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Schwierig wird es am Heiligabend

22.11.2020 • 22:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Dominik Toplek in „seiner“ Kirche in Dornbirn-Schoren.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Dominik Toplek in „seiner“ Kirche in Dornbirn-Schoren. Klaus Hartinger

Ein außergewöhnliches Jahr war heuer auch für Pfarrer Dominik Toplek.

Die Covid-Pandemie hat im Frühjahr auch die katholische Kirche kalt er­­wischt. „Im März waren wir noch stark am Experimentieren und schauen, wie wir trotzdem präsent sein können“, erinnert sich Dominik Toplek. Der 49-jährige gebürtige Bregenzer ist seit Herbst 2016 Pfarrer in Dornbirn und hauptsächlich für die Pfarre Schoren zuständig. Zuvor war er einige Jahre lang Jugendseelsorger der Diözese Feldkirch.
Um für die Menschen da zu sein, sei man während des ersten Lockdowns sehr kreativ geworden, erzählt er. So habe er etwa begonnen, Streams anzubieten. Einen Teil der Gläubigen habe man damit durchaus erreicht. Zu jener Zeit seien dann auch Überlegungen aufgetaucht, diese Methoden und Mittel über die Zeit der Schließungen hinaus weiterzuverwenden. Allerdings sei schon gegen Ende des Lockdowns festgestellt worden, dass sie nicht mehr von besonders vielen in Anspruch genommen werden, so Toplek. Das Grundbedürfnis der Menschen, sich zu treffen und Gemeinschaft real zu erleben, war stärker.

„Garten-Eden-Gottesdienste“

Über den Sommer war es dann wieder möglich, Gottesdienste abzuhalten. Mit etwa der Sommerkirche gab es dafür auch alternative Angebote vonseiten der Diözese. Toplek hat zudem „Garten-Eden-Gottesdienste“ durchgeführt: spirituelle Wanderungen, bei denen ein kleiner Gottesdienst im Freien abgehalten wurde, erzählt er. Dies auch deswegen, „weil ich gemerkt habe, dass beim Hocken in der Kirche ein gewisses Unbehagen da war“. Auch die persönliche Seelsorge habe sich über den Sommer verstärkt, so seine Erfahrung. Er sei vermehrt zu den Leuten hingegangen.

Der Pfarrer mit seiner Raubtierdiva Moki  und vor seinen Bildschirmen. <span class="copyright">Klaus Hartinger (2)</span>
Der Pfarrer mit seiner Raubtierdiva Moki und vor seinen Bildschirmen. Klaus Hartinger (2)

Beim jetzigen zweiten harten Lockdown sei man besser aufgestellt, ist Toplek überzeugt: „Wir wissen, was wir uns trauen können und was nicht.“ So gebe es jetzt auch einen Dienst an sterbenden Covid-Infizierten. Allerdings auf freiwilliger Basis. Den Pfarrern wurde freigestellt, ob sie diesen verrichten wollen. Gemeldet hätten sich eher Jüngere, sagt der Dornbirner Pfarrer. Er selbst gehört auch dazu. Diese Besuche würden in Schutzausrüstung und unter Einhaltung der Abstandsregeln erfolgen, Angst habe er keine: „Ich schütze mich und weiß, auf was ich achten muss.“

Strenges Programm

Häufig wurde in den vergangenen Wochen auch Kritik daran geübt, dass die Kirchen immer offen geblieben sind. „Wir sind aber immer ein strenges Programm gefahren“, sagt der Pfarrer dazu. So wurde die Maskenpflicht schon im Oktober wieder eingeführt, als die Infektionszahlen stiegen. Da sei wiederum Kritik von den Pfarrmitgliedern gekommen, so seine Erfahrung. Mittlerweile ist aber sonst wieder alles zu und die Gotteshäuser offen. „Dadurch, dass wir sehr vorsichtig sind, kann ich das schon rechtfertigen“, sagt Toplek.
Bis 6. Dezember sind nun die Gottesdienste wieder ausgesetzt. Hochzeiten, Taufen werden verschoben, nur bei Beerdigungen ist man weniger restriktiv als im Frühjahr: Bis zu 50 Menschen dürfen in die Kirche. Erstkommunion und Firmung konnten zumindest in Dornbirn im Oktober durchgebracht werden, erzählt der Pfarrer.

Laptop und religiöse Zusammenkünfte scheinen sich nicht auszuschließen.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Laptop und religiöse Zusammenkünfte scheinen sich nicht auszuschließen. Klaus Hartinger

Kirchen offen

Nun gehe es wieder darum, präsent zu sein. „Unsere Erfahrungen aus dem ersten Lockdown helfen uns dabei“, so Toplek. Die Kirchen sind offen und können besucht werden. In der Pfarre werden auch jeweils privat Adventkränze für einen guten Zweck gebastelt, die dann zugestellt werden können. „Wir werden die Leute einladen, dass sie zu Hause ihre Gebete feiern“, sagt der Pfarrer, „ich werde wieder streamen und über You­Tube, Zoom und Co präsent sein“.
Ungewohnt ist für Toplek auch die relativ viele Freizeit, die er jetzt hat. „Normalerweise ist die vorweihnachtliche Zeit extrem stressig.“ Da das heuer bisher nicht der Fall ist, könne er auch selbst die Zeit eher besinnlich begehen. „Ein bisschen genieße ich das schon“, gesteht er. Mehr Zeit verbringt er aktuell auch mit Bewegung und Spaziergängen.

Krippenweg

Und wie wird Weihnachten heuer? „Ich hoffe schon, dass es nicht viel anders wird als sonst. Die Einschränkung mit dem Mund-Nasen-Schutz wird sein“, so Toplek. Am 24. Dezember am Nachmittag wird es in Dornbirn einen „Krippenweg“ geben, der zu verschiedenen Stationen in der Stadt führt, erzählt er. Anschließend kann das Friedenslicht in der Kirche geholt werden. „Zum ersten Mal eine wirklich große Herausforderung“ werde dann der Abend an diesem Tag, da die Kirchen bei der Christmette bekanntlich pumpvoll sind. Ostern ist aufgrund des damaligen Lockdowns ja „flachgefallen“, sodass Weihnachten nun zur eigentlichen Bewährungsprobe für die Kirchen wird.

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Klaus Hartinger

„Wir haben noch keine Lösung“, gesteht Toplek. Zugangsbeschränkungen kann er sich nicht vorstellen: „Da habe ich mich immer ein bisschen gewehrt.“ Noch hofft er, dass es keine Einschränkungen gibt: „Zumindest ‚Stille Nacht‘ möchte ich singen“.