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Freud und Leid nah beieinander

02.12.2020 • 20:13 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
Erste Lockerungen bezüglich des Lockdowns wurden vorgestellt. <span class="copyright">apa</span>
Erste Lockerungen bezüglich des Lockdowns wurden vorgestellt. apa

Reaktionen aus dem Ländle zu den vorgestellten Lockerungen.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch Details über die Lockerungen des Lockdowns ab kommender Woche verkündet. Freud und Leid liegen dabei nahe beieinander. Positiv gestimmt sind beispielsweise die Verantwortlichen im Handel, schließlich dürfen Geschäfte ab Montag wieder öffnen. Ebenso wird in den Pflichtschulen der Präsenzunterricht aufgenommen. Auch Skifahren ist ab dem 24. Dezember wieder möglich. Weniger rosig sind dagegen die Aussichten im Bereich der Hotellerie und Gastronomie. Hier müssen die Unternehmen zumindest bis 7. Jänner weiterhin geschlossen bleiben. Die Branchenverantwortlichen wollen dazu heute in einer Pressekonferenz ausführlich Stellung nehmen.

Klare Rahmenbedingungen

Wirtschaftskammer-Präsident Hans Peter Metzler teilte jedoch schon gestern in einer Aussendung mit, dass für die Unternehmen Planungssicherheit oberste Priorität habe. Im Handel sei diese mit den Ankündigungen nun vorhanden. Allerdings bräuchten auch Gastronomie und Hotellerie klare Rahmenbedingungen. Die Kürzung des Umsatzersatzes von 80 Prozent im November auf 50 Prozent für die kommenden Wochen, bezeichnete Metzler als „großen Einschnitt“. Dennoch diene der Ersatz zur Absicherung der Betriebe und Mitarbeiter. Europaweit gebe es keine vergleichbare Maßnahme zur Unterstützung der Tourismusbetriebe.

Öffnung der Schulen ein wichtiger Schritt

Neos-Klubchefin Sabine Scheffknecht zeigte sich in einer Aussendung erfreut über die Öffnung der Schulen. Diese sei ein wichtiger Schritt, um den Kindern zumindest etwas Normalität zurückzugeben. Zugleich forderte sie die Einführung eines gestaffelten Unterrichtsbeginns. Zugleich forderte Scheffknecht Unterstützung für den Tourismus sowie eine längerfristige Strategie zur Verhinderung eines dritten Lockdowns.

Messepark: Für den Andrang nach Neustart gerüstet

Deutlich anzumerken war Burkhard Dünser, Geschäftsführer des Dornbirner Messeparks, die Erleichterung über die Öffnung des Handels in der kommenden Woche: „Wir freuen uns, dass wir wieder aufsperren dürfen“, sagte er auf Anfrage der NEUE. Man sei im Einkaufszentrum für den Neustart gerüstet. So gebe es zusätzliches Security-Personal und die notwendigen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen. Zudem verfüge man über ein elektronisches Zählsys­tem, um immer zu wissen, wie viele Besucher sich im Einkaufszentrum aufhalten.
Nun heißt es für die Verantwortlichen des Messeparks jedoch abwarten, bis die entsprechende Verordnung seitens des Bundes veröffentlicht wird. Erst dann könne man genau sagen, welche Maßnahmen getroffen werden müssen, sagte Dünser. Sicher ist nur, dass es in den Geschäften wieder zu Beschränkungen hinsichtlich der Personenanzahl geben wird. Der Geschäftsführer rechnete damit, dass wie schon vor dem Lockdown bis zu 3500 Besucher gleichzeitig im Messepark sein dürfen. Das sei eine Zahl, die nur an wenigen besonders stark frequentierten Tagen im Jahr erreicht werde, erläuterte Dünser. Dazu komme, dass die Gastronomie noch geschlossen sei, wodurch die Verweildauer der Besucher kürzer sei als sonst.

Der Messepark-Chef geht davon aus, dass das Einkaufszentrum nach der Wiedereröffnung gut besucht sein wird. Keine Probleme erwartet er aufgrund des verkaufsoffenen Feiertags am Dienstag. Der Andrang werde sich heuer wohl auf zwei Tage verteilen, da viele am Montag ebenfalls frei hätten. Die mehrwöchige Schließung im Weihnachtsgeschäft lasse sich nicht aufholen. Allerdings könne es durchaus sein, dass die Kunden nun mehr ausgeben würden als sonst. So sei es etwa denkbar, dass sich so mancher statt des Urlaubs nun eine größere Anschaffung in einem anderen Bereich gönnt.

Bei den Schweizer Kunden, die im Messepark eine wichtige Rolle spielen, habe sich ein ähnliches Phänomen gezeigt. Nachdem der Einkaufstourismus durch die Grenzschließungen zum Erliegen gekommen war, habe das Geschäft langsam wieder angezogen. „Die Schweizer Kunden sind uns treu geblieben“, bringt es Dünser auf den Punkt. Allerdings habe sich dabei auch eine Veränderung beim Einkaufsverhalten gezeigt. Die Kunden würden nicht mehr so oft in den Messepark kommen, aber dafür bei den einzelnen Besuchen mehr einkaufen.
Wie sich das Geschäft in den kommenden Wochen entwickeln wird, lässt sich laut Dünser jedoch nur schwer abschätzen: „Ich bin seit 35 Jahren im Handel tätig. Einschätzungen zu treffen, war noch nie so schwierig wie jetzt.“

Seilbahnen: Angemessenere Lösung erwartet

Zwiespältig sehen die Verantwortlichen der Vorarlberger Seilbahnen die angekündigten Lockerungen. Einerseits freue man sich natürlich darüber, dass man zu Weihnachten starten dürfe, ließ Andreas Gapp, Fachgruppenobmann der Vorarl­berger Seilbahnen, am Mittwoch wissen. Andererseits sei man auch besorgt darüber, dass Hotellerie und Gastronomie noch bis 7. Jänner geschlossen bleiben. Somit gebe es in den ersten beiden Wochen keine Einkehrmöglichkeiten am Berg. Dabei nehme die Gastronomie dort eine andere Funktion ein als im Tal: „In den Skigebieten finden die Emotionen auf der Piste statt, im Schwung in der Kurve. Die Verpflegungseinrichtungen dienen in erster Linie dazu, sich aufzuwärmen, zu rasten und Energie zu tanken. Dass es hier keine angemessenere Lösung für die Skigebiete gibt und Wintersportler bis Anfang Jänner komplett auf Einkehrmöglichkeiten am Berg verzichten müssen, ist wenig nachvollziehbar“, meinte Gapp.

Den Umsatzersatz sieht er als gute Lösung. Dennoch werde die Saison wohl für viele Skigebiete zu einem wirtschaftlichen Balanceakt. Denn durch die Schließung der Hotels blieben auch Übernachtungsgäste aus, die in vielen Regionen jedoch von großer Bedeutung seien. Hier hätte sich der Fachgruppenobmann eine ­flexiblere Lösung gewünscht: „Jene Skigebiete, die hauptsächlich einheimische Gäs­te haben, können ihren Betrieb aufnehmen und jene, die größtenteils vom Übernachtungsgast abhängig sind, können geschlossen halten.“ In der ersten Zeit würden wohl einige Skigebiete nicht alle Anlagen öffnen, da sich dies nicht rechne. Dennoch zeigte sich Gapp erfreut darüber, dass die Saison starten kann.

Pflichtschulllehrer-Personalvertreter: Schlechte Kommunikation

Verärgert über die Kommunikation seitens des Bildungsministeriums zeigte sich der Vorsitzende der Vorarlberger Pflichtschullehrerpersonalvertretung, Willi Witzemann. Zum wiederholten Male würden Entscheidungen im Rahmen einer Pressekonferenz erst über die Medien verkündet anstatt zuerst die Verantwortlichen im Bildungswesen zu informieren.
Immerhin habe die Regierung dieses Mal früher über die geplanten Maßnahmen informiert, stellte Witzemann fest. Denn vielfach hätten die Direktorinnen und Direktoren in der Vergangenheit erst am Samstag von diesen erfahren. Nun bleibe mehr Zeit für die Umsetzung der Maßnahmen, zumal in vielen Bildungseinrichtungen der Montag aufgrund des Feiertags am Dienstag ebenfalls frei sei.

Doch nicht nur die Informationspolitik ist für den Personalvertreter verbesserungswürdig. Er würde sich auch mehr Autonomie bei der Umsetzung der Maßnahmen wünschen. Schließlich könne man eine kleine Schule im Bregenzerwald nicht mit einer großen Bildungseinrichtung in Wien vergleichen.

IV-Präsident: Weiter zusammenhalten

Deutlich weitreichendere Lockerungsschritte hätte sich Martin Ohneberg, Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung (IV), gewünscht. Dennoch gelte es, nun die von der Bundesregierung vorgestellten Maßnahmen einzuhalten und weiterhin solidarisch zusammenzuhalten.

Keine Freude hat Ohneberg jedoch mit den Quarantäneregelungen bei Grenzübertritten. Diese sind seiner Ansicht nach deutlich überzogen. „Der europäische Gedanke verliert mehr und mehr an Bedeutung und das tut weh“, teilte der IV-Präsident in einer Aussendung mit. Für die produzierende Wirtschaft gehe es darum, den ungehinderten Grenzverkehr von Personen und Waren weiterhin sicherzustellen. Es gehe schon lange, um die Minimierung des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Schadens. Dazu müssten die Lieferketten aufrecht erhalten werden. Ohneberg machte sich auch dafür stark, bei den Teststrategien pragmatischere Lösungen zur Verkürzung von Quarantänezeiten zu finden.

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