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Eine App löst nicht das Grundproblem

07.12.2020 • 11:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Schulkinder zu Hause zu unterrichten, ist eine große Herausforderung. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Schulkinder zu Hause zu unterrichten, ist eine große Herausforderung. Klaus Hartinger

Mangelnde soziale Kontakte sind das Hauptproblem im Homeschooling.

Jede Schule macht das Beste aus dieser Situation“, klingt der neue Stadtrat für Schulen sowie Jugend und Jugendbeteiligung, Martin Hämmerle, optimis­tisch. Vor dem zweiten harten Lockdown hatte er noch nicht alle Dornbirner Schulen persönlich besucht. Das steht aber weiterhin auf seiner Agenda. In der Zwischenzeit sitzt auch seine neunjährige Tochter zu Hause über Schulaufgaben. Das läuft über „schoolfox“. „Über diese App können die Schulen einfach mit den Eltern kommunizieren“, erklärt Hämmerle.
Man könne ein PDF oder einen Text schicken, Direktor oder Lehrer könnten sich an die Eltern wenden oder die Lehrer an ihre Schüler. Hämmerle hat den Eindruck, dass die Abstimmung koordinierter verläuft als noch im Frühjahr. Damals nutzten manche Lehrer das klassische E-Mail, andere das Internetmeeting-Tool zoom, wieder andere schickten Whatsapp-Nachrichten. Die Unübersichtlichkeit und das Durcheinander sind dank schoolfox weniger geworden.

Stadt kaufte schoolfox

Die Stadt Dornbirn hatte die App für ihre Schulen gekauft. „Ausgereift“, wie die Entwickler sie auf ihrer Internetplattform nennen, scheint diese aber noch nicht zu sein. Es gibt viele User, die sich zum Beispiel über häufige Fehlermeldungen beschweren.
Die höheren Schulen in Dornbirn nutzen derweil vermehrt die Videofunktion des Programms. An der Fachwirtschaftsschule wird sogar vor der Kamera gekocht und zu Hause vor den Rechnern nachgekocht, erzählt der zuständige Stadtrat.
„Am Nachmittag sollten die Schüler zu Hause bleiben. Die, die schon vor dem Lockdown regulär in der Nachmittagsbetreuung waren, können diese aber auch weiterhin in Anspruch nehmen. Gibt es darüber hinaus Anfragen wegen zusätzlicher Nachmittagsbetreuungen, unterstützt die Stadt die Schulen beim Finden einer Lösung.“
Aber: „Natürlich leiden die Kinder und Jugendlichen unter dieser Situation“, stellt der dreifache Familienvater klar. „Die soziale Schere öffnet sich immer mehr. Gut behütete Kinder und Jugendliche werden nach dieser Corona-Zeit die klar besser Gestellten sein.“ Schule bestehe außerdem zu einem großen Teil aus dem sozialen Kontakt. Dieser sei seit März drastisch reduziert. „Das hinterlässt alles Spuren in der Psyche unserer Heranwachsenden.“

Kaum mehr soziale Kontakte

Im Herbst erfolgte dann zum Glück der Schulstart: aber mit Masken und Abstand halten. „Die Kinder der vierten Schulstufe in den Volksschulen haben nun keine Möglichkeit, die höheren Schulen ,real‘ zu besichtigen. Und den Jugendlichen, die am Anfang oder mitten in der Pubertät stecken, wird der notwendige Ausgang aus dem Elternhaus erschwert.“ Zum Glück empfänden manche der Kinder und Jugendlichen das Homeschooling wie eine Art Ferien; die nachteilige Situation werde von ihnen noch nicht reflektiert.
Das Hauptproblem beim Homeschooling ist, sagt Hämmerle, dass die Eltern Eltern sind und keine Lehrpersonen. Für das Familienleben sei das eine große Störung der normalen Ordnung.
„Aus Sicht der Familien hoffe ich, dass der Lehrberuf wieder mehr an Achtung und Anerkennung erlangt“, erklärt der 44-Jährige. „Gesellschaftlich hoffe ich darauf, dass der Lehrberuf finanziell aufgewertet wird, sodass vor allem in der Volksschule wieder mehr Männer den Beruf wählen.“
Im Laufe des nächsten Jahres wird sich die Corona-Situation normalisieren, davon geht der Dornbirner aus. „Aber die psychischen, kulturellen und wirtschaftlichen Folgen werden uns noch länger begleiten.“