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1800 Skilehrer stehen in den Startlöchern

06.12.2020 • 14:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Skifahren mit Aufstiegshilfen wird erst ab 24. Dezember wieder möglich sein. Erst dann können auch die Skilehrer wieder arbeiten. <span class="copyright">Montafon Tourismus/Daniel Zangerl</span>
Skifahren mit Aufstiegshilfen wird erst ab 24. Dezember wieder möglich sein. Erst dann können auch die Skilehrer wieder arbeiten. Montafon Tourismus/Daniel Zangerl

Einer unsicheren Saison blicken auch Skilehrer im Land entgegen.

Thomas „Tom“ Egger ist der Leiter der Skischule Hirschegg im Kleinwalsertal und Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands. Seiner Branche geht es derzeit so wie vielen anderen: Auch sie schlägt sich mit der quälenden Unsicherheit herum. Seit Mittwoch ist zwar wieder einiges klarer geworden, rosig sind die Aussichten allerdings nicht. Bis 24. Dezember bleibt alles geschlossen. Am Heiligabend dürfen die Seilbahnen und Lifte wieder aufmachen, Gastronomie und Hotellerie allerdings erst ab 7. Jänner – also nach den Weihnachtsferien.
Explizit erwähnt wurden die Skischulen bei den Ankündigungen der Regierung am Mittwoch zwar nicht, aber Egger hofft, dass auch sie mit 24. Dezember aufsperren dürfen. Dafür werde im Land auf jeden Fall geplant, wobei man sich schon bewusst sein müsse, dass der Betrieb nicht mit einem normalen zu dieser Zeit zu vergleichen sein werde. „Es rechnen alle nicht mit einem wahnsinnigen Geschäft.“ Noch sei auch unklar, wie viele Lifte wirklich noch im Dezember aufmachen. Im Kleinwalsertal wird der Betrieb definitiv erst am 11. Jänner wieder starten – abgestimmt auf die Vorgaben der bayrischen Landesregierung. Das bedeutet für Egger, dass auch seine Skischule bis dahin geschlossen bleibt.

Präventionskonzept

„Wir wollen aber grundsätzlich in diesem Winter unter Beweis stellen, dass wir gut vorbereitet sind“, so der Vereinsobmann. Man habe schon sehr früh ein Präventionskonzept mit detaillierten Regeln erarbeitet, um so sicher wie möglich agieren zu können. „Wir setzen alles daran, einen guten Job zu machen – vermutlich mehr denn je“, sagt er.
Von den Auswirkungen der Pandemie sind aber nicht nur die Skilehrer betroffen, sondern auch jene, die es erst werden wollen. „Wir haben derzeit zwischen 200 und 250 Personen, die eine Aus- oder Fortbildung machen und die mussten wir bislang vertrösten“, informiert der Skischulleiter. Unter diesen Auszubildenden sind auch zahlreiche Personen aus anderen Ländern, etwa aus Deutschland und den Niederlanden. Ob die auch in Qurantäne müssen, wenn sie einreisen, muss jetzt geklärt werden, berichtet Egger. Eine diesbezügliche Anfrage sei beim zuständigen Ministerium eingebracht worden.

Ein Viertel Einbußen

In normalen Jahren werden rund 20 bis 25 Prozent des Saisonumsatzes von Skilehrern über Weihnachten gemacht. Die dürften heuer – „vorsichtig gesagt“ – weg sein, meint der Skilehrerverbandsobmann. Der eine oder andere werde sicher einen Teil mit einheimischen Gästen kompensieren können: „Ich getraue mich aber nicht zu sagen, wie viel.“ Und weiter: „Wenn der Übernachtungsgast fehlt, ist es für uns Skischulen kein Geschäft.“ Zumal auch die Zahl der Ostösterreicher, die unter Umständen ein Zielpublikum für Skischulen wären, hierzulande nicht so groß sei.

Thomas „Tom“ Egger ist der Leiter der Skischule Hirschegg im Kleinwalsertal und Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands. <span class="copyright">Privat</span>
Thomas „Tom“ Egger ist der Leiter der Skischule Hirschegg im Kleinwalsertal und Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands. Privat

Gut vorbereitet

„Wir haben uns wirklich den ganzen Sommer über vorbereitet und es gibt Konzepte, wie in den Skischulen unter Corona-Bedingungen sicher gearbeitet werden kann“, bekräftigt Egger. Zudem sei man überwiegend im Freien und auch die Gondelfahrten würden zeitlich unter den bedenklichen 15 Minuten liegen.
Auf die Kosten werden die Skischulen heuer aber alle schauen müssen, ist der Verbandsobmann überzeugt. Es dürften deutlich weniger Skilehrer angestellt werden als in anderen Wintern. Er selbst hat 53 Mitarbeiter, die auf den Start warten: „Es ist ein unglaubliche Situation.“

Knapp 1800 Skilehrer

In Vorarl­berg gibt es knapp 1800 Skilehrer, die Mitglied des Verbands sind. Sie arbeiten in den 45 Skischulen des Landes oder sind einer von rund 200 konzessionierten Skilehrer, also Ein-Mann-Unternehmen. Der größte Teil davon sind Saisonniers und für viele gibt es auch nicht die Möglichkeit, Arbeitslosengeld zu beziehen, erläutert der Skischulleiter.
Im Frühjahr gab es für die Skischulen keine Wirtschaftshilfen, weil sie nicht behördlich geschlossen wurden. Jetzt gebe es allerdings Signale, dass für den November ein Umsatzersatz zu erwarten sei, erzählt Egger.

Deutschland

Eine spannende Frage ist für ihn noch, was nach dem 7. Jänner passiert, wenn die hiesige Gastronomie und Hotellerie voraussichtlich wieder aufsperren kann, bzw. nach dem 10. Jänner. Keine Sorge hat er, dass die Österreicher, die Skifahren wollen, auch kommen. „Für uns ist aber auch wichtig, was in Deutschland passiert“ – nicht von ungefähr. Lebt doch das Kleinwalsertal beim Wintertourismus nahezu zur Gänze von deutschen Gästen und gesamt Vorarlberg zu über der Hälfte. „Wenn es bis in den Februar dauert, dass deutsche Gäste wieder kommen, wird es dramatisch“, verdeutlicht Egger die Situation. „So gesehen schaue ich schon Sorgen erfüllt in die Zukunft.“
Aber es gibt auch Hoffnung. Die Wochen im Jänner nach dem Dreikönigstag gehören normalerweise zu den schwächeren Zeiten der Saison – Stichwort Jännerloch. „Es gibt einige, die die vage Hoffnung haben, dass dieses heuer gefüllt werden könnte“, so Egger. Und im Hinblick auf Gäste aus dem Ausland ist der Skischulleiter überzeugt: „Wenn die Leute kommen dürfen, dann kommen sie.“

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