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Kleinkind unterm Auto mitgeschleift

05.12.2020 • 20:24 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
Symbolbild/Shutterstock

Mädchen überlebte mit Knochenbruch und Verbrennungen.

Bei der Familienfeier zum 50. Geburtstag der Großmutter wurde ihre 13 Monate alte Enkelin im Juni 2007 im Bezirk Feldkirch Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Eine Tochter der Jubilarin verließ das Haus ihrer Mutter, um mit ihrem Auto nach dem entlaufenen Hund zu suchen. Beim Wegfahren wurde die Nichte der Autolenkerin unter dem Pkw 100 Meter weit mitgeschleift.
Das kleine Mädchen wurde nach den gerichtlichen Feststellungen vorne links in den Radkasten des Fahrzeugs gezogen. Es überlebte mit einem Oberschenkelbruch und Verbrennungen am Körper. Das Baby wurde nicht überrollt.
Im ersten Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch wurde die beklagte Autofahrerin 2013 rechtskräftig dazu verurteilt, dem klagenden Kind als Schadenersatz 62.000 Euro zu bezahlen. Das Innsbrucker Oberlandesgericht (OLG) bestätigte damals rechtskräftig das erstinstanzliche Urteil des Landesgerichts von 2011.
Im zweiten Zivilprozess forderte die klagende Haftpflichtversicherung der Autolenkerin Regresszahlungen von der beklagten Kindesmutter. Die anwaltlich von Alexander Wirth vertretene Versicherung der Pkw-Fahrerin verlangte jene 62.000 Euro zurück, die sie dem verletzten Kind zu bezahlen hatte.
Im zweiten Zivilprozess ist erst dieser Tage das Berufungsurteil ergangen: Das Oberlandesgericht hat die 2019 gefällte Entscheidung des Landesgerichts bestätigt. Dagegen kann noch eine Revision beim OGH erhoben werden.

Zu 50 Prozent mitverantwortlich

Im Regressprozess wurde die Mutter des Kindes dazu verpflichtet, der Versicherung der Autofahrerin 31.000 Euro zukommen zu lassen. Denn nach Ansicht der Richter sind die Autofahrerin und die Kindesmutter zu je 50 Prozent für den Unfall mitverantwortlich. Demnach hat die Kindesmutter ihre Aufsichtspflicht und die Pkw-Lenkerin ihre Sorgfaltspflicht verletzt.
Die Zivilrichter im zweiten Prozess gehen davon aus, dass das 13 Monate alte Mädchen hinter dem Auto gestanden ist, als das Fahrzeug zunächst im Rückwärtsgang ausgeparkt wurde. Die Gerichte nehmen an, dass das Kind umgestoßen und dann beim Vorwärtsfahren in den Radkasten gezogen wurde. Nach rund 100 Metern hielt die Autofahrerin an, als sie Schreie hörte.
Der Pkw-Lenkerin wird im Urteil nicht vorgeworfen, dass sie vor dem Losfahren nicht unters Auto gesehen hat. Aber sie hätte, so die Richter, nachsehen müssen, wo sich das kleine Kind befindet. Das Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen die Autofahrerin habe die Staatsanwaltschaft eingestellt, teilte Behördensprecher Heinz Rusch auf Anfrage mit.

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