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„Bei uns geht es ums Überleben“

03.12.2020 • 18:41 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
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Hotellerie und Gastronomie in Vorarlberg sind schwer gezeichnet.


Die Hotellerie in Vorarlberg hängt in den Seilen. Mit der Ankündigung der Regierung, erst am 7. Jänner wieder öffnen zu dürfen, ist klar, dass das Weihnachtsgeschäft wegfällt. Die Bundesregierung hat angekündigt, 50 Prozent des Umsatzausfalls zu erstatten, was in der Branche wohlwollend zur Kenntnis genommen wird.
„Wir begrüßen die Unterstützung mit 50 Prozent. Das ist eine Hilfe, aber bei uns geht es ums Überleben. Wir müssen schauen, dass wir bis April unsere Betriebe über den Berg bringen. Von Gewinn ist überhaupt keine Rede, es geht um die Substanz“, erklärt Markus Kegele, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft.

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Markus Kegele. Sams

Absprachen gefordert

Die große Problematik, die sich für die Unternehmer stellt, ist die fehlende Planungssicherheit. Nun gibt es zwar eine Regelung bis zum 7. Jänner, was danach kommt, steht aber noch in den Sternen. Diesbezüglich fordern die Verantwortlichen verbindliche absprachen zwischen den Staaten. „Es bringt nichts, wenn wir am 7. Jänner aufsperren dürfen die Gäste aber nicht anreisen können. Wenn sie bei einer Rückkehr in Quarantäne müssen, wird niemand buchen“, bringt es René Madlener, Obmann-Stellvertreter der Fachgruppe Hotellerie, auf den Punkt. Die Abstimmung der Nachbarländer ist für Hotellerie und Gastronomie somit essenziell. Das gilt nicht nur für die Gäste, sondern auch für den Mitarbeiter, der aus dem Ausland kommt, um als Saisonnier zu arbeiten. „Die Quarantäne-Bestimmungen werden immer schärfer. Die Kommunikation ebenfalls. Dadurch ist ein vernünftiges Wirtschaften in der Hotellerie nicht möglich“, sagt Kegele. Zumal die Kurzarbeitsbestimmungen für Saisonarbeiter nachgeschärft werden müssen und noch nicht im Detail ausformuliert sind, wie Madlener kritisiert.

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Deuticher Buchungsrückgang

In einer Umfrage der Wirtschaftskammer schätzten die befragten Unternehmen die Geschäftsentwicklung und die Marktchancen in der Wintersaison 2020/21 mit schlecht (31,34 Prozent) bis sehr schlecht (42,79 Prozent) ein. Vor allem die derzeitigen politischen Aussagen in Nachbarländern wirken sich demnach sehr stark bis stark auf das Buchungsverhalten (75,12 Prozent) sowie auf Stornierungen (74,13 Prozent) aus. Die Befragten rechnen bis April mit einer Bettenauslastung von gerade einmal 14,1 Prozent. Zum Vergleich: In der kompletten Vorsaison hatten die Betriebe eine Auslastung von fast 53 Prozent.

Inlandsgäste reichen nicht

Den Spartenvertretern ist wichtig zu betonen, dass sie die Maßnahmen natürlich mittragen und auf keinen Fall Wirtschaft gegen Gesundheit ausspielen wollen. Dennoch brauchen sie Planungssicherheit bis April, die ihnen derzeit niemand geben kann. Allein mit Gästen aus dem Inland, die gerade einmal acht bis zehn Prozent der Gäste ausmachen, können die Betriebe nicht überleben. Nichtsdestotrotz würden die Gastronomen und Hoteliers sofort aufsperren, wenn sie denn dürften. „Wir wollen aufmachen und arbeiten, es sind die Rahmenbedingungen, die es nicht zulassen“, lässt Kegele wissen.

Probleme mit Fachkräften

Mike Pansi, Obmann der Fachgruppe Gastronomie, weist auf ein weiteres Problem hin. Die Fachkräfte gehen der Branche verloren. Bereits vor der Pandemie, war es schwierig, ausgebildetes Personal zu finden, das wird während und vor allem nach der Krise nicht leichter werden. Das Angebot des AMS, Gastronomie-Mitarbeiter für andere Bereiche umzuschulen, bezeichnet Pansi als kontraproduktiv. Somit werde der Fachkräftemangel nochmals verstärkt. Ein weiteres Problem sieht der Gastronom in der Ausbildung der Lehrlinge. „Kochen und Gastgeben kann man nicht über Distance Learning lernen. Jetzt wäre der Start für das Winterpraktikum. Den zukünftigen Fachkräften fehlt ein Dreivierteljahr ihrer Ausbildung.“

Mike Pansi. <span class="copyright">WKV</span>
Mike Pansi. WKV

Auf die Hotellerie und Gastronomie kommen entscheidende Monate zu. Sollte es gelingen, die Unternehmen über den Winter zu bringen, glauben die Verantwortlichen, das Schlimmste überstanden zu haben. „Dann haben wir Hoffnung auf eine Impfung, und auch der letzte Sommer hat gezeigt, dass es durchaus funktionieren kann. Aber bis dahin kämpfen wir ums Überleben“, betont Kegele nochmals abschließend.

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