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Keine Entschädigung trotz Schließung

02.12.2020 • 19:39 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Haus Top steht leer und die Besitzer bekommen keinen Cent. <span class="copyright">Privat/Mangeng</span>
Das Haus Top steht leer und die Besitzer bekommen keinen Cent. Privat/Mangeng

Mangeng ist Ferienwohnungsanbieter. Förderungen gibt es keine.

Wahrscheinlich Tausende Vermieter von Ferienwohnungen und Privatzimmern in Vorarlberg wie auch in Österreich bekommen im Rahmen des bis 7. Jänner 2021 verlängerten zweiten Soft-Lockdowns eine ganz bittere Pille zu schlucken. Da das Beherbergungsverbot auch für sie gilt, müssen sie 2020 auf das gesamte touristische Geschäft über die Weihnachtsfeiertage verzichten.
Dazu kommt erschwerend: In vielen Fällen werden diese Vermieter keine wie immer geartete Unterstützung und keinen Umsatzersatz von der öffentlichen Hand erhalten. Mitunter blieb diese finanzielle Unterstützung sogar schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 komplett aus. Ein Beispiel dafür ist der Ferienwohnungsvermieter Martin Mangeng (64) aus Bürs, der in seinem Elternhaus in Vandans mit dem Haus Topa zwei Ferienwohnungen mit insgesamt neun Betten vermietet.
„Ich habe im ersten Lockdown keinen Cent für meine Ausfälle bekommen, da ich als Pensionist ein fixes Einkommen habe“, erklärt Mangeng im wpa-Gespräch. Allerdings bekommt Mangeng auch im nunmehrigen zweiten Lockdown keinerlei Unterstützungszahlungen und keinen Umsatzersatz. „Da ich nicht in dem Haus wohne, in dem die Ferienwohnungen sind, bekomme ich keinen Ersatz für die erneute Schließung. Und weil mein Haus weniger als zehn Betten hat, habe ich auch keinen Gewerbeschein für die Vermietung. Daran ist aber der Umsatzersatz gekoppelt, wenn man nicht dort wohnt.“

WKV bestätigt Sachverhalt

Wolfgang Juri von der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKV bestätigte auf wpa-Anfrage den Sachverhalt. So gab es im ersten Lockdown keine Unterstützungen für jene Ferienwohnungs- und Privatzimmervermieter, die ein anderes fixes Einkommen haben, wie etwa die Pension. Und im zweiten Lockdown sei es für einen Privatzimmer- oder Ferienwohnungsvermieter entscheidend, dass er im gleichen Haus wohnt. „Dann gilt es nämlich als häusliche Nebenbeschäftigung, wenn höchstens zehn Betten angeboten werden.“ In so einem Fall gibt es unter anderem den Corona-Umsatzersatz.
Wohnt der Vermieter unterdessen in einem anderen Haus, so müsse er für die Vermietung ein Gewerbe angemeldet haben. „Mit dem Gewerbeschein kommt man im zweiten Lockdown zum Umsatzersatz oder anderen Unterstützungen. Sonst in so einem Fall nicht“, sagt Juri. Er schätzt, dass in Vorarlberg und im Rest Österreichs sehr viele Vermieter von Zimmern oder kleineren Wohnungen mit maximal zehn Betten dafür keinen Gewerbeschein haben und nicht in dem vermieteten Haus selbst wohnen. Auch wenn es rein gewerberechtlich nicht korrekt sei.

Nicht nachvollziehbar

Für Mangeng ist der Zusammenhang zwischen „im gleichen Haus wohnen oder einen Gewerbeschein haben“ und dem Umsatzersatz nicht nachvollziehbar. „Was macht das für einen Unterschied für meinen Betrieb?“ Bei einem Jahresumsatz von rund 46.000 Euro eigens ein Gewerbe anzumelden, sei völlig überzogen. Er habe in den vergangenen zehn Jahren rund 400.000 Euro in das Haus investiert, um es vermieten zu können. Es diene als zusätzliche Absicherung für den Ruhestand und als Vorsorge für seine Familie.

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