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Handel: Der große Ansturm blieb aus

08.12.2020 • 21:08 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Am Dienstagvormittag herrschte im Messepark Dornbirn gähnende Leere. <span class="copyright">Paulitsch</span>
Am Dienstagvormittag herrschte im Messepark Dornbirn gähnende Leere. Paulitsch

Besucherandrang blieb am Marienfeiertag deutlich unter den Erwartungen.


Normalerweise lässt der 8. Dezember die Kassen der Händler ordentlich klingeln. Nicht so in diesem Jahr: Wie sich bei einem NEUE-Rundruf und Lokalaugenschein gezeigt hat, ging es auch am zweiten Einkaufstag nach dem Lockdown sehr ruhig zu. Schon am Montag war der Andrang auf die Geschäfte überschaubar und auch am gestrigen verkaufsoffenen Feiertag (Maria Empfängnis) – traditionell einer der umsatzstärksten Tage des Jahres – waren die Kundenfrequenzen bis zum frühen Nachmittag in den Geschäften weit niedriger als erwartet. Diese Bilanz ziehen sowohl die großen Shoppingzentren Messepark und Zimbapark als auch die Geschäfte in den Städten, die sehr von der Gastronomie abhängig sind.

Unter den Erwartungen

Messepark-Geschäftsführer Burkhart Dünser bezeichnete den Andrang im Messepark als „gut, aber deutlich unter den Erwartungen“. Ein Grund für die niedrigere Kundenfrequenz sei, dass sich das „8.-Dezember-Geschäft“ aufgrund des Fenstertags am 7. Dezember auf zwei Tage aufteile. Zudem vermutet Dünser, dass sich viele Kunden an die Empfehlung der Regierung halten, wonach die Geschäfte nicht gleich in den ersten zwei Tagen gestürmt werden sollten. Dünser rechnet damit, dass das Geschäft in den nächsten wieder deutlich anziehen wird.

Auch im Zimbapark war der Besucherandran überschaubar. <span class="copyright">Zimbapark</span>
Auch im Zimbapark war der Besucherandran überschaubar. Zimbapark

Zielgerichtet eingekauft

Im Zimbapark in Bludenz kam das Geschäft erst ab 11 Uhr ein wenig in Schwung. Center-Manager Walter Simma sprach von einem „schleppenden Beginn“. Ab 14 Uhr sei die Besucherfrequenz dann „sehr gut gewesen“. Der Center-Manager zeigte sich mit den ersten beiden Einkaufstagen nach dem harten Lockdown zufrieden und unterstrich die gute Stimmung, die im Einkaufszentrum vorherrsche. Sowohl in Bludenz als auch Dornbirn ließ sich feststellen, dass die Besucher nicht länger als notwendig in den Geschäften verweilen. „Die Kunden wissen genau, was sie brauchen und kaufen sehr gezielt ein“, sagten Simma und Dünser unisono. Zudem unterstrichen sie die große Disziplin der Besucher. Maskenpflicht, Abstandhalten sowie alle weiteren Regeln würden ernst genommen. Es habe zu keiner Zeit die Gefahr bestanden, dass Bestimmungen überschritten werden.

Elisa Amann (l.) und Denise Moschen vom Modegeschäft Monari. <span class="copyright">NEUE</span>
Elisa Amann (l.) und Denise Moschen vom Modegeschäft Monari. NEUE

Lokalaugfenschein in Feldkirch

Das Damenmoden-Geschäft Monari in der Schmidgasse in Feldkirch kann sich normalerweise nicht über fehlende Kundschaft beklagen. Am gestrigen „Einkaufs-Feiertag“ blieben die akkurat gestapelten Pullover und Shirts jedoch größtenteils in den Regalen liegen. Modeberaterin Denise Moschen ließ wissen, dass sie sich am Feiertag deutlich mehr Frequenz erwartet hätte. „Aber es ist ja eigentlich in der ganzen Stadt nichts los“, stellte sie fest. Etwas mehr Engagement erwartet hätte sich Moschen von den Verantwortlichen im Rathaus. „Da es heuer wegen der Corona-Pandemie keinen Weihnachtsmarkt gibt, wäre etwas mehr weihnachtliche Deko nicht fehl am Platz gewesen.“ Allerdings sei sie sich auch bewusst, dass die Gastronomie in den Innenstädten ein wichtiger Frequenzbringer ist. Ohne Cafés und Lokale, sagt Moschen, habe der Handel einfach weniger Kunden.

Buchhändler Herbert Pröll. <span class="copyright">NEUE</span>
Buchhändler Herbert Pröll. NEUE

Viele Bücher bestellt

In der kleinen, aber feinen Bücherstube von Herbert Pröll stapelt sich der Lesestoff mittlerweile in allen Ecken. „Bücher aus Bodenhaltung“, schmunzelt der Geschäftsinhaber und erklärt, dass es sich hierbei um jene Ware handle, die seine Kunden während des Lockdowns bestellt hätten. „Mich überrascht, dass bislang recht wenige Bücher abgeholt wurden“, sagt Pröll. Der diesjährige 8. Dezember unterscheide sich von früheren vor allem dadurch, dass die Kunden nicht stoßweise ins Geschäft kommen würden. Laut Covid-19-Verordnung dürfen nur drei Kunden in das kleine Geschäftslokal in der Feldkircher Entenbachgasse. Zudem vermutet Pröll, dass die geschlossene Gastronomie für den überschaubaren Kundenandrang am Feiertag gesorgt hat. Die Online-Absätze sind seit Beginn der Corona-Pandemie deutlich gestiegen, worüber sich der Buchhändler naturgemäß freut. Es sei auch deutlich zu spüren, dass viele Vorarlberger ganz bewusst auf den Kauf beim Online-Riesen Amazon verzichten würden.

Karin Prantner, Geschäfstinhaberin "propella".  <span class="copyright">NEUE</span>
Karin Prantner, Geschäfstinhaberin "propella". NEUE

Wechselhaft

Während des NEUE-Lokalaugenscheins im Geschäft „propella“ am Mühletorplatz in Feldkirch ist gerade jede Menge los. Inhaberin Karin Prantner nimmt sich trotzdem kurz Zeit für ein Gespräch. Sie könne sich nicht beklagen, das Geschäft gehe ganz gut, sagt sie. Allerdings sei der erste Tag nach dem Lockdown etwas besser gewesen. „Der 8. Dezember war immer schon sehr wechselhaft“, spricht Prantner aus Erfahrung. Im vergangenen Jahr habe sie am „Einkaufs-Feiertag“ so gut wie kein Geschäft gemacht. Kritisch sieht sie den Umstand, dass an diesem Tag nicht alle Geschäfte geöffnet haben. „Da müssten doch alle gemeinsam an einem Strang ziehen“, sagt Prantner. Auch das Fehlen der Gastronomie wirke sich auf die Besucherfrequenz in der Innenstadt aus.

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