Hochdruck an verschiedenen Aktionen gearbeitet. Kinderprogramm für daheim, Lichtinstallationen am Marktplatz und verschiedene digitale Angebote für jene, die gerne von daheim aus einkaufen und trotzdem den regionalen Handel unterstützen wollen.

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