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Der Nikolaus ist heuer erfinderisch

05.12.2020 • 14:00 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
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Archivbild/Pferdeverein Mauren

Ob Nikolaus kommt, war lange ungewiss. Nun ist es möglich geworden.

Kaum ein Fest ist sowohl im liturgischen als auch im weltlichen Jahresablauf so fest verankert wie der Nikolausabend am 6. Dezember. Es scheint, als ob der bärtige Mann mit seinem Stab und sein finsterer Geselle niemanden kalt lassen. Ob groß oder klein, ob alt oder jung. Alle haben eine Meinung zu diesem Fest. Und viele freuen sich darauf. Da wird Wochen vorher schon gebastelt, eifrig ein Sprüchlein gelernt oder ein Lied geübt. Der Nikolaus ist beliebt bei den Kindern. Er gilt auch als der Schutzpatron der Kleinsten. Umso zwielichtiger ist sein dunkler Geselle. Der Krampus, auch Knecht Ruprecht genannt, flößt Furcht und Respekt ein. Schwarze Pädagogik sagen die einen. Brauchtumspflege und Spaß die anderen.

Besonderes Jahr

Lange war unklar, ob und wie der weise Mann mit Bart und Bischofsmütze in diesem Jahr seiner Tätigkeit nachgehen kann und darf. Corona hat auch hier seine Spuren hinterlassen und verändert die Gegenwart. „Ich denke, es ist schön, dass das Thema Nikolaus immer noch so großes Interesse weckt. Und das trotz oder vielleicht auch grad wegen Corona“, erzählt Silvia Berger. Sie ist Spezialistin in Sachen Nikolaus.

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Archivbild/Klaus Hartinger

Onlineschulung

Berger von der Jungen Kirche Vorarlberg organisiert Nikolausschulungen. Und die haben heuer, wie könnte es auch anders sein, online stattgefunden. 39 Interessierte haben heuer an der Schulung teilgenommen. Nur Männer. Erfahrene Darsteller und Neulinge. Auch solche, die die Schulung schon öfters besucht haben. Neben dem Schulungsinput hat auch ein reger Erfahrungsaustausch unter den Darstellern stattgefunden. „Bei der Schulung gibt es die unterschiedlichsten Themen. Auftreten, was gilt es zu beachten, was ist die Botschaft, welche Rolle nimmt man als Nikolaus ein. Und natürlich hat sich aufgrund der aktuellen Situation und der damit verbundenen Ausgangssperre einiges verändert. Wir sind sehr froh, dass der Nikolaus zumindest im Freien kommen darf“, ergänzt Berger. Wichtig ist, dass die Regeln ganz klar eingehalten werden. Sowohl von den Nikolausdarstellern als auch von den Familien. Sicherheit muss an oberster Stelle stehen. Es gibt auch Gemeinden, in denen der Nikolaus in diesem Jahr corona-bedingt gar nicht kommt. Für die und für die Vorsichtigen haben sich Frau Berger und ihre bärtigen Freunde einige Alternativen überlegt. „Das reicht vom persönlichen Briefeschreiben an die Kinder über Videobotschaften vom Nikolaus, die man am 5. und 6. Dezember abrufen kann, bis hin zu Face-to-face-online-Besuchen des Nikolaus. Das handhaben Pfarren sehr unterschiedlich.“ Generell will Berger die Familien auch dazu animieren, den Nikolausabend kreativ und selbst zu gestalten. Besondere Situationen erfordern besondere Maßnahmen. Die klassischen Hausbesuche sind in diesem Jahr tabu.

Das Nikolausfest

Ein uralter Brauch

Nikolaus von Myra ist einer der bekanntesten Heiligen. Sein Gedenktag, der 6. Dezember, wird im gesam­ten Christentum begangen und ist mit zahlreichen Bräuchen verbunden. Nikolaus wirkte in der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts als Bischof von Myra in der kleinasiatischen Region Lykien in der heutigen Türkei. Der heilige Nikolaus ist unter anderem auch als Nikolo (Altbayern, Österreich), St. Niklas (Österreich, Südtirol), Samichlaus, (Schweiz), Sint Niklaas (Belgien), Santa Claus (Nordamerika) oder San Nicola (Italien) bekannt.

Eigene Bärte und Kleidung

„Für viele Nikoläuse ist das alles eine organisatorische Herausforderung. Nicht jeder hat ein eigenes Nikolauskostüm zu Hause. Oft stellen das Vereine oder die Pfarren zur Verfügung. Und das wird heuer wegen der Hygienemaßnahmen zusätzlich schwer werden.“ Auch deshalb sind 2020 viel weniger Nikoläuse unterwegs als in den Jahren zuvor. „Wir hoffen auf das nächste Jahr. Und dann wieder im schönen privaten Rahmen. So wie man das halt gewohnt ist. Denn ein Nikolaus mit Mundnasenschutz ist sowohl für die Kinder als auch für die Darsteller mitunter ein zweifelhaftes Vergnügen.“
Die aktuellen Auflagen machen es allen Beteiligten schwer. Viele Dinge sind in diesem Jahr nicht möglich. Und da gibt es vieles, an das man gar nicht denkt im ersten Moment. „Das beginnt beim Stabhalten, der müsste dann jedes Mal neu desinfiziert werden, der Nikolaus muss Distanz wahren, darf niemandem die Hand geben, darf sich nicht hinsetzen, er darf ja nicht einmal mit jemandem im Auto fahren. Dann müssten beide einen Mundschutz tragen.“

Im Freien darf der Nikolaus die Kinder besuchen. <span class="copyright">Archivbild/Klaus Hartinger</span>
Im Freien darf der Nikolaus die Kinder besuchen. Archivbild/Klaus Hartinger

Freude und Staunen

Es ist und bleibt eine große Herausforderung. Wie vieles in diesem besonderen Jahr. Die Motivation für die Darsteller, sich das Jahr für Jahr anzutun, ist ganz verschieden. „Oft ist es einfach die Freude und das Staunen der Kinder. Das zu sehen und zu spüren. Und für viele auch die Tradition. Denn manch einer macht das schon seit Jahrzehnten.“ Man kann das auch in kleinem Rahmen in der Familie feiern heuer. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Auch das kann eine eigene Qualität haben. Berger regt zudem an, dass die Kinder eine Bischofsmütze basteln können. „Jeder darf die dann aufsetzen und den anderen sagen, was sie oder er gut gemacht haben, oder was sie an der Person mögen.“ In diesen Zeiten soll die Sicherheit über allem stehen. Man kann das auch konkret ansprechen und mit den Kindern diskutieren. „Es ist natürlich schade, dass die Situation derzeit so angespannt ist. Es ist alles anders.“

2018 war die Nikolauswelt noch Ordnung. Hier der Hörbranzer Nikolaus Andreas Kresser mit finsterem Gesellen. <span class="copyright">Archivbild/Klaus Hartinger</span>
2018 war die Nikolauswelt noch Ordnung. Hier der Hörbranzer Nikolaus Andreas Kresser mit finsterem Gesellen. Archivbild/Klaus Hartinger

Kein Krampus

Dass der Krampus in diesem Jahr aus Sicherheitsgründen nicht dabei sein kann, ist vielen Kindern gar nicht so unrecht. Denn nicht allen ist dieser finstere Geselle ganz geheuer. „Heuer schafft das der Nikolaus ganz alleine.“

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