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Neuer Prozess umgebrochene Hand

27.11.2020 • 20:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Symbolbild/Klaus Hartinger

Urteil aufgehoben. Gutachter: Opfer habe zugeschlagen und sich verletzt.

Der Mann hat bei der Auseinandersetzung im Vorjahr vor einem Lokal in Dornbirn einen Mittelhandknochenbruch erlitten. Wie ist es dazu gekommen? Ist der angeklagte Widersacher dafür verantwortlich? Oder hat das vermeintliche Opfer sich die Verletzung ohne Zutun des Beschuldigten selbst zugezogen? Diese Fragen müssen nun strafrechtlich noch einmal beantwortet werden.
Im ersten Strafprozess am Landesgericht Feldkirch wurde im Mai entschieden, dass der Angeklagte seinem Kontrahenten die schwere Verletzung zugefügt hat. Wegen des Vergehens der schweren Körperverletzung wurde der unbescholtene 22-Jährige zu einer teilbedingten Geldstrafe von 2400 Euro (160 Tagessätze zu je 15 Euro) verurteilt. Davon betrug der unbedingte, dem Gericht zu bezahlende Teil 900 Euro (60 Tagessätze). Als Teilschmerzengeld sollte der Afghane dem Österreicher 300 Euro zukommen lassen.
Nach Ansicht des Richters sind die beiden Kontrahenten bei der Rangelei zu Sturz gekommen. Dabei soll der Angeklagte auf seinen Widersacher gefallen sein. So soll es zur Mittelhandfraktur gekommen sein. Das Verhalten des Angeklagten wurde als Misshandlung gewertet. Deswegen belief sich der niedrigere Strafrahmen für die schwere Körperverletzung auf bis zu drei Jahre Gefängnis.

Berufung erfolgreich

Das Urteil hat der von Manuel Dietrich verteidigte Angeklagte nun mit Erfolg bekämpft. Das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) hat im Oktober der Schuldberufung stattgegeben und die erstinstanzliche Entscheidung aufgehoben. Das Berufungsgericht hat eine neue Verhandlung mit einer anderen Richterin am Landesgericht Feldkirch angeordnet.
Die nun zuständige Richterin hat ein gerichtsmedizinisches Gutachten zur Klärung der Entstehung der Verletzung in Auftrag gegeben. Der Gerichtsmediziner gehe von einer sogenannten Boxerfraktur aus, teilte Verteidiger Dietrich mit.
Demnach soll der Knochenbruch durch einen vom vermeintlichen Opfer geführten Faustschlag entstanden sein. Sein Mandant habe bei dem Vorfall ein blaues Auge erlitten, merkt dazu der Harder Rechtsanwalt an. Durch einen Sturz sei die Verletzung nicht entstanden, heiße es im gerichtsmedizinischen Gutachten.
Für die bevorstehende neue Hauptverhandlung im zweiten Rechtsgang am Landesgericht Feldkirch rechnet der Verteidiger deshalb mit einem Freispruch für seinen Mandanten. Dann müsste der Angeklagte auch keine Schadenersatzzahlungen leisten, merkt Dietrich an.

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