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Brandgefahr in der besinnlichen Zeit

13.12.2020 • 14:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
In der Weihnachtszeit steigt auch die Brandgefahr. <span class="copyright">Symbolbild/Shutterstock</span>
In der Weihnachtszeit steigt auch die Brandgefahr. Symbolbild/Shutterstock

Feuerwehren rücken jährlich wegen brennender Weihnachtsdeko aus.

Die Advent- und Weihnachtszeit sind für viele Menschen auch eine stille Zeit. Eine Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen und sich vom Stress des Alltags zu erholen. Für so manchen gehört dazu auch Weihnachtsdekoration, ein Adventkranz und brennende Kerzen. Doch recht schnell kann die Stille dann durch hektische Betriebsamkeit verdrängt werden. Dann nämlich, wenn beispielsweise ein ausgetrockneter Adventkranz Feuer gefangen hat und die Flammen sich allmählich im ganzen Zimmer ausbreiten.

Versicherungsschäden

Vier Mal kommt es in Vorarl­berg im Schnitt jedes Jahr zu einem Feuerwehreinsatz, nachdem ein Adventkranz, Weihnachtsdeko oder der Christbaum durch vergessene Kerzen oder Sternspritzer Feuer gefangen haben, berichtet Ralph Pezzey von der Brandverhütungsstelle Vorarlberg. Dazu kommen noch rund 30 kleinere Ereignisse, bei denen zwar kein Feuerwehreinsatz nötig ist, aber dennoch ein Schaden entsteht, der von der Versicherung gedeckt werden soll.

Weihnachtsbräuche: Traditionen und moderne Erfindungen

Der Christbaum gilt als Symbol der Weihnachtszeit schlechthin. Seinen Ursprung dürfte er wohl als „Paradiesbaum“ im kirchlichen Krippenspiel des Mittelalters haben. 1605 soll es in Straßburg den ersten Christbaum gegeben haben – noch ohne Kerzen. Und seit Mitte des 19. Jahrhunderts gehört der geschmückte Baum zum Weihnachtsfest in die Wohnzimmer. Bis zur Reformation wurden die Kinder am Nikolaustag beschenkt. Weil Protestanten aber mit der Heiligenverehrung der Katholiken brechen wollten, musste der Heilige Bischof von Myra als Gabenbringer weichen. Christkind und Weihnachtsmann übernahmen die Rolle, die Bescherung wurde aufs Weihnachtsfest verschoben.

Wie der Weihnachtsmann aussieht, hängt immer auch von zeitgenössischen Einflüssen ab. Das heute weit verbreitete Bild des rundlichen Herren in rot-weißem Gewand ist einer Werbekampagne des Coca-Cola-Konzerns aus dem Jahr 1931 zu verdanken. Sein Name ist übrigens „Santa Claus“, was an den heiligen Nikolaus aus vor-reformatorischer Zeit erinnert.

In Sachen Weihnachtslieder liegt der Klassiker „Stille Nacht, Heilige Nacht“ immer noch unangefochten an der Spitze des Beliebtheitsrankings. Aber auch modernere Titel wie „White Christmas“ von Bing Crosby oder „Last Christmas“ von Wham! stehen auf der Hitliste. Das hat eine repräsentative Umfrage in Deutschland vergangenes Jahr gezeigt.dpa

Durch stetige Präventionsarbeit und ein steigendes Bewusstsein in der Bevölkerung für die Gefahren habe sich die Situation in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten deutlich verbessert, erklärt der Experte. Dazu habe auch die zunehmende Verbreitung von elektrischer Christbaumbeleuchtung einen wichtigen Teil beigetragen. Dennoch seien Kerzen immer noch beliebt. Schließlich hätten die einen eigenen Duft, der für viele Menschen auch zum Weihnachtsfest dazugehöre, zeigt Pezzey Verständnis.

„Nach Neujahr zünde ich am Christbaum ganz sicher keine Kerze mehr an", so der Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle Vorarlberg Ralph Pezzey. <span class="copyright">Brandverhütungsstelle Vorarlberg</span>
„Nach Neujahr zünde ich am Christbaum ganz sicher keine Kerze mehr an", so der Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle Vorarlberg Ralph Pezzey. Brandverhütungsstelle Vorarlberg

Umso wichtiger ist es daher aus seiner Sicht, entsprechende Vorsicht walten zu lassen und gewisse Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. Bei den Adventkränzen steigt die Gefahr, je näher der Weihnachtsabend rückt. Denn die Gestecke trocknen mit der Zeit aus. Gleichzeitig brennen die Kerzen immer weiter nach unten und kommen so den Nadelbaumzweigen immer näher. Da kann es schnell passieren, dass der Adventkranz plötzlich licherloh in Flammen steht.

Von Neujahr bis Dreikönig

Ähnlich sieht es bei den Christbäumen aus. Am Weihnachtsabend ist das Risiko eines Brandes laut Pezzey noch nicht so hoch. Allerdings nimmt dieses zu, je länger der Baum im Raum steht. Gerade in der Zeit zwischen Neujahr und Dreikönig ist die Gefahr am größten. „Man will dann vielleicht noch einmal herzeigen, wie schön der Baum ist und zündet noch einmal die Kerzen an. Da geht es ganz schnell, dass sich ein trockener Ast entzündet und explosionsartig der ganze Baum in Flammen steht“, schildert der Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle. Er empfiehlt daher, die Kerzen nicht mehr anzuzünden, wenn der Baum oder auch der Adventkranz zu sehr ausgetrocknet sind. Sternspritzer sollten nach den Weihnachtsfeiertagen ebenfalls nicht mehr verwendet werden.

<span class="copyright">Archivbild/Pezzey/Brandverhütungsstelle</span>
Archivbild/Pezzey/Brandverhütungsstelle

Doch schon beim Aufstellen und Schmücken des Weihnachtsbaums kann mit einfachen Maßnahmen das Risiko eines Brandes gesenkt werden. So sollte darauf geachtet werden, dass der Baum im Ständer sicher auf dem Boden steht. Der Standort sollte so gewählt werden, dass Vorhänge und Möbel möglichst weit entfernt sind. Beim Platzieren der Kerzen schaut man am besten darauf, dass diese genügend Abstand zu Ästen, Papierschmuck und Strohsternen haben. Beim Anzünden empfiehlt der Experte, von oben nach unten vorzugehen. Heruntergebrannte Kerzen sollten entweder ausgetauscht oder nicht mehr angezündet werden. Wird der Baum mit künstlichem Schnee besprüht, sollte bedacht werden, dass dieser als Treibmittel oft explosionsfähiges Flüssiggas enthält. Eine ungefährliche Alternative zu Kerzen sind zudem LED-Lichterketten, erläutert Pezzey. Werden dennoch Kerzen verwendet, dürften diese nicht unbeaufsichtigt gelassen werden

Alarmieren, retten, löschen

Sollte trotz aller Vorsichtsmaßnahmen dennoch ein Feuer ausbrechen, gilt nach Angaben des Geschäftsführers der Brandverhütungsstelle das Motto: Alarmieren, retten, löschen. Brenne es erst einmal richtig, machten eigene Löschversuche keinen Sinn mehr. Dann sei es besser, die Feuerwehr zu alarmieren und sich selbst und Mitbewohner in Sicherheit zu bringen. Auch Nachbarn sollten gewarnt werden, falls diese in Gefahr sind.
Besser ist es natürlich, in der Advent- und Weihnachtszeit die entsprechende Vorsicht walten zu lassen, um gar nicht erst in eine Gefahrensituation zu geraten. Dann lässt sich die stille Zeit auch in Ruhe genießen.

Auch Versicherer spüren die Weihnachtszeit

Nicht nur die Feuerwehren haben in der Weihnachtszeit aufgrund von Bränden von Adventkränzen oder Christbäumen mehr zu tun. Auch in der Versicherungsbranche sind diese ein Thema. Das berichtet Vorstandsdirektor Robert Sturn von der Vorarl­berger Landes-Versicherung (VLV). Meistens gingen die Brände in Vorarlberg jedoch eher glimpflich aus, kleinere Feuer und entsprechende Schäden gebe es allerdings jedes Jahr.

VLV-Vorstandsdirektor Robert Sturn über die Brandgefahr in der Weihnachtszeit. <br><span class="copyright">VLV/Darko Todorovic</span>
VLV-Vorstandsdirektor Robert Sturn über die Brandgefahr in der Weihnachtszeit.
VLV/Darko Todorovic

Die Situation habe sich im Gegensatz zu früheren Zeiten deutlich gebessert, meint Sturn. Dazu habe sicherlich der Trend beigetragen, dass vermehrt LED-Beleuchtung anstatt Kerzen verwendet werde. Zudem ortet auch der Versicherungexperte ein deutlich gesteigertes Bewusstsein in der Bevölkerung für die Gefahren durch brennende Kerzen am Adventkranz und Christbaum. Eine wichtige Rolle in Sachen Prävention spielten auch die Brandverhütungsstelle und die Medien, die regelmäßig zur Weihnachtszeit über die Risiken informierten.
Sturn empfiehlt daher, die gängigen Vorsichtsmaßnahmen in der Weihnachtszeit zu beachten und beispielsweise brennende Kerzen nie unbeaufsichtigt zu lassen. Ebenso könne es sinnvoll sein, einen Feuerlöscher, eine Löschdecke oder zumindest einen Kübel mit Wasser parat zu haben, wenn man die Kerzen am Christbaum anzündet. Denn im Ernstfall gehe es darum, schnell zu handeln.

Kleine Rolle

Im Gesamtschadensaufkommen der VLV spielen die Brände in der Weihnachtszeit übrigens nur eine kleine Rolle, erläutert der Vorstandsdirektor. Schäden in der Landwirtschaft würden einen viel größeren Anteil ausmachen. Neben der Adventzeit gebe es zudem weitere Perioden im Jahr, in denen ein höheres Aufkommen an Schäden zu erwarten sei. So spielten etwa im Mai und Juni Starkniederschläge und deren Folgen eine bedeutende Rolle. „Wir haben hier fast schon so etwas wie eine Regenzeit“, bringt es Sturn auf den Punkt. Ebenfalls ein Thema sind für die Versicherer alljährlich die Winterstürme im Jänner. Bei diesen komme es dann meist nicht zu Einzelschäden, sondern zu vielen Schadensfällen auf einmal.