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Geistheiler-Klient betrogen

03.12.2020 • 19:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Landesgericht Feldkirch. <span class="copyright">hartinger</span>
Landesgericht Feldkirch. hartinger

Freund von Geistheilerin schloss Abo für Heilmittel ab und wollte kassieren.

Der 69-Jährige kontaktierte wegen starker Beschwerden an seinen Beinen eine Vorarlberger Geistheilerin. Deren – nun angeklagter – Lebensgefährte meldete sich telefonisch beim Klienten einer Freundin und empfahl ihm zwei verschiedene Tabletten und ein heilsames Getränk. Der Pensionist war mit einer Probe­lieferung einverstanden. Stattdessen schloss der Angeklagte aber nach den gerichtlichen Feststellungen ohne Wissen des Klienten in dessen Namen bei der Lieferfirma der Behandlungsmittel ein Abonnement über sechs Monate ab. Dabei fälschte der nur dazu geständige Beschuldigte die Unterschrift des Rentners. Für das Abo wollte der Angeklagte als Vermittlungsprovision 37,13 Euro kassieren.

13 Vorstrafen

Das trug dem Arbeitslosen nun einen Schuldspruch wegen schweren Betrugs ein. Der bereits mit 13 Vorstrafen belastete 49-Jährige kam mit einer bedingten, nicht zu verbüßenden Haftstrafe von neun Monaten und einer unbedingten, dem Gericht zu bezahlenden Geldstrafe von 1440 Euro (360 Tagessätze zu je 4 Euro) davon. Das milde Urteil, mit dem der Angeklagte und Staatsanwalt Simon Mathis einverstanden waren, ist rechtskräftig. Die mögliche Höchststrafe wäre drei Jahre Gefängnis gewesen.
Richterin Tagwercher sprach von der allerletzten Chance für den Vorbestraften, einem Haft­aufenthalt zu entgehen. Sie habe sich auch deshalb dazu entschlossen, weil der 49-Jährige sich inzwischen in psychotherapeutischer Behandlung befinde, um sein Leben zu ändern. Außerdem sei kein Betrugsschaden mehr offen. Das Abonnement und die Vermittlungsprovision seien storniert worden.

In anderem Verfahren gelogen

Die Richterin sah davon ab, vier bedingte Haftmonate aus einer offenen Vorstrafe nachträglich zu vollziehen. 2016 war über den Angeklagten am Landesgericht wegen Urkundenfälschung und falscher Zeugenaussage eine Zusatzstrafe von vier bedingten Haftmonaten und eine unbedingte Geldstrafe von 640 Euro verhängt worden. Denn der Mann hatte im gerichtlichen Abstammungsverfahren seines Halbbruders eine gefälschte Bestätigung vorgelegt und als Zeuge gelogen. Im gefälschten Dokument wurde behauptet, der gerichtlich festgestellte Kindesvater habe 7500 Schilling vom eigentlichen Vater für die Anerkennung der Vaterschaft erhalten. Der Halbbruder des Angeklagten versuchte letztlich vergeblich, als vermeintlicher Sohn eines reichen Verstorbenen zu erben.

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