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Skifahren im Ländle ab 24. Dezember

18.12.2020 • 22:51 Uhr / 9 Minuten Lesezeit
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Symbolbild/apa

Reaktionen auf erneuten Lockdown fallen aber negativ aus.

In einer Pressekonferenz haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Vizekanzler Werner Kogler sowie Gesundheitsminister Rudolf Anschober (beide Grüne) die Pläne zum dritten Lockdown nach Weihnachten präsentiert. Das öffentliche Leben wird ab dem 26. Dezember wieder zum großen Teil stillgelegt. Wie Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) jedoch bei „Vorarlberg Live“ auf der Onlineplattform vol.at bekannt gab, wird in Vorarlberg ab dem 24. Dezember das Skifahren unter strengen Sicherheitsvorkehrungen erlaubt sein. Es gehe darum, der Bevölkerung die Chance zu geben, „ein bisschen an die frische Luft zu kommen“, sagte er in der Sondersendung. Angesichts geschlossener Hotels und Gastronomie sowie fehlender Urlaubsgäste sei man meilenweit von einem großen „Skizirkus“ entfernt.

Verordnung wird erlassen

Schon vor Wochen habe man in Vorarlberg ein Konzept für sicheres Skifahren erarbeitet. Nun werde man diesbezüglich auch noch eine Verordnung erlassen. Warteschlangen an den Liften und volle Gondeln solle es nicht geben. Falls die vorgegebenen Regeln überschritten würden, „greifen wir sofort ein“, betonte der Landeshauptmann. Er kündigte auch Änderungen bezüglich der für Jänner geplanten Massentests an. Diese sollen nun von 15. bis 17. Jänner an über 70 Stationen im ganzen Land über die Bühne gehen. Die Pläne würden in der kommenden Woche konkretisiert. Dazu seien nach den Feiertagen Testungen in großen Betrieben geplant. Man wolle auch direkt an manchen Schulstandorten Tests anbieten.

Silvretta-Montafon gerüstet

Hinsichtlich der Skigebietsöffnung zeigte sich in der Sondersendung Silvretta-Montafon-Geschäftsführer Peter Marko zufrieden. Man sei für den 24. Dezember gerüstet und habe die entsprechenden Präventionskonzepte. Zudem habe sich bereits im Sommer gezeigt, dass man die Sache gut im Griff habe.

Wirtschaftskammer: Schwerer Rückschlag

Man kann die Wirtschaft nicht ständig wie einen Lichtschalter ein- und ausschalten.“ Dieser Ansicht ist Hans Peter Metzler, Präsident der Wirtschaftskammer Vorarlberg (WKV). Angesichts des dritten Lockdowns seien Bund und Länder gefordert, ihre Hausaufgaben in der Gesundheitspolitik zu beenden und das „Stop and go“ der vergangenen neun Monate zu beenden. Der Lockdown treffe die Wirtschaft mit voller Wucht. Klarer Fahrplan gefordert. Es sei zwar bedauerlich, dass die Infektionszahlen – trotz drastischer Maßnahmen – bisher nicht rasch genug zurückgegangen seien, aber es könne nicht sein, dass dafür die Wirtschafts­treibenden bestraft würden. Immerhin hätten sie in den vergangenen Monaten „vorbildliche Sicherheitskonzepte ausgearbeitet“, ist Metzler überzeugt. Die Betriebe bräuchten für das kommende Jahr einen klaren Fahrplan. Der Wirtschaftskammerpräsident macht sich außerdem für regelmäßige Massentests stark. Diese seien unbedingt notwendig, um „die Pandemie endlich in den Griff zu kriegen“.

SPÖ: Bewegung ermöglichen

Zufrieden mit der Entscheidung, dass in Vorarlberg ab 24. Dezember Ski gefahren werden darf, zeigt sich der SPÖ-Chef und Harder Bürgermeister Martin Staudinger. Er hatte sich bereits im Vorfeld der Sitzung von Bund und Ländern dafür starkgemacht, dass winterliche Frischluft- und Freizeitaktivitäten auch bei einem dritten Lockdown möglich sein müssen. Schon im Sommer habe sich gezeigt, dass es im Freien ein deutlich niedrigeres Infektionsrisiko gebe als in Räumen. Entsprechend müssten auch die Maßnahmen im Lockdown gestaltet sein. Es gelte, die Kontakte in Innenräumen zu reduzieren, allerdings „müssen sich die Menschen weiter im Freien bewegen dürfen“, betont Staudinger. Neben dem Skifahren gehörten dazu auch das Eislaufen und das Rodeln. Es sei wichtig, die Menschen vor dem Virus zu schützen. Bewegung und die Möglichkeit, einmal nach draußen zu gehen, seien jedoch ebenfalls sehr wichtig für die Gesundheit. „Man kann die Leute nicht einsperren.“

FPÖ: Kritik an “Chaos-Politik”

Scharf schießt Vorarlbergs FPÖ-Chef Christof Bitschi gegen die Bundesregierung. „Weil Schwarz-Grün nach neun Monaten der Krise immer noch nicht imstande ist, die wirklich gefährdeten Risikogruppen zu schützen, wird unserer Wirtschaft erneut ein großer Schaden zugefügt, viele Betriebe werden vor existenzielle Probleme gestellt, und weitere Arbeitsplätze werden vernichtet“, polterte er am Freitag in einer Aussendung. Es könne – angesichts des dritten Lockdowns – nicht sein, dass „alle paar Wochen mehr oder weniger das ganze Land zugesperrt wird“. Viel mehr brauche es eine vernünftige gemeinsame Corona-Gegenstrategie statt „der schwarz-grünen Chaos-Politik, bei der sich offensichtlich die Regierenden selbst nicht mehr auskennen“. Bitschi nahm in diesem Zusammenhang auch Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) in die Pflicht. Angesichts der Planlosigkeit der Bundesregierung dürfe dieser deren Entscheidungen nicht nur „freundlich abnicken“.

Neos: Langfristige Strategie

Mangelhaftes Krisenmanagement sieht Vorarlbergs Neos-Parteichefin Sabine Scheffknecht. Sie reagierte am Freitag mit Fassungslosigkeit auf die Pläne der Bundesregierung: „An einem Tag verkündet die Regierung die Öffnung, am nächsten Tag wird daraus plötzlich ein Mini-Lockdown, und nun stehen wir vor dem dritten harten Lockdown. Was kommt als Nächstes?“, fragt die Landtagsabgeordnete. Sie kritisiert, dass die Bundesregierung „beim Krisenmanagement zeitgleich in drei unterschiedliche Richtungen“ gehe. Das daraus folgende Chaos müssten die Menschen im Land ausbaden. „Bei dieser ‚Hü-hott‘-Politik geht jegliches Vertrauen in diese Regierung verloren“, meint sie. Es brauche Planungssicherheit für die Menschen und Betriebe. Dazu gehörten konkrete Angaben, ab welchen Infektionszahlen es einen Lockdown gebe und wann Lockerungen vorgesehen seien. Außerdem brauche es eine langfristige Teststrategie mit Schwerpunkt auf den Pflegeheimen.

IV: Stärkere Verpflichtung

Mit einer frühzeitigen Gesamtstrategie hätte ein dritter Lockdown verhindert werden können. Dieser Überzeugung ist Martin Ohneberg, Präsident der Vorarlberger Industriellenvereinigung (IV). Man halte sich zwar solidarisch an die verschärften Maßnahmen, allerdings schwinde das Verständnis mehr und mehr. Umso ärgerlicher sei die fehlende klare Strategie zum Umgang mit der Pandemie. Ohneberg fordert auch einen Paradigmenwechsel in Richtung stärkerer Verpflichtung für Tes­tungen und Impfungen. „Freiheit ist uns allen ein hohes Gut, aber wir sind heute bereits massiv in unserer Freiheit beraubt, und durch Testungen und Impfungen können wird diese Freiheit zurückgewinnen“, zeigte er sich überzeugt.

Wirtschaftsbund: Wirtschaften ermöglichen

Planungssicherheit fehlt aus Sicht von Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler den Unternehmen im Land angesichts der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung. Die Wirtschaft habe in den vergangenen Monaten alles Notwendige getan, keine Kosten und Mühen gescheut sowie mit umfassenden Sicherheits- und Präventionskonzepten ihre Hausaufgaben gemacht. Nun brauche es einen Plan seitens der Bundesregierung, um den Betrieben das Wirtschaften auch zu ermöglichen. Wöchentlich neue Verordnungen und ständige Strategie-Änderungen seien nicht zielführend. Für Kessler gehören dazu regelmäßige Massentests und eine rasche flächendeckende Impfung. Diese solle für bestimmte Zielgruppen – falls erforderlich – auch verpflichtend sein.

vorarlberg museum: Lockdown erwartet

Für Andreas Rudigier, den Direktor des vorarlberg museums, kommt der Lockdown nicht überraschend. Er habe aber mit einer erneuten Schließung erst im Jänner oder Februar gerechnet.
Das Hin und Her von Öffnen und Schließen zehre zwar an den Nerven, sagt er, doch das Haus habe sich mittlerweile auf die Situation eingestellt. Man konzentriert sich derzeit auf die Präsentation der eigenen Sammlung, was eine Planung vereinfacht. Schade findet der Direktor des vorarl­berg museums dennoch, dass die Krippenausstellung heuer nur bis Weihnachten gezeigt werden kann. Zur Kultur-Krisenpolitik der Bundesregierung „fehlen mir die Worte“, sagt Rudigier. „An dem Virus hat niemand schuld, doch das Vorgehen der Bundesregierung zeigt deutlich, welche Bedeutung die Kultur für diese hat.“

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