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Gutachter erhält vier Millionen Euro

28.11.2020 • 19:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Archiv/Hartinger

Gericht genehmigte hohe Kosten für Wirtschaftsprüfer in Verfahren.

Seit sechs Jahren ermittelt die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen des Verdachts der Untreue und des schweren Betrugs auch gegen einen Beschuldigten aus Vorarl­berg. Dabei handelt es sich um den 67-jährigen Ex-Geschäftsführer eines Vorarlberger Seilbahnunternehmens. Die WKStA hat noch nicht entschieden, ob Anklage erhoben oder das Verfahren eingestellt wird.
Inzwischen sind die Gutachterkosten in dem Ermittlungsverfahren um Bankgarantien in Millionenhöhe, andere Geldflüsse und die Zahlungsunfähigkeit einer niederösterreichischen Schneekanonenfirma auf 4,6 Millionen Euro angewachsen. Davon entfallen vier Millionen Euro auf einen Wiener Wirtschaftsprüfer und 600.000 Euro auf einen anderen Wiener Wirtschaftsprüfer. Die außergewöhnlich hohen Honorarforderungen wurden vom Wiener Straflandesgericht anerkannt.

Kritik von Verteidigern

Die Honorare der Gutachter und die lange Dauer des Ermittlungsverfahrens werden von den Verteidigern der Beschuldigten kritisiert. Der Anwalt des Vorarlberger Beschuldigten bezeichnet das als Wahnsinn. Die Honorarforderungen seien horrend. Die niederösterreichischen Verteidiger des beschuldigten Ex-Geschäftsführers der nieder­österreichischen Schneekanonenfirma schreiben in ihrer Beschwerde ans Oberlandesgericht Wien gegen die vom Wiener Straflandesgericht genehmigten 2,1 Millionen Euro für das Ergänzungsgutachten eines Wirtschaftsprüfers, die Honorarrechnung sprenge die Grenzen der Akzeptanz jedes Staatsbürgers. Es könne nicht sein, dass der Wirtschaftsprüfer mit seinen Gutachten mehr verdiene als mit seiner sonstigen Arbeit. Wer angeklagt und verurteilt wird, hat die Kosten des Strafverfahrens zu bezahlen und damit auch die Gutachterhonorare.

Der damalige Geschäftsführer des Vorarlberger Seilbahnunternehmens hatte ohne Wissen der Gesellschafter dem niederösterreichischen Schneekanonenlieferanten eine Bankgarantie über 5,2 Millionen Euro ausgestellt. Die Firma aus Niederösterreich zog die Bankgarantie und wurde insolvent.
Daraufhin hat die nieder­österreichische Hausbank der Schneekanonenfirma die Vorarlberger Hausbank des Seilbahnunternehmens und das Seilbahnunternehmen wegen der Bankgarantien auf insgesamt 4,2 Millionen Euro geklagt. 2017 wurde am Landesgericht Feldkirch in den zwei Zivilprozessen ein bedingter Vergleich geschlossen. Demnach sollte die Vorarlberger Bank der nieder­österreichischen Bank 1,5 Millionen Euro bezahlen. Die Bank aus Niederösterreich hat die gütliche Einigung danach platzen lassen. Seitdem sind die beiden Zivilprozesse am Landesgericht wieder anhängig, noch ohne Urteil.

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