Allgemein

Experten sehen Massentests positiv

08.12.2020 • 19:10 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
<span class="copyright">Hartinger</span>
Hartinger

Landeshauptmann: Neuauflage möglicherweise schon im Jänner.

Sehr zufrieden mit den Corona-Massentests am vergangenen Wochenende zeigten sich die Verantwortlichen des Landes. In einer Pressekonferenz haben sie am Montag nach dem dreitägigen Test-Marathon Bilanz gezogen und die Pläne für das weitere Vorgehen präsentiert. Insgesamt 105.361 Menschen haben sich in Vorarlberg von Freitag bis Sonntag einem Antigen-Test auf das Coronavirus unterzogen. Bei etwa 345.000 Personen, die zur Teilnahme aufgerufen waren, ergibt sich dabei eine Quote von 31,33 Prozent. In 476 Fällen brachte der Test ein positives Ergebnis. Bei 404 Personen wurde dieses Ergebnis schlussendlich durch einen PCR-Test bestätigt. Die Positivitätsrate lag damit bei 0,38 Prozent.

Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher (l.), Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Public-Health-Experte Armin Fidler. <span class="copyright">VLK</span>
Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher (l.), Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Public-Health-Experte Armin Fidler. VLK

Obwohl die Teilnahmequote unter den erhofften 50 Prozent lag, sahen Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher und Public-Health-Experte Armin Fidler den Flächentest als Erfolg. Schließlich seien 404 asymp­tomatische Infektionen mit dem Virus aufgedeckt worden, erläuterte Grabher. Dadurch sei verhindert worden, dass die Betroffenen weitere Menschen ansteckten und sich die Zahl der Infektionen multipliziert. Dazu komme, dass sich die höchste Positivitätsrate in der Altergruppe der 20- bis 30-Jährigen gezeigt habe. Gerade diese Menschen würden bei einer asymptomatischen Infektion weiter unbedarft ihrer Arbeit nachgehen.

Schutz vor Infektion

Ähnlich äußerte sich Fidler, der die Landesregierung berät. Durch Flächentestungen könne eine große Zahl an infektiösen Menschen „aus dem Verkehr gezogen werden“. Dadurch würden andere vor einer Infektion geschützt. Der zweite Lockdown habe bereits zu einer sinkenden Zahl an Neuinfektionen geführt. Durch die Flächentestungen werde diese weiter gedrückt. Würden derartige Tests regelmäßig durchgeführt, könne man irgendwann den Punkt erreichen, „an dem der Epidemie die Luft ausgeht“.

Neue Erkenntnisse gewonnen

Der Massentest hat nach Angaben des Experten aber auch weitere Erkenntnisse gebracht. So habe man einiges für die weitere Teststrategie oder auch für die Verteilung der Impfung gelernt. Auch habe sich gezeigt, dass die IT-Plattform des Landes funktioniere. Zudem habe man gesehen, dass vor allem bei jungen Menschen und solchen mit Migrationshintergrund andere Zugänge gebraucht werden, um sie von der Teilnahme am Test zu überzeugen. So könnte man bei den Jugendlichen etwa vermehrt auf Aufrufe durch Influencer wie etwa Musiker oder auch Sportler setzen.

Landeshauptmann Markus Wallner (l.) und Sicherheitslandesrat Christian Gantner. <span class="copyright">VLK</span>
Landeshauptmann Markus Wallner (l.) und Sicherheitslandesrat Christian Gantner. VLK

Insgesamt wäre eine höhere Teilnahmequote wünschenswert, aber ohne Zwang, den man nicht wolle, nur schwer zu erreichen, räumte Fidler ein. Doch diesbezüglich gebe es Hoffnung. Denn Tests, die einfach zu Hause durchgeführt werden könnten, stünden vor der Zulassung. Wenn sich Privatpersonen alle paar Tage selbst testen könnten, könne man diese 50-prozentige Teilnahmequote erreichen.

Nur die Spitze des Eisbergs

Landessanitätsdirektor Grabher appellierte an die Bevölkerung, die Abstands- und Hygieneregeln weiter einzuhalten sowie den Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die 404 positiven Fälle seien lediglich die Spitze des Eisberges. Man könne basierend auf dem Ergebnis des Flächentests davon ausgehen, dass schätzungsweise 2000 Menschen in Vorarlberg mit dem Virus infiziert seien, ohne Krankheitssymptome zu haben. Verzichte man nun auf alle Vorsichtsmaßnahmen, sei damit zu rechnen, dass es nicht einmal vier Wochen dauere, ehe es zum nächsten Lockdown komme.

Impfstrategie in Arbeit

Ein dritter Lockdown müsse auf jeden Fall verhindert werden, hatte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) zuvor betont. Derzeit sei man mit den Planungen für das nächste Jahr befasst. Dabei setze man einerseits auf weitere Tests. Möglich wäre sogar, dass es bereits im Jänner die nächsten Flächentes­tungen geben werde. Diesbezüglich gebe es Gespräche der Länder mit dem Bund. Andererseits werde gerade eine Impfstrategie für Vorarlberg ausgearbeitet. Dazu müsse bei Infektionsfällen weiter konsequent ­Kontaktverfolgung betrieben werden. Hinsichtlich der Massentests bedankten sich Wallner und die Landesräte Martina Rüscher und Christian Gantner (beide ÖVP) bei den Teilnehmern sowie den über 3000 Helfern.